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Toxische Beziehungen: Das Problem sind nicht nur die anderen

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Monika Wogrolly

©Bild: Matt Observe

Was tun, wenn das Gegenüber emotional instabil ist? Launisch, unberechenbar, unfair? Aber Sie lieben ihn oder sie, können und wollen sich nicht trennen. Haben Sie sich schon einmal gefragt, woher das kommt, in emotionale Achterbahnfahrten gezogen zu werden?

Und, nein, es ist nicht immer die Schuld eines Narzissten. Alle, die sich klein machen lassen, haben selbst ihren Anteil daran. Die in meiner Praxis häufig gestellte Schuldfrage geht auf unsere christlich-abendländische Sozialisation zurück: Irgendwer muss böse gewesen sein und Buße tun. In einer Beziehung haben aber beide ihren Anteil an einem Beziehungsmuster, das kränkt und auf Dauer krank macht. Und nur auf diese Art können Sie aus diesem Teufelskreis ausbrechen:

1. Eigenanteil

Nicht Personen sind toxisch. Ihr gemeinsames Beziehungsmuster ist es. Und das ist das größte Hindernis: Wenn Klientinnen in meiner Praxis erklären, ihren Beziehungsstil ändern zu wollen. Und im selben Atemzug bekennen: „Aber so bin ich ganz einfach. Das war schon immer so. Ich kann eben nicht anders.“

2. Selbstliebe

Selbstliebe und Selbstfürsorge riechen nach Egoismus. Sind aber genau das Gegenteil. Nämlich das unverzichtbare Fundament Ihrer Liebesfähigkeit. Nur so schaffen Sie es, toxische Beziehungsmuster zu erkennen und zu durchbrechen, wenn Sie sich – und das hört sich jetzt dämlich an, ist aber genauso – „selbst lieb haben“. Sonst ist eine Änderung der Strickmuster Ihres Liebeslebens ziemlich ausgeschlossen. Weil es ja großen Aufwand und Mühe bedeutet, sich aus scheinbar immer schon dagewesenen Verhaltens- und Denkschemata herauszuschälen.

3. Metaebene

Die einzige Lösung, es neben oder mit einer Person gut auszuhalten, die ihre narzisstischen Verhaltensmuster erstens nicht bemerkt, zweitens nicht bemerken kann oder will und drittens daher auch nicht ändern kann oder will: Auf einer Metaebene gleichsam wie von einem Aussichtspunkt hinabzublicken auf das toxische Treiben in Ihrer Beziehung. Aber ohne selbst emotional getroffen zu sein. Und ohne Gefahr, sich so sehr provozieren zu lassen, dass auch Sie explodieren. Wenn Sie das schaffen und wünschen, kann es so weitergehen und haben Sie eine gute Chance, trotz toxischer Beziehung dennoch gesund und fit zu bleiben.

Fazit: Toxische Beziehungsmuster hinterfragen

Studien haben gezeigt, dass toxische Beziehungsmuster die betroffenen Personen nicht nur psychisch, sondern durch die dauerhafte Ausschüttung von Stresshormonen auch körperlich angreifen. Es gibt Magen-Darm- und Herz-Kreislauf-Typen, Menschen, deren Haut als Spiegel der Seele das Innere nach außen bringt und viele andere Formen der Externalisierung von Kränkung und Leid, auch wenn Betroffene verstummen.

Prüfen Sie, ob Sie sich nicht den Aufwand wert sind, Ihr toxisches Beziehungsmuster zu sprengen und sich auf Abenteuerreise zu sich selbst zu machen. Warum machen Sie es sich unnötig schwer und wollen mit dem Kopf durch die Wand, wenn Sie schon gar nicht mehr oder noch gar nicht wissen, wie schön eine auf Respekt und Wertschätzung aufbauende Liebe sein kann? Auch wenn Sie verantwortlich für die „Auszucker“ ihres Gegenübers sind, fragen Sie sich bitte, warum Sie es nötig haben, alles zu dulden. Und was das mit Ihrer Vergangenheit zu tun hat, dass Sie immer so schnell ein Gefühl von Schuld entwickeln.

 Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 09/2026 erschienen.

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