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„EPiC“: Luhrmann setzt Elvis Presley ein episches Denkmal

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Elvis Presley

©IMAGO / Album

Der Regisseur des Presley-Biopics „Elvis“ hat verschollen geglaubte Aufnahmen von Live-Konzerten und Proben in eine Mischung aus Doku und Konzertfilm gegossen. Ab 26. Februar im Kino.

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Vor vier Jahren inszenierte Baz Luhrmann das Presley-Biopic „Elvis“. Bei der Recherche stieß der Regisseur auf verschollen geglaubte Aufnahmen, die den „King“ in Höchstform beim Proben und bei Konzerten zeigen. Überwiegend daraus, aber auch anderem Archivmaterial hat Luhrmann nun eine Mischung aus Doku und Konzertfilm geschaffen: „EPiC“, ab Donnerstag im Kino, huldigt Elvis episch im ton- und farbstarken IMAX-Format und lässt ihn in eigenen Worten seine Geschichte erzählen.

Glitzer und Bombast

Elvis ließ Luhrmann offenbar nicht mehr los. Gut so, denn die Zugabe zum Biopic macht die Persönlichkeit und den Charme Presleys, aber vor allem seine einzigartige Stimme fühlbar – so gekonnt auch Austin Butler den Sänger darstellte, das Original ist (und bleibt wohl auch) unerreicht. Der Titel „EPiC – Elvis Presley in Concert“ mag etwas in die Irre führen, da es sich nicht um einen klassischen Konzertfilm handelt, aber davon gibt es mit etwa „That's The Way It Is“, „Aloha From Hawaii“ oder „On Tour“ für Fans ohnehin genügend.

„EPiC“ führt kompakt durch die Karriere eines Mannes, der die Rock- bzw. Popwelt prägte und bis heute als erfolgreichster Solokünstler gilt. Zwischen Aufnahmen aus frühen Tagen (im Zeitraffer abgehandelt) und späteren Konzertglanzleistungen lässt Luhrmann ausschließlich Elvis aus Interviews zu Wort kommen (nur Bono darf am Ende ein von ihm verfasstes Gedicht vortragen). Die Schattenseiten im Leben des King bleiben außen vor, hier geht es darum, einem unglaublichen Talent ein Denkmal zu setzen. Das macht Luhrmann auf die für ihn bekannte opulente Weise, Glitzer und Bombast inklusive.

Mitschnitte von Proben und Auftritten

Presley gab 1969 bis zu seinem Tod 1977 mehr als 1.100 Konzerte, 635 davon gingen im The International Hotel (später Hilton und heute Westgate Resort & Casino) in Las Vegas über die Bühne. Den Kern von „EPiC“ bilden Aufnahmen von Shows im International, die Luhrmann effektiv editiert hat. In 67 Kisten war das historische Filmmaterial gelagert, erzählte Luhrmann in Interviews. Dank der von Peter Jackson und seinem Team entwickelten Technologie, die schon etwa bei „Get Back“ der Beatles zum Zug kam, wurde es restauriert – im IMAX-Format wirken die Bilder überaus aktuell, der Sound ist gewaltig.

Mitschnitte von den Proben zeigen, wie leidenschaftlich Elvis sich an das Songmaterial heranarbeitete – zunächst in intimen Rahmen mit seiner Rhythmusband, dann mit Chor und Bigband. Ob Rock and Roll, Beatles- oder Bob-Dylan-Songs, Gospel oder Pop, der Film verdeutlicht Elvis' Ausnahmeerscheinung als genreübergreifender Meisterinterpret. Luhrmann gewährt auch Backstage-Eindrücke (Elvis trifft etwa Sammy Davis Jr.) und mischt Sequenzen aus Elvis' triumphaler Konzertreihe im Madison Square Garden, den einzigen Auftritten Presleys in New York, zwischen die Sequenzen aus Vegas. Erstaunlich, wie nah die Kamera an Elvis heran ist.

Das „Kapitel“, in dem Elvis über seinen Manager Colonel Tom Parker spricht, hat Schelm Luhrmann mit dem Song „Devil in Disguise“ unterlegt. Ein neues Buch des Elvis-Experten Peter Guralnick, „The Colonel And The King“, verdeutlicht allerdings, dass Parker oft zu Unrecht als Buhmann dargestellt wird.

Erstklassiger Soundtrack

„EPiC“ bietet keine neuen Offenbarungen, was Fakten betrifft, aber bisher nicht gesehene, wunderbare Sequenzen. Dass nicht alle Lieder in voller Länge präsentiert werden, ist wohl dem Format geschuldet (Fans wünschen sich vermutlich das Probenmaterial in Gänze). Nicht nur Spätgeborenen führt der Film vor Augen (und Ohren), welch überirdischer Performer Elvis war, der sogar seine Mitmusiker auf der Bühne zum Staunen bringt. Die Songs wurden zum Teil ordentlich neu gemischt, eine recht fetzige Remix-Version von „Suspicious Minds“ bringt den Hit gekonnt in die Gegenwart. Bei Sony Music erscheint der erstklassige Soundtrack.

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