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Das verbale Ringen in Highsmiths düsterem Haus in der Schweiz wird bald selbst zum psychologischen Krimi, der Fiktion und Realität verschwimmen lässt. Die britische Oscar-Preisträgerin Helen Mirren übernimmt die Rolle der schlecht gelaunten Autorin, die dem jungen Edward Ridgeway (Alden Ehrenreich, "Solo: A Star Wars Story") mit kleinen, fiesen Gemeinheiten die Zeit in ihrem Haus schwer macht. Das tut Mirren auf überzeugende Weise. In Edwards Schuhen möchte man nicht stecken.
Hat Highsmith etwa sein Frühstücksrührei mit Gift vermischt? Wie konnte sie ihm mitten in der Nacht mit einem Messer aus ihrer antiken Waffensammlung einen kleinen Schnitt am Hals zufügen? Doch der aufstrebende Lektor lässt sich von den perfiden Spielchen nicht unterkriegen. Das beeindruckt Highsmith, und sie lässt sich langsam auf ihn ein. Schließlich überlegen sie gemeinsam, welche Geschichte der sechste Ripley-Band erzählen könnte - und dabei zeigt sich, dass auch Ridgeway durchaus dunkle Seiten in sich trägt.
Die Fantasie der beiden trägt die Story nach Rom. Dort lernt der durchtriebene Tom Ripley (auch gespielt von Alden Ehrenreich) absichtlich - und wie nebenbei - die hübsche Clementine (Olivia Cooke) kennen. Er ist der Traum jeder Schwiegermutter. Gleichzeitig plant er bereits die Morde an ihrem Vater und ihrer Tante, um an das Familienvermögen zu kommen.
Der Film, der auf einem Theaterstück basiert, erzählt quasi zwei Krimis in einem. Und jeder fesselt. Die ambivalente Beziehung zwischen Highsmith und Ridgeway in den bedrückenden Räumen des Hauses der Autorin schwankt zwischen Nähe und Distanz, Respekt und Verachtung. Die Erzählweise und die Kameraeinstellungen erinnern dabei an Hitchcock-Krimis, die ja teils auch auf Highsmith-Bücher basierten. Die Geschichte in Rom dagegen kommt zunächst mit sommerlicher Leichtigkeit daher, bevor sie ihre mörderische Wucht entfaltet.
Regisseur Anton Corbijn nimmt sich Zeit beim Erzählen und das tut erstaunlich gut. Es ist die klassische Erzählstruktur eines eleganten Krimis ohne Schnickschnack. Ein Film wie ein Highsmith-Roman - beklemmend und unterhaltsam. Eine Liebeserklärung an die Autorin, ohne eine Biografie sein zu wollen. Highsmith hat mehr als 20 Bücher geschrieben, und einige davon wurden verfilmt. Berühmt wurde sie dank Alfred Hitchcocks Verfilmung ihres Romans "Zwei Fremde im Zug" von 1950.
Helen Mirren war mit den Romanen von Patricia Highsmith schon lange vor Drehbeginn vertraut. "Mein Mann, der Amerikaner ist, hat mich auf Patricia Highsmith gebracht", sagte Mirren in einem Interview mit ausgewählten Medien. Zuvor hatte sie bereits Verfilmungen ihrer Romane gesehen. Vor allem die frühe Ripley-Verfilmung "Nur die Sonne war Zeuge" mit dem jungen Alain Delon von 1960 habe sie begeistert. "Der Film ist absolut wunderbar. Nachdem ich den Film gesehen hatte, sagte mein Mann: 'Du solltest ihre Werke lesen, sie ist großartig.' So habe ich Patricia Highsmith gewissermaßen kennengelernt."
Für sie war die Rolle von Highsmith vor allem aufgrund des Drehbuches reizvoll, wie sie weiter sagt. "Es basiert auf einem Theaterstück und deshalb hat es dieses Echte, diese innere Tiefe. Und gerade weil es ein Theaterstück war, war es irgendwie wunderschön geschrieben. Es war, wie man so schön sagt, ein echter Pageturner." Sie habe beim Lesen kaum erwarten können, zu sehen, was auf der nächsten Seite steht. "Die Dialoge sind fantastisch."
Zudem wollte sie gern eine "so außergewöhnliche Figur spielen, die ganz anders ist als ich". Highsmith sei mürrisch und gemein. "Ich bin gut gelaunt und sehr nett", sagt sie lachend. Ihr Trick, um dennoch gut in die Rolle der biestigen Highsmith schlüpfen zu können? "Make-up, Kostüm, Haare. In dem Moment, als ich das alles angezogen hatte, konnte ich mich nicht mehr im Spiegel ansehen. Aber genau das hat mir alles gegeben."
Die Szenen mit Helen Mirren und Alden Ehrenreich spielen ausschließlich in einem Haus. Die amerikanische Schriftstellerin hatte sich später in die Schweiz zurückgezogen, in ein von ihr entworfenes Haus. Gedreht wurden diese Szenen allerdings nicht in der Schweiz, sondern bei London. "Dieses Haus war so schrecklich. Die Decken waren unglaublich niedrig. Draußen war dieser schäbige, grüne, ziemlich ekelhafte Teich, und die Schlafzimmer waren buchstäblich wie Gefängniszellen. Sie waren entsetzlich. Für unsere Zwecke war es einfach perfekt."
Gemeinsam mit Ehrenreich arbeitete sich Mirren am Set jeden Tag durch Seiten voller Text. Bei vielen Filmen seien oft zwei Seiten schon ein Erfolg. "Wir mussten 15 Seiten pro Tag schaffen. Wir mussten lange an diesen langen Szenen arbeiten." Ehrenreich sei dabei ein echter Partner gewesen. "Er ist superklug und unglaublich, unglaublich talentiert. Er ist ein toller Kerl."
(Von Christiane Bosch/dpa)
(S E R V I C E - https://tobis.de/titel/ein-talent-fuers-morden )
BERN - SCHWEIZ: FOTO: APA/APA/Tobis Film
