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Irmgard Griss: Die Feuerwehrfrau der Nation

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Irmgard Griss

©APA-Images / APA / ROLAND SCHLAGER

Irmgard Griss hat sich einen Ruf als unabhängige Instanz bei der Aufklärung diverser Skandale erarbeitet. Auch nach ihrem zweiten Pensionsantritt ist die 79-Jährige noch im Einsatz – und engagiert sich dazu für die Lesekompetenz von Volksschulkindern.

Wenn es in Österreich irgendwo brennt, ist Irmgard Griss da. Als Recherchen des Falter im Oktober das erschütternde Ausmaß der Missbrauchsfälle bei SOS Kinderdorf offenlegen, ist es wieder einmal soweit. Die neue Kinderdorf-Geschäftsführung will die Vorwürfe durch eine „Reformkommission“ untersuchen, mit Griss an der Spitze.

Emotional und belastend

„Ich mache gern etwas, wenn ich das Gefühl habe, es ist sinnvoll und ich kann etwas beitragen“, sagt Griss im News-Interview. Es ist nicht der erste Skandal, den die ehemalige Richterin aufdröseln soll. Diesmal sei es aber doch etwas anders: Die Schilderungen von Betroffenen, die bis heute an Missbrauchsfolgen leiden, seien auch für sie emotional belastend gewesen.

Trotz der schweren Vorwürfe sagt Griss: „Wir brauchen Institutionen wie das SOS-Kinderdorf.“ Es gebe genug Beispiele, in denen Kinder und Jugendliche gut versorgt wurden. Immer wieder würden sich auch Menschen melden, die positive Erfahrungen mit dem Kinderdorf-Ansatz gemacht haben. Griss sieht deshalb auch eine Zukunft für die Organisation. „Wir müssen klären, wo noch nachjustiert werden muss. Aber es hat sich in der Zwischenzeit an den Strukturen ja schon sehr viel geändert.“

Vorlesen for future

Parallel zur Leitung der Kinderdorf-Kommission organisiert Griss seit Mitte November Lese paten für Volksschulkinder mit nichtdeutscher Muttersprache. Das sei nicht nur für die Kinder selbst wichtig, sondern für ganz Österreich. „Wir müssen ein ganz großes Interesse haben, dass diese Kinder ihr Potenzial entfalten können. Dass sie auf die Frage, was sie einmal werden wollen, nicht sagen: Ich geh AMS.“

In Zukunft will Griss auch selbst regelmäßig zum Vorlesen in Volksschulen gehen. Griss hat auch zwei eigene Söhne. An deren Vorlesealter erinnert sie sich bis heute besonders gern, erzählt sie im Interview.

Erfülltes Leben

Der breiten Öffentlichkeit ist die seit 2011 pensionierte Höchstrichterin durch ihre Leitung des Hypo-U-Ausschusses 2014 bekannt. Zwei Jahre später erzielt sie als unabhängige Kandidatin bei der Bundespräsidentschaftswahl 18,9 Prozent der Stimmen. Für die Stichwahl reicht das knapp nicht.

Ob sie das heute noch ärgert? „Nein. Natürlich wäre es schön gewesen, aber es war eben nicht. Ich habe auch so ein erfülltes Leben.“ Griss bleibt der Politik noch zwei Jahre lang als Nationalratsabgeordnete erhalten. Seit 2019 ist sie wieder in Pension und hat so mehr Zeit zum Lesen. Aktