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„Teach or Leave“: Der Aufstand der Schülerinnen

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©IMAGO / AFLO

In London protestieren Eltern und Kinder gegen streikende Lehrer.

Im Stadtteil Leytonstone, östlich des Londoner Finanzviertels, gehen vor einem unscheinbaren Backsteinbau Streikposten auf und ab – manche eingewickelt in Palästinensertücher – und blockieren den Eingang.

Es ist die Connaught School for Girls. Eine Mädchenschule mit rund 630 Schülerinnen zwischen elf und 16 Jahren. Das Motto der Schule „Seize the day“ (Nutze den Tag) bekam in den vergangenen Wochen eine unerwartete Bedeutung.

„Bestreikt nicht unsere Zukunft“

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, an der Dyers Hall Road, stehen Mädchen mit selbst gemalten Schildern – „Teach or Leave“ (unterrichtet, oder geht nach Hause) und „Don’t Strike Out Our Future“ (bestreikt nicht unsere Zukunft). Eltern schreien gemeinsam mit ihren Töchtern ihre Wut hinaus. Kein organisierter Aufstand, jedoch eine vernichtende moralische Niederlage des Lehrpersonals, das verstört, irritiert und auch manchmal wütend reagierte.

In Großbritannien gehören Lehrerstreiks zum Alltag. Doch zur Überraschung der Streikenden rebellieren diesmal nicht Lehrkräfte gemeinsam mit Schülerinnen gegen die Regierung – sondern Schülerinnen gemeinsam mit ihren Eltern gegen die Lehrkräfte.

„Alberner politischer Zirkus“

Besonders verärgert reagierten Eltern auf die sogenannten Streikposten. Keiner von ihnen unterrichtet an der Schule. Zeitungsberichte erwähnten Gewerkschaftsvertreter, Demonstranten aus anderen Stadtteilen und Palästina-Aktivisten, die die Schule blockierten.

Auf Fotos waren Kufiyas und Anti-Rassismus-Plakate zu sehen. „Wir werden hier benutzt für einen albernen politischen Zirkus, alles auf Kosten unserer Zukunft“, sagte eine Schülerin zu einem Reporter. Der Kommentar der Zeitung: „Hier erinnern Teenager die Erwachsenen an ihre Verantwortung.“

Leytonstone gehört zu den sozial gemischten Vierteln im Osten Londons. Viele Familien haben afrikanische, asiatische oder osteuropäische Wurzeln. Bildung gilt als Hoffnung für berufliche und soziale Sicherheit. Eine Mutter in einem Interview: „Die Connaught School ist keine Bastion des Wohlstands. Benachteiligten Kindern den Unterricht zu verweigern, ist eine seltsame Form der Solidarität mit der Arbeiterklasse, statt alles dafür zu tun, ihnen durch Bildung bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und Aufnahme auf einer Uni zu sichern.“

Prüfungen

Diesmal fiel der Streik in die Vorbereitungszeit für GCSE-Prüfungen, eine wichtige Vorprüfung für Beruf und Studium. Klassen wurden in Gruppen zusammengelegt. Bis zu 60 Schülerinnen saßen gleichzeitig in der Aula, beaufsichtigt vom Direktor, während Lehrer und Lehrerinnen mit Transparenten demonstrierten oder überhaupt zu Hause blieben. Die Mädchen forderten: „Unterrichtet – oder kündigt.“

Videos der Proteste wurden Tausende Male in sozialen Medien geteilt. Andere Schulen sandten Solidaritätsbotschaften und Glückwünsche. Die Connaught School for Girls wurde zum Schauplatz einer merkwürdigen Umkehr der Rollen: Erwachsene, gut bezahlt und abgesichert, inszenieren sich als rebellische Jugendliche – und Jugendliche fordern Pflicht und Ordnung für eine sichere Zukunft.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 22/2026 erschienen.

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