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Herr Suter, wir haben da noch eine Frage

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Martin Suter

©Diogenes Verlag, Joel Hunn

Zwischen Website und gedrucktem Buch: Martin Suter spricht über digitales Publizieren, persönliche Fundstücke aus dem eigenen Leben und warum das Lesen auf Papier für ihn trotz E-Reader unersetzlich bleibt.

Elfriede Jelinek publizierte ihre Texte eine Zeitlang nur online. Sie betreiben Ihre eigene Webseite. Wäre das auch für Sie eine Option?

Ich bin zwar ein Freund des guten alten Buches. Aber meine Webseite macht mir Freude, obwohl sie ein Verlustgeschäft ist, denn so etwas braucht Designer, Programmierer, eine Redaktion und immer wieder neuen Inhalt.

Während der Olympischen Spiele zum Beispiel erinnerte mich jemand daran, dass ich auch einmal Bob gefahren bin, weil er mein Bob-Diplom gefunden hat. Ich bin aber nicht selbst gefahren. Man konnte damals als eine Art Bobpassagier mitfahren. Das war schon aufregend. Da erinnerte ich mich auch, wie ich einmal gewettet habe, dass ich die gefährliche – man fährt da bäuchlings – Skeletonbahn hinunterfahren würde. Aber am Morgen, wo ich diese einlösen sollte, war die Bahn zum Glück durch einen Föhneinbruch nicht mehr befahrbar. Es ist lustig, wenn man bei der Recherche für seine Webseite auf Dinge stößt, die man nicht mehr präsent hat.

Meine neusten und letzten Business-Class-Kolumnen, die ich zuerst online nur für einen winzigen Kreis von Abonnenten veröffentlichte, gibt es jetzt auch als Buch. Das war ein schöner Moment, als ich es das erste Mal in der Hand hatte. Es ist eben noch immer schöner auf Papier zu lesen als auf dem Bildschirm. Aber einen E-Reader besitze ich trotzdem. Damit ich nicht, wie Somerset Maugham, mit einem Büchersack reisen muss.

Denn das ist schon praktisch, oder?

Steckbrief

Martin Suter

geboren
29.02.1948

Martin Suter wurde als Sohn eines Ingenieurs in Zürich geboren. Mit 26 Jahren wurde er Creative Director der Werbeagentur GGK, gründete eine eigene Agentur und wurde Präsident des Art Directors Club in der Schweiz. In den Neunzigerjahren zog er sich aus dem Werbebusiness zurück und begann zu schreiben. Sein erster Roman, „Small World“, verschaffte ihm einen Platz auf den Bestsellerlisten. 2022 fertigte André Schäfer die Dokumentation „Alles über Martin Suter. Ausser die Wahrheit“. Er lebt mit seiner Tochter in Zürich.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 15/2026 erschienen.

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