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Erich von Däniken ist tot: Der Mann, der die Pyramiden zu UFO-Landebahnen machte

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Erich von Däniken

©IMAGO / Manfred Siebinger

Nachruf auf den Schweizer Bestsellerautor, der mit „Erinnerungen an die Zukunft“ Millionen faszinierte – und die Grenze zwischen Neugier und Pseudowissen neu vermessen ließ.

Erich von Däniken war nie nur ein Autor. Er war ein Versprechen: dass hinter dem Offensichtlichen noch etwas lauert, größer, älter, kosmischer. Nun ist der Schweizer, der aus Pyramiden Sternenhafen und aus Mythen Raumfahrtprotokolle machte, im Alter von 90 Jahren gestorben. Er starb am 10. Januar 2026 in einem Krankenhaus in der Region Interlaken.

Und mit ihm geht eine Figur, die jahrzehntelang zeigte, wie stark ein Gedanke werden kann, wenn er einfach genug klingt, um überall hineinzupassen: Die Götter, das waren Besucher. Die Zeichen, das waren Spuren. Die Fragen, das waren Hinweise.

Der Bestseller als Sprengsatz: „Erinnerungen an die Zukunft“

Als von Däniken 1968 „Erinnerungen an die Zukunft“ (international bekannt als „Chariots of the Gods?“) veröffentlichte, traf er einen Nerv: Technikglaube, Space Age, eine neue Lust am Staunen. Er schrieb, als sei die Welt eine einzige Schatzkarte, und die Archäologie habe nur vergessen, die Legende zu lesen. Das Buch wurde ein Welterfolg, von Däniken lieferte Dutzende weitere Titel nach – und prägte damit ein ganzes Genre.

Seine Grundidee blieb erstaunlich stabil: Überall dort, wo die Vergangenheit kompliziert wird – monumentale Bauwerke, unerklärte Kunstgriffe, religiöse Bilder –, setzte er eine Abkürzung. Nicht Menschen hätten es getan, sondern andere. Nicht Entwicklung, sondern Intervention. Nicht Zufall, sondern Plan. Das war erzählerisch brillant. Und wissenschaftlich, freundlich gesagt, unerquicklich.

Prä-Astronautik: Popkultur schlägt Lehrbuch

Von Däniken war der wohl prominenteste Missionar der Prä-Astronautik – jener These, nach der Außerirdische in grauer Vorzeit auf der Erde waren und menschliche Kulturen beeinflusst hätten. Akademiker rümpften die Nase; Fernsehzuschauer schalteten ein. Von Däniken wurde zur Marke: Vorträge, Reisen, Medienauftritte, später ein digitales Nachleben in Clips, Foren, Fan-Universen.

Seine Wirkung lässt sich weniger an Fußnoten messen als an Drehbüchern. Ohne von Däniken wäre die moderne Mystery-Unterhaltung eine andere: die Lust am „Was, wenn…?“, das aufgeregte Deuten von Artefakten, die Suggestion, irgendwo müsse doch „mehr“ sein. Von „Ancient Aliens“ bis zu zahllosen Dokus im Nachtprogramm, das Muster ist vertraut: Bild, Behauptung, Gänsehaut.

Von Däniken verstand das Handwerk der Aufmerksamkeit. Er erklärte nicht nur, er inszenierte. Und er traf ein Publikum, das genau das wollte: nicht die mühsame Antwort, sondern die große Möglichkeit.

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Schriftsteller Erich von Däniken

 © IMAGO / Geisser

Kritik, Skandale und das Problem mit der Beweislast

Wer von Däniken liest, liest oft gegen die Archäologie an – oder an ihr vorbei. Seine Thesen wurden von Fachleuten über Jahrzehnte als Pseudowissenschaft kritisiert: selektive Quellen, Fehlinterpretationen, fehlende Belege, das Ignorieren naheliegender kultureller und historischer Erklärungen. Dass seine Bücher trotzdem Millionen erreichten, machte die Debatte nicht leiser, sondern härter: Hier der Reiz des Spektakulären, dort der Anspruch auf Methode.

Hinzu kam eine Biografie mit Schatten: Von Däniken hatte in jungen Jahren auch juristische Probleme, die ihn bis heute begleiteten – als Munition für Gegner und als Märtyrerstoff für Anhänger.

Und doch: Selbst Kritiker mussten anerkennen, dass er etwas konnte, was vielen Wissenschaftsvermittlern schwerfällt. Er brachte Menschen dazu, überhaupt hinzuschauen – auf Tempel, Texte, Sternbilder. Er weckte Neugier. Nur lenkte er sie oft in eine Richtung, in der Neugier zur Gewissheit gerinnt, bevor sie geprüft wurde.

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Schriftsteller Erich von Däniken

 © IMAGO / Rudolf Gigler

Der Geschäftssinn des Staunens

Von Däniken war nicht nur der Mann der These, sondern auch der Mann der Verwertung. Ein Leben lang tourte er, schrieb, erklärte. In Interlaken entstand sogar ein Themenpark rund um seine Ideen – ein Projekt, das zeigte, wie groß das Bedürfnis nach einem begehbaren Wunder ist, und wie schwierig es bleibt, daraus Dauerbetrieb zu machen.

Spät zog er sich aus gesundheitlichen Gründen zurück; da war aus der einstigen Provokation längst ein vertrautes popkulturelles Möbelstück geworden. Man musste nicht mehr an Außerirdische glauben, um von Däniken zu kennen. Es reichte, irgendwo einmal eine Pyramide im Fernsehen gesehen zu haben.

Was bleibt

Ein Nachruf auf Erich von Däniken ist zwangsläufig ein Text über Ambivalenz. Er hat Millionen begeistert und ebenso viele genervt. Er hat Fragen populär gemacht, aber Antworten verkauft, die wissenschaftlich nicht tragen. Er war ein Erzähler, dessen Stoff aus der Sehnsucht nach dem Größeren bestand: dass wir nicht allein sind, dass jemand vor uns schon da war, dass Geschichte nicht nur Menschenwerk ist.

Vielleicht ist das sein eigentliches Vermächtnis: Erich von Däniken machte aus der Vergangenheit eine Bühne, auf der sich Gegenwartswünsche spielen lassen. Der Wunsch nach Sinn. Nach Geheimnis. Nach einem Universum, das uns bemerkt.

Nun íst der Mann tot, der das Staunen industrialisierte. Seine Bücher werden bleiben, als Pop-Mythos, als Zeitdokument, als Warnschild: Wer die Beweislast umdreht, bekommt schnell ein Weltbild geschenkt. Und bezahlt am Ende mit der Wirklichkeit.

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