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Filiah mit neuem Album: "Im Endeffekt geht es nicht um mich"

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Filiah lässt sich mit neuen Songs tief in die Seele blicken
Am Freitag steht bei Filiah eine "riesengroße Celebration" an: Dann feiert die heimische Musikerin nicht nur ihren 28. Geburtstag, sondern präsentiert im Porgy&Bess auch ihr neues Album, das am selben Tag erscheint. Reiner Zufall? "Das hab ich zu 100 Prozent so geplant", lacht sie im APA-Interview. "A Deep Breath Out" heißt ihre zweite Platte - ein "sehr befreiendes Ausatmen", meint Filiah. Denn: "Diese Songs sind mir so wichtig, dieses Album ist so persönlich."

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"Wenn das draußen ist, wird mir eine Last von den Schultern fallen", sagt die Künstlerin: "Diese ganzen Songs, die so ewig auf meiner Seele lagen, sind dann weg." Loslassen könne sie nun das, was sie viele Jahre lang beschäftigt hat. Man muss wissen: Nina Schwarzott, wie die in Niederösterreich aufgewachsene und in Wien lebende Musikerin mit bürgerlichem Namen heißt, hat nicht gerade eine einfache Zeit hinter sich. 2022 veröffentlichte sie ihr Debütalbum "For Someone". Dann ging plötzlich nichts mehr: Schreibblockade, Burn-out, Depressionen, Rückzug. "Mein Weg, mit Dingen umzugehen, war und ist, darüber zu schreiben. Und plötzlich war das nur mehr Stress. Selbst vor dem Tagebuchschreiben hatte ich Angst", erzählt Filiah.

Sie habe sich nach dem ersten Album selbst sehr unter Druck gesetzt. Dann gebe es noch die Erwartung von außen, "dass das, was man liebt, ja erfolgreich sein muss, weil es ja sonst nichts wert ist. Von diesen Glaubenssätzen musste ich mich ganz dringend befreien." Dass noch zig Nebenjobs sein müssen, um finanziell halbwegs über die Runden zu kommen, macht die Sache mit der Überforderung nicht unbedingt einfacher.

"Ich wollte eigentlich gar keine Musik mehr releasen", blickt Filiah zurück. "Deswegen sind die neuen Songs so persönlich geworden, weil ich nie daran gedacht habe, sie zu teilen." Drei Stücke sind bereits auf der sechs Tracks umfassenden EP "Sad Girl With A Punchline" zu finden, die im vergangenen Herbst erschienen ist und gewissermaßen eine Art Comeback markierte. In ihrer kreativen Pause habe sie in anderen Bands gespielt "und mir gedacht, dass ich selbst nicht mehr vorne stehen mag. Aber durch das Musikmachen mit anderen Leuten habe ich wieder Lust bekommen. Ich habe mir gedacht: Ich habe viel zu sagen, und es wäre voll schaden, wenn ich mir dabei selber im Weg stehe."

Es sind intime, schonungslose, mal mit sanfter, mal mit kraftvoller Stimme gesungene, englischsprachige Stücke, mit denen Filiah in ihr Innerstes blicken lässt, wobei bei aller Selbstdemontage immer wieder Selbstironie durchblitzt. "Manchmal denke ich mir schon: Warum releast du diese Songs, wenn dann alle wissen, wie du denkst. Aber im Endeffekt geht es nicht um mich. Wenn ich z.B. Joni Mitchell höre, denke ich mir ja auch nicht: 'Ah, da ist es ihr so und so gegangen', sondern 'Das verstehe ich' oder 'Da hat sie Worte gefunden, die ich nicht finden konnte für meinen Zustand.' Darum mache ich das. Musik ist eine der schönsten Sprachen, um sich verstanden zu fühlen. Wenn ich das jemandem geben kann, dann ist es das wert."

Gleich mehrere Songs - darunter der Opener "This Is Not Fun" oder "Method Acting" - thematisieren eine Wut, die sich daraus speist, dass man ständig so sein möchte, wie man denkt, dass andere es gerne hätten. "Ich bin so aufgewachsen, dass mir gesagt wurde: Du darfst nicht zu viel sein. Sag halt mal nix. Sei leise. Ich habe ganz viel Wut und Gefühle unterdrückt, die dann immer mehr rausgekommen sind, als ich mich wohler mit mir selbst gefühlt habe", sagt die Sängerin.

