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María Corina Machado: Die Überraschungssiegerin

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María Corina Machado

©PEDRO MATTEY / AFP / picturedesk.com

María Corina Machado erhält den Friedensnobelpreis 2025. Wer ist die Frau, in deren Schoß Millionen von Venezolanern ihre Hoffnung legen, und die Donald Trump den Friedensnobelpreis wegschnappte?

von Maria Mayböck

Es war wie ein Krimi: Kommt sie, oder kommt sie nicht? Erst wird eine Pressekonferenz einen Tag vor der Zeremonie verschoben, dann abgesagt. Am Tag der Preisverleihung heißt es kryptisch: María Corina Machado würde „mit uns in Oslo sein“.

Am Ende ist es ihre Tochter, Ana Corina Machado, die wieder einmal einen Preis stellvertretend für ihre Mutter entgegennimmt und ihre Botschaft verliest: „Frieden ist letztlich ein Akt der Liebe. Venezuela wird wieder atmen können.“

Strapazen und Erleichterung

Nur Stunden später – mitten in der norwegischen Nacht – ist es dann doch so weit: Die Friedensnobelpreisträgerin, seit elf Monaten untergetaucht, betritt den Balkon eines Hotels in Oslo und zeigt sich der jubelnden Menge. Sie wirft Kusshände, lächelt und stimmt – mit der Hand auf der Brust – in die venezolanische Nationalhymne ein.

„Ich bin heute hier, weil viele Männer und Frauen ihr Leben dafür riskiert haben“, sagt sie kurz darauf der BBC. „Ich bin in ihrem Namen und im Namen Millionen anonymer venezolanischer Helden hierhergekommen, um diesen Preis entgegenzunehmen und ihn zu ihnen zurückzubringen. Denn er gehört ihnen.“ Die Spuren der Strapazen sind ihr anzusehen – ebenso die Erleichterung, nach Jahren wieder mit ihrer Familie vereint zu sein.

Ein Regime unter Druck

Machado ist die Galionsfigur, der es gelungen ist, die zersplitterte venezolanische Opposition hinter sich zu vereinen – eine Aufgabe, an der viele vor ihr scheiterten. Leopoldo López. Juan Guaidó. Henrique Capriles.

Sie alle verkörperten einst die Hoffnung der venezolanischen Opposition, schwenkten die gelb-blaurote Fahne auf Ladeflächen von Lieferwagen, versprachen Demokratie und Wohlstand, schüttelten Hände und tätschelten Kinder, brüllten politische Parolen in Mikrofone, überlebten Attentate und Morddrohungen, und flüchteten schließlich ins Exil.

„Venezuela wird frei sein“

Auch Machado musste untertauchen, nachdem die Regierung Nicolás Maduros die Präsidentschaftswahl 2024 für sich erklärte. Unabhängige Wahlbeobachter bezweifeln dies und sehen den von Machado unterstützten Kandidaten Edmundo González als rechtmäßigen Gewinner.

Die Ehrung fällt in eine Phase extremer Zuspitzung: Während Trump seinen harten Konfrontationskurs gegenüber dem Maduro-Regime fortsetzt, ist Machado diesem – zumindest vorübergehend – entkommen und wird in Oslo als Friedensbotin gefeiert. Ob der Friedensnobelpreis tatsächlich Frieden nach Venezuela bringt, ist ungewiss. Aber Machado bleibt kämpferisch: „Venezuela wird frei sein.“

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 51+52/2025 erschienen.

Das war 2025
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