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Aberwitzig-abstruser Krimi "Hope Joanna" von Horst Evers

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++ ARCHIVBILD ++ Horst Evers karikiert in seinem neuen Krimi die Realität
©APA, dpa, Jens Kalaene
Eine Elbin sitzt am Steuer eines Elektro-Sportwagens, daneben der Zauberer Gandalf. Plötzlich zuckt ein Blitz: zu schnell gefahren. Bei näherem Hinsehen stellen sich die Fantasy-Figuren als eine Kommissarin im Einsatz und ein Fußballer heraus, dem das Auto gehört und der sich fragt, ob er den Führerschein verlieren wird, den er gar nicht hat. Es ist eine typische Szene aus der aberwitzig-abstrusen Welt von Horst Evers, der mit "Hope Joanna" einen neuen Krimi geschrieben hat.

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Neben mehreren Leichen bekommen es Lesende der Geschichte des Kabarettisten und Autors mit einer oft missgelaunten Kommissarin, Fußballern, Nazi-Artefakten, einer Geheimorganisation samt mysteriöser Botin und Bierbrauern mit extrem rechten Ambitionen zu tun. Schon in einer der ersten Szenen fällt ein Ermittler auf eine Leiche. Was einen Beamten der Spurensicherung ausrufen lässt: "Auf die Leiche fallen ist tabu."

Im Mittelpunkt des Krimis steht die junge Berliner Kommissarin Hope Joanna Marlow. Geboren am 9. November 1989, am Tag des Mauerfalls, benannt nach dem bekannten Eddy-Grant-Song "Gimme Hope Jo'anna". Sie wurde Polizistin, um als Taekwondo-Kämpferin eine Olympia-Chance zu erhalten. Das ist Vergangenheit, ein Handyvideo aber, in dem zu sehen ist, wie sie vier gewalttätige Räuber überwältigt, macht sie zur Heldin wider Willen - das "Batgirl" der Berliner Polizei.

Gleichzeitig versetzt eine mysteriöse Mordserie die Stadt in Aufruhr. Eine rechtsradikale Sekte glaubt, dass ein legendärer, seit Kriegsende verschollener Fluchtkoffer Adolf Hitlers mehr als eine Legende ist - und ein sagenumwobenes Elixier enthält, dessen Einnahme zu unüberwindlichem Selbstbewusstsein und bedingungsloser Entschlossenheit verhilft. Eine Droge also - das sogenannte Führerelixier. Für die Polizei bedeutet das, tief in einen Sumpf aus Tod und Irrsinn zu geraten.

Das Buch, vordergründig ein Krimi mit entsprechenden Spannungsbögen und einem wilden Showdown, ist ein echter Evers: Immer ironisch, manchmal boshaft, nie bösartig nimmt der schnoddrige Erzähler und Philosoph des skurrilen Alltags in diesem Fall vor allem Berlin, die Berliner, ihre Polizei und die rechte Szene aufs Korn.

Es sind oft die kleinen Szenen, im Grunde nebensächlich, die Evers zu großer Form auflaufen lassen - weil sie aus dem Leben gegriffen sind und die Realität karikieren. Eine Pensionistin zum Beispiel hat ihre ganz eigene Methode, mit den Tücken digitaler Technik fertigzuwerden: Tritte und Schläge gegen Rechner und Router, und schon lädt ihr betagter Computer schneller: "Zumindest gefühlt. Ging doch."

(Von Thomas Strünkelnberg/dpa)

(S E R V I C E - Horst Evers: "Hope Joanna", Rowohlt Verlag, 320 Seiten, 25,50 Euro)

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