Es geht um Vergangenheitsbewältigung, um Selbstverleugnung, Masken, aber auch um Befreiungsschläge. "Adapt" handelt von der Überwindung des ständigen Anpassungsdrucks. In Summe sei "A Deep Breath Out" so etwas wie ein Protokoll ihrer 20er. Manche Lieder, beispielsweise "People Just Change", sind schon vor rund sieben Jahren entstanden, andere erst im letzten Winter fertig geworden. "Das Album hat schon viele Formen gehabt, hat sich mit mir verändert. Songs sind dazu gekommen, andere weggefallen. Jetzt ist es das Ding, das ich 100-prozentig so gemacht habe, wie ich es wollte."

Als "Herzstück" bezeichnet die Wahlwienerin, die auch schon bei Festivals in Deutschland, den Niederlanden oder Großbritannien gespielt und im vergangenen Herbst den vom Waves Vienna initiierten und von Fach- und Branchenleuten vergebenen Nachwuchspreis "XA Export Award" gewonnen hat, das ruhige "Playground Vision". Darin geht es, kurz gefasst, um Vergänglichkeit. "Ich war als Songwriterin noch nie so stolz auf ein Stück. Ich habe ganz lang versucht, es zu schreiben und dann ist es plötzlich ganz schnell gegangen. Ich war wie ferngesteuert", so die Musikerin. Die Gewissheit, dass alles irgendwann vorbei sei, sei sehr beschissen, aber zugleich auch schön. "Die Schönheit im Vergänglichen zu feiern - das ist für mich dieses Lied."

Musikalisch geht das neue Werk in eine ganz andere Richtung als ihr Debüt vor vier Jahren, das noch von folkiger Melancholie geprägt war. Jetzt klingt der Sound - wie schon auf der EP im Herbst - poppiger, facettenreicher, energiegeladener. Warum? "Ich habe mich früher vielleicht selbst eingeordnet in die Box 'Traurige Frau mit Gitarre'. Es war die Musik, die damals aus mir rausgekommen ist. Damals war ich sehr in mich gekehrt, deshalb war die Musik sehr introspektiv. Das ist sie eh immer noch, aber sie hat jetzt ein anderes Gewand." Klangtechnisch hat sich Filiah definitiv geöffnet, hat mehr Leute in ihren Kosmos gelassen. An einigen neuen Stücken hat etwa ihr Co-Producer und Bassist Thomas Böck mitgeschrieben. "Wo ich immer noch sehr protective bin, sind die Texte. Da lass ich keinen ran", betont die Künstlerin.

"A Deep Breath Out" beweist, dass sich melodiegetriebener Indiepop und inhaltlicher Tiefgang nicht im Weg stehen. Bedenken, dass der überwiegend leichtfüßige Sound die Texte überstrahlt, hat Filiah sowieso nicht. "Ich find's cool, wenn man zu einem Song tanzt und sich dann vielleicht den Text durchliest und sagt: Geil, jetzt taugt er mir noch mehr, weil es auch um etwas geht." Abgesehen davon, habe sie sowieso keinen Einfluss darauf, wie ihre Musik verstanden oder interpretiert werde: "Was in meiner Kontrolle liegt, ist, die beste Musik zu machen, die ich machen kann."

Wie geht es für die Singer-Songwriterin jetzt weiter? Hat sie Angst, mit dem dichten Album vorerst alles gesagt zu haben? "Es ist extrem befreiend, weil ich jetzt machen kann, worauf ich Bock hab. Ich habe zum ersten Mal keine Altlasten mehr. Es fühlt sich nach schönem Aufbruch an."

(Das Gespräch führte Thomas Rieder/APA)

(S E R V I C E - Filiah: "A Deep Breath Out", Albumpräsentation am 5. Juni, 20.30 Uhr, im Porgy&Bess. www.thisisfiliah.com/ )

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Ink Music/Sophie Löw/Sophie Löw

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