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„Rheingold“ bei den Salzburger Osterfestspielen

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Yajie Zhang (Wellgunde), Jess Dandy (Floßhilde) und Louise Foor (Woglinde)

©Frol Podlesnyi

Das Orchester baut Wunderwelten jenseits von Afrika.

Dass das Gebotene vorzeigefähiges Format hat, liegt wie fast immer an den Sensationen im Orchestergraben. Die Berliner Philharmoniker, 2012 unter ihrem operndefizitären Musikchef Simon Rattle nach Baden-Baden entwichen, sind bei den Osterfestspielen zurück. Und zwar auf dem Niveau, auf dem sie 1967 Stilgeschichte schrieben, als sie das Höchstpreisfestival mit Karajan gründeten.

Damals wie heute galt der Neuanfang dem Wagner’schen „Ring“. Karajan entschied sich für die spektakulärere „Walküre“, Festspielintendant Nikolaus Bachler und der Berliner Chefdirigent Krill Petrenko wählen nun den chronologischen Beginn mit „Rheingold“.

Auf halbem Weg

So hat man das Es-Dur-Vorspiel noch nicht gehört. Eine Partitur bis in die Strukturen auseinanderzunehmen, die anatomisch präparierten Orchesterstimmen aber gleichzeitig in gleißender Vollkommenheit auszubreiten, das dirigiert Petrenko niemand nach. Christian Thielemann, der andere Dirigent, der solcher Wunder mächtig ist, setzt mit den Wienern auf das Karajan’sche Prinzip der Überwältigung durch Schönheit bis in die Pianissimi. Petrenkos Lesart zeichnet sich durch funkelnde Intellektualität aus.

Der Regisseur und Ausstatter Kirill Serebrennikov, der zuletzt an der Staatsoper Niederlage auf Gelungenes gehäuft hat, verharrt hier auf halbem Weg zwischen beiden. Einerseits vertraut er den Mythen, und nicht nur den germanischen. Das hat schon seinen Sinn, wenn man sich Wagners Umgang mit den Weltreligionen vergegenwärtigt. Nicht zu reden von der Tatsache, dass die fatale Errichtung der Götterburg Walhall durch die betrogenen Riesen im Detail der „Ilias“ nachgebildet ist (diesfalls der Baugeschichte der Mauern Trojas).

Endlose Eskapaden

Nun soll dieses „Rheingold“ erklärtermaßen in Afrika spielen, worauf die teils totemhaften Kostüme und ein überflüssiges Monumental-Video verweisen. Dem Resultat fehlt allerdings die Schlüssigkeit. So führt der Feuergott Loge einen fahrbaren Andenkenkiosk mit Ethno-Kitsch spazieren, in dem die lachhaften Götterpopanze am Ende verwahrt werden. Das ist originell.

Aber dass einige Figuren durch schwarze Komparsen verdoppelt werden, erzeugt in erster Linie Verwirrung. Man weiß nicht mehr, mit wem man es auf der Bühne zu tun hat, zumal die Frauen in weißer Einheitsadjustierung kaum voneinander zu unterscheiden sind. Dafür wird die Göttin Freia, wenn es um sexuell motivierte Verschleppung und beschämende Bloßstellung geht, von einem schwarzen Alter Ego vertreten. Man kann das postkolonialistisch, aber auch entgegengesetzt lesen. Inmitten der endlosen Eskapaden, an die auch vielfach die Personenführung delegiert wird, dringt die Regie nicht zur Substanz vor.

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Dina Mialinelina (Performerin) und Gihoon Kim (Donner)

 © Frol Podlesnyi

Stimmlich unauffällig

Gesungen wird mit eineinhalb Ausnahmen unauffällig. Der große Liedersänger Christian Gerhaher folgt der Tradition lyrischer „Rheingold“-Wotane, und das mit erstaunlicher Stimmpracht. Der von ihm gezeichnete nervöse, schwer überforderte Provinzfürst ist eine Glanzleistung der Charakterisierung. Gefallen kann auch Leigh Melroses Alberich.

Ansonsten? Brenton Ryans farbloser Loge, je ein brüllender und ein knödelnder Riese, die Damen von Fricka (Catriona Morrison) bis zu den Rheintöchtern so mittelmäßig wie auch Mime (Thomas Ciluffo) und das zweite Götterfach.

Mit der nächstjährigen „Walküre“ samt Brünnhilden-Debüt von Lise Davidsen wird sich das ändern.

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