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Salzburg: Das Festspielkuratorium muss entpolitisiert werden

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Heinz Sichrovsky

©Matt Observe

News-Kulturchef Heinz Sichrovsky über die Salzburger Festspiele und den „kollektiven Trump“.

Vergleiche mit Trump müssen präzise angesetzt werden, sollen sie einem nicht unter den Händen entgleiten. Das Kuratorium der Salzburger Festspiele löst die Vorgaben allerdings idealtypisch ein: Aus intellektueller Überforderung, fachlicher Inkompetenz und narzisstischem Realitätsverlust resultiert eine Art Unberechenbarkeit, der man nur fassungslos folgen kann, weil sie sich jeder Logik entzieht.

Man muss sich das vergegenwärtigen: Das aus Landeshauptfrau, Bürgermeister und ein bisschen Babler formierte Gremium legte dem Intendanten zur Last, dass er die Schauspieldirektion mit der höchstqualifizierten Karin Bergmann besetzen wollte. Da das sein Recht war, wurde es später nicht einmal mehr thematisiert.

In die Steinzeit gebombt

Überhaupt war es nur ein Vorwand, angeblich soll sich Markus Hinterhäuser despektierlich über irgendwelche Politiker geäußert haben. Egal, Hauptsache, die Festspiele wurden in die Steinzeit gebombt. Da der kollektive Trump für Bedürftige jetzt aber nicht weiterweiß, soll just der Vorwand für zwei Sommer interimistisch die Aufräumungsarbeiten koordinieren.

Karin Bergmann kann das, zumal ihr Aktionsradius überschaubar ist: Der Sommer 2026 ist durchdisponiert, ebenso das Opernprogramm 2027. Bleibt für besagtes Jahr das Schauspiel, das ich in keinen besseren Händen wüsste (ich rechne dringlich mit der Wiederkehr Andrea Breths). Und sonst?

  1. ist das Kuratorium komplett zu entpolitisieren und, mit Fachleuten besetzt, neu aufzustellen. Sonst sitzt spätestens 2028 Marlene Svazek (FPÖ) dem weltführenden Hochkulturfestival vor, wobei sich der Unterschied eventuell verschleifen könnte.

  2. ist festzustellen, ob Hinterhäuser, wie gemeldet, Mitglieder des Kuratoriums über seine Gespräche mit Karin Bergmann informiert hat. Dann nämlich hätte die Geschichte überhaupt erst begonnen.

Und wie geht es weiter?

Wie es jetzt weitergehen soll, wollen Sie wissen. Ich auch, befürchte aber nichts Gutes. Eine Findungskommission soll eingesetzt werden. Gut, dafür muss man dankbar sein, vergegenwärtigen Sie sich bloß das dystopische Szenario, Edtstadler, Babler und Bürgermeister Auinger gingen auf die Suche!

Es wird aber auch eine Personalberatungsfirma beigezogen, und diesen künstlerisch Nullbelichteten ist das Schlimmste zuzutrauen. Zum Beispiel wurde soeben von irgendwelchen Feuilletongschaftlhubern das über Mittelbayern selten hinausleuchtende Theater Regensburg zum Opernhaus des Jahres gewählt. Behalten wir also vorsichtshalber den Intendanten Sebastian Ritschel bang im Auge. Wäre der auch noch „eine Frau“, müsste mit dem Äußersten gerechnet werden.

Vorsicht vor den Sebastian Ritschels

So kann aber 2028 auch jemand Begrüßenswerter ins Amt gelangen, so hart es ihm werden wird, Hinterhäusers Exzellenz zu halten. Die Wienerin Elisabeth Sobotka wäre dann der Berliner Staatsoper knappe vier Jahre vorgestanden, der Umstieg bewegte sich noch im Rahmen der guten Sitten. Komplizierter würde es für den multipel Salzburg-erfahrenen Matthias Schulz, der erst im September 2025 an der Zürcher Oper angetreten ist.

Karin Bergmann, die ich seit 1986 kenne und schätze, müsste wohl in beiden Fällen ein, zwei Jahre weiterdienen. Wenn sie in Opernbelangen mit dem Designatus kooperiert, könnte der Übergang hoffnungsvoll verlaufen.

Und achten wir scharf auf den hoch qualifizierten Stefan Herheim, der gerade aus der Intendanz des Theaters an der Wien sekkiert wird.

Vorsicht jedenfalls vor den Sebastian Ritschels, wo immer zwischen Flensburg und Ruhpolding die sich aufhalten.

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