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Karin Bergmann: Vom Burgtheater zu den Salzburger Festspielen

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Karin Bergmann

©Rudolf Gigler, IMAGO

Die 72-jährige deutsche Theaterfachfrau bewährte sich schon 2014 bis 2019 im Burgtheater als Troubleshooterin.

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Man schrieb 2014, als Karin Bergmann inmitten der tiefsten Krise des Burgtheaters dessen Führung übernahm. Die erste Frau an der Spitze der größten deutschsprachigen Bühne agierte als Troubleshooterin und führte das Haus konsequent vom Höhepunkt des Finanzskandals zur Konsolidierung.

Als 72-Jährige folgt die Theaterfachfrau nun dem abgesetzten Salzburger Festspielintendanten Markus Hinterhäuser als interimistische Intendantin nach. Ausgerechnet.

Wie die Favoritin zur Nachfolgerin wurde

Schließlich hatte Hinterhäusers Favorisierung Bergmanns für den Posten der vakanten Schauspielleitung das Ende seiner Ära eingeläutet. Schon bei der Erstellung des Schauspielprogramms für 2026, das Hinterhäuser nach der von ihm betriebenen Trennung von Marina Davydova alleine auf den Weg brachte, hatte er sich mit Bergmann und Regisseur Jossi Wieler beraten.

"Sie haben in gewisser Weise ihren Beitrag geleistet", sagte er bei der Programmpräsentation und nannte sie später in der Kronen Zeitung eine "liebe Freundin, die sich immer wieder sehr entscheidend zu Theaterfragen geäußert hat".

Ausgerechnet dieser Umstand brachte Hinterhäuser schließlich ins Wanken, hatte sich Bergmann doch nicht auf die an sich nicht zwingend nötige, aber vom Kuratorium explizit geforderte Ausschreibung für den Posten der Schauspielleitung beworben und auch nicht am Hearing teilgenommen. Die Causa entwickelte sich zu einem Machtkampf zwischen dem Aufsichtsorgan und der künstlerischen Leitung der Festspiele. Das Kuratorium zeigte Hinterhäuser zunächst die "gelbe Karte", schlussendlich wurde die bereits fixierte Vertragsverlängerung ab Herbst 2026 überhaupt für nichtig erklärt.

Kein ruhiges Fahrwasser zu erwarten

Allseits wird Bergmann bestmögliche Expertise für die Aufgabe bestätigt. Sie wechselt also vom Traunsee, wo sie seit 2022 bei den Salzkammergut Festwochen Gmunden die Sparte Literatur und Theater aufgewertet hat, an die Salzach. Ruhiges Fahrwasser ist dort in den Jahren, in denen der große Umbau des Festspielbezirks zu bewerkstelligen ist, allerdings nicht zu erwarten.

Karin Bergmann, geboren am 13. Juli 1953 in Recklinghausen, entstammt tatsächlich einer Bergmann-Familie. Sie suchte jedoch früh den Weg an die Bühne. Bereits mit 13 Jahren ging sie regelmäßig ins Theater, sprach mit 15 mutig bei den Ruhrfestspielen vor. Dort legte man ihr erst den Schulabschluss nahe, den sie schließlich im zweiten Bildungsweg nachholte. Am Bochumer Schauspielhaus verpasste sie als leidenschaftliche Theaterbesucherin unter Peter Zadek keine Inszenierung. Und ebendort sollte auch ihr Berufsweg den Ausgang nehmen, als sie 1979 den Job als Direktionsassistentin von Claus Peymann ergatterte.

Kam mit Peymann nach Wien

Nach vier Jahren in Bochum und weiteren vier Jahren Pressearbeit im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg bei den Intendanten Niels-Peter Rudolph und Peter Zadek folgte Bergmann dem neuen Burgtheater-Direktor Peymann schließlich 1986 als dessen Pressesprecherin nach Wien. Skandale wie die skandalumwitterte Uraufführung von Thomas Bernhards "Heldenplatz" und bitteren Ensemblestreit erlebte sie hautnah mit, etliche Stürme wehrte sie vom Pressebüro aus ab.

Der Wunsch nach Neuorientierung führte sie 1993 auf Ruf von Vereinigte-Bühnen-Wien-Intendant Rudi Klausnitzer als Pressesprecherin und Direktionsmitglied in die Musical-Welt, ehe sie ab 1996 die gleichen Funktionen an der Volksoper bekleidete. Der Zufall sollte sie bald wieder an die Burg führen: Klaus Bachler, der sie an die Volksoper geholt hatte, sollte 1999 neuer Burgtheater-Direktor werden und Bergmann mit ihm gehen.

Zehn Jahre lang war sie als seine Stellvertreterin tätig, rief etwa die Regieassistentenschiene "Spieltriebe" ins Leben und führte den Betrieb in der Saison 2008/2009, als Bachler bereits ein Jahr vor Wiener Vertragsende die Bayerische Staatsoper in München leitete, weitgehend eigenverantwortlich. Ein Jahr, nachdem Matthias Hartmann 2009 die Bachler-Nachfolge antrat, trat Bergmann als dessen Stellvertreterin ab und verabschiedete sich in die Pension – was nicht an Unstimmigkeiten mit Hartmann gelegen habe, wie sie stets betonte.

2014 an die Spitze der Burg

Damit schien die Karriere an vorderster Front für Karin Bergmann zu Ende, die sich im Falter-Abschiedsinterview einst als "starker Zweiter" definierte. Doch weit gefehlt. 2014 stand Bergmann dann mit einem Male in der ersten Reihe, als der damalige Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) sie nach der fristlosen Entlassung von Hartmann mit einem Vertrag bis zunächst 2016 ans Burgtheater zurückholte.

Kurz darauf präsentierte Bergmann einen 100 Punkte umfassenden Sanierungskatalog für das Haus. Bis 2016 sparte sie im Duo mit dem kaufmännischen Direktor Thomas Königstorfer etwa ein Drittel eines Jahresbudgets ein und arbeitete damit einen Schuldenberg von fast 20 Millionen Euro ab. Bereits im Herbst wurde die Verlängerung von der interimistischen zur "ordentlichen" Direktorin bis 2019 verkündet.

Harter Sparkurs und große Namen

Aus der Ära Bergmann blieb an der Burg nicht nur ein harter Sparkurs in Erinnerung, sondern durchaus inhaltliches Wirken. Bergmann holte große Namen wie ihren Amtsvorgänger Claus Peymann und ihren späteren Nachfolger Martin Kušej zurück ans Haus, gab auch dem Nachwuchs eine Chance und förderte junge Autorinnen und Autoren.

Unter ihrer Ägide errang das Burgtheater für die Saison 2014/15 den Titel des "Theaters des Jahres". Nun bekommt die leidenschaftliche Theaterfrau, die mit dem 2023 gestorbenen Architekten Luigi Blau verheiratet war, eine neue Aufgabe. Kaum jemand dürfte daran zweifeln, dass sie sie wieder hervorragend bewältigen wird.

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