Vor 200 Jahren erfand der englische Apotheker John Walker das Streichholz. Was als Zufall in seinem Labor begann, machte das Feuermachen einfacher – reich wurde sein Erfinder damit allerdings nicht.
Manche Erfindungen verändern die Welt mit großem Auftritt. Die ersten Dampfmaschinen, Lokomotiven und Automobile bekamen Ehrenplätze in den Museen. Dann gibt es Erfindungen, die vergessen werden, die lautlos in der Selbstverständlichkeit versinken. Niemand erinnert an ihren Ursprung oder ihre Erfinder.
Mühsame Angelegenheit
Bis ins frühe 19. Jahrhundert war das Feuermachen eine mühsame Angelegenheit. Man benötigte Feuerstein und Zunder, einen getrockneten Feuerschwamm oder verkohlte Leinwand, die einen Funken aufnehmen konnte.
In den Häusern achtete man darauf, dass die Glut im Herd über Nacht nicht erlosch. Ging das Feuer aus, musste man neu beginnen, den Nachbarn um ein Stück glühende Kohle bitten oder mit einem brennenden Span zurück nach Hause eilen.
Zündmasse
In der nordenglischen Stadt Stockton-on Tees betrieb der Apotheker John Walker ein kleines Geschäft. Im Jahr 1781 geboren, wollte er ursprünglich Chirurg werden, ertrug jedoch den Anblick der Operationen nicht und beschloss, Chemie zu studieren.
Als begeisterter Jäger experimentierte er mit leicht entzündlichen Mischungen für die Zündmasse von Jagdflinten. Bis er eines Tages – es war das Jahr 1826 – ein Holzstäbchen mit Glaspapier reinigen wollte, mit dem er Chemikalien verrührt hatte und ein Klumpen hängen blieb. Der Stab entzündetet sich an der rauen Oberfläche des Papiers. Aus dem Zufall wurde eine Idee – Feuer ließ sich auf einem kleinen Holzstück speichern.
Sensationelle Erleichterung
Walkers erste Streichhölzer waren etwa acht Zentimeter lang. Die Holzstäbchen wurden in Schwefel und danach einer Mischung aus Kaliumchlorat und Antimonsulfid getaucht. Zum Anzünden zog man sie durch gefaltetes Sandpapier. Die Hölzer brannten zwar, versprühten jedoch Funken und verbreiteten einen unangenehmen Geruch.
Am 7. April 1827 verkaufte Walker die erste Packung seiner „Friction Lights“. Sie waren nicht billig. Eine Blechdose mit 100 Hölzern und einem Stück Sandpapier kostete einen Schilling und zwei Pence. Die Möglichkeit, jederzeit eine Flamme zu erzeugen, bedeutete jedoch eine sensationelle Erleichterung. Zu seinen Kunden gehörte neben privaten Haushalten und Restaurants auch die Stockton and Darlington Railway, die erste öffentliche Eisenbahn mit Dampflokomotiven.
Patent
Freunde rieten Walker, die Erfindung als Patent anzumelden. Er lehnte ab, sah keine Zukunft in seiner Erfindung, eher ein zufälliges Ergebnis einer Spielerei in seinem Labor. Andere kopierten seine Idee, verbesserten die Mischung und verkauften die Hölzer unter neuen Namen.
Zu einem internationalen Erfolg wurde die Erfindung des Streichholzes mit rotem Phosphor auf einer besonderen Reibfläche. Der Zündstoff befand sich nun nicht mehr vollständig im Kopf des Holzes, sondern wurde zwischen Streichholz und Schachtel getrennt.
John Walker starb 1859, ohne durch seine Erfindung wohlhabend oder berühmt geworden zu sein. Er hat etwas erreicht, was nur wenigen Menschen gelingt – er verwandelte eine der ältesten und aufwendigsten Errungenschaften der Menschheit in eine Schachtel mit Holzstäben, die Platz in der Hosentasche hat.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 33+34/2026 erschienen.
