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Herr Rau, wir haben da noch eine Frage

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©Matt Observe

Der Intendant der Wiener Festwochen spricht über Premierenangst, die Furcht vor Langeweile im Saal, und jene Theatermomente, in denen man am liebsten verschwinden würde.

Gibt es Momente im Theater, in denen Sie am liebsten die Flucht ergreifen würden?

Bei meinen eigenen Inszenierungen, wenn sich kurz vor der Premiere die Ängste einstellen. Aber das lässt mit den Jahren nach. Man wird entspannter und lässt Scheitern zu. Wenn man ganz jung ist, ist die Angst davor berechtigt. Wenn man am Anfang scheitert, dann war’s das, dann ist es aus. Später hat man ja bewiesen, dass man weiß, wie man Inszenierungen retten kann, auch wenn sie nicht ganz fertig sind.

Mich hat aber erstaunt, dass ich als Intendant begonnen habe, die Nervosität, die ich vorher bei meinen Arbeiten hatte, auf Inszenierungen, die ich eingeladen habe, zu übertragen. Kommen genug Leute? Warum klatscht niemand? Warum wird so viel gehustet? Diese Fragen lassen mich oft so nervös werden, dass es mir bei Gastproduktionen manchmal fast ein bisschen schlecht wird. Obwohl ich da noch weniger Einfluss habe als bei meinen eigenen. Welturaufführungen, wie wir sie zeigen, sind ja immer Überraschungen. Meine größte Sorge ist, dass die Leute gelangweilt sind und vor dem Ende gehen. Oft entwickeln Stücke ihre Kraft erst nach drei, vier Stunden.

Ich habe das Schlimmste schon erlebt. Das war, als der Lichtcomputer abgestürzt ist. Als Regisseur ist man einer der Ersten, der das merkt. Das sind Momente, wo ich gerne im Erdboden versinken würde. Aber Theater ist Live-Kunst, man kann es nicht ändern.

Steckbrief

Milo Rau

Geboren am 25. Jänner 1977 in Bern, studierte Soziologie, Germanistik und Romanistik, war Reisejournalist und begann 2002 mit Theatertexten und Aktionen, die mehrfach auch zu den Festwochen gelangten. Intensive Regie- und Lehrtätigkeit. 2018 bis 2024 Intendant in Gent, seit 2024 der Wiener Festwochen. Wohnt mit Lebenspartnerin und zwei Töchtern in Wien und Köln.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 21/2026 erschienen.

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