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Salzburger Festspiele: Peter de Caluwe wird der neue Intendant – und das ist gut so

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Peter de Caluwe

©Photo News, Imago

Peter de Caluwe wird Intendant der Salzburger Festspiele. Warum die Personalentscheidung trotz chaotischer Suche ein Glücksgriff ist und weshalb die Provinzpolitik nicht zur Ruhe kommen sollte.

News auf Google bevorzugen

So geht es im journalistischen Geschäft: Die gesamte Branche meinte am Dienstagabend über Salzburg weißen Rauch aufsteigen zu sehen. NEWS auch, aber wir nahmen den Artikel nach einer halben Stunde vom Netz und konnten die APA gerade noch hindern, die Fehlmeldung weiterzuverbreiten: Statt mühevoll zum Resultat zu gelangen, waren die Verhandlungen mit dem Weltregisseur Barrie Kosky und der Amsterdamer Opernchefin Sophie de Lint um die Doppelintendanz der Salzburger Festspiele gescheitert.

Es blieb die überschaubar bejubelnswerte Vertragsverlängerung der Präsidentin Kristina Hammer, nachdem der erfolgreiche Intendant Markus Hinterhäuser von der Provinzpolitik sinnlos aus dem Amt terrorisiert worden war.

Eine Etage höher

Den Neuen konnten wir dann am Mittwochmorgen melden, fünf Stunden vor den ersten Kollegen (etwas Selbstgefälligkeit muss sein): Peter de Caluwe, 63, wird es, der vom nachmaligen Salzburger Radikalreformer Gerard Mortier als Dramaturg an die Brüsseler Oper geholt wurde und dort dann fast 20 Jahre lang der sehr erfolgreiche Intendant war, ehe er sich im Sommer 2025 zurückzog. Allseits hoffte man, er werde das nach dem Tod des Intendanten Pierre Audi vakante Festival von Aix übernehmen. Nun ist er noch eine Etage höher gelangt.

Für ihn hatten sich zuletzt Persönlichkeiten aus der Champions League des Operngeschäfts verwendet, man verwies auf die unglaubliche Liste allein seiner Regisseure: von Ivo van Hove bis Andrea Breth, von Dmitri Tcherniakov bis Robert Carsen, von Romeo Castellucci bis Lydia Steier – hier ging es einzig um die Exzellenz, die auch der Chefdirigent Alain Altinoglu verkörpert. Man kann seinem Spielplan nichts Schmeichelhafteres nachsagen, als dass er sich wie die Synthese der Salzburger Vorzeigeintendanzen Mortier und Hinterhäuser liest, allerdings mit Handschrift und Eigenart.

Eine tadellose Lösung

De Caluwe ist alles andere als eine Notlösung, sondern ein Glücksgriff, nachdem die chaotische Findungsprozedur zunächst Kosky vertrieben hatte. Statt seine Präsenz an den bedeutendsten Häusern der Welt als Chance zu begreifen, wollte man ihn mit dem Operettentitel „Co-Artistic-Director“ der Amsterdamer Opernchefin unterordnen.

Weder der anderweitig geforderte Kunstminister Babler noch Landeshauptfrau Edtstadler hatten sich irgendwie um seinen Verbleib gekümmert.

Dass im letzten Moment auch Sophie de Lint verhindert wurde, ist somit eher das Resultat des Glücks als der Umsicht. Sie hat die Amsterdamer Oper seit 2018 in die künstlerische Bedeutungslosigkeit gefahren.

Das Haus fiel eher durch das von der Direktorin bekanntgegebene Prinzip „Diversität und Inklusion stehen ganz oben auf unserer Liste“ denn durch künstlerische Exzellenz auf. Als Leuchtturmprojekt der laufenden Saison kann Wagners „Fliegender Holländer“ in der Regie der Volksoperndirektorin Lotte de Beer identifiziert werden: in mehrheitlich unauffälliger Besetzung, aber dafür mit der Kapitänstochter Senta als „artist in search of self-expression“. Das fügt sich zwar geschmeidig in den inklusions- und diversitätstechnisch durchgetakteten Spielplan, sollte aber nicht das dominierende Gestaltungsprinzip bleiben: Die Intendantin schmiss vor einiger Zeit den großen Regisseur Christof Loy mitsamt einer ganzen „Otello"-Produktion aus der Planung, weil sie zur Erkenntnis gelangt war, das Werk dürfe nur einem schwarzen Team überantwortet werden.

Wenn schon Kosky vertrieben wurde, ist jetzt zumindest das Niveau gewährleistet, ohne das man die Festspiele gar nicht erst eröffnen muss.

Das glückliche Resultat soll aber nicht die Provinzpolitik zu trügerischem Aufatmen verführen: Hinterhäusers skandalöse Abschaffung wird weit teurer als eine Million. Der Steuerzahler sonnt sich schon mit Traumblick auf die Landtagswahl 2028.

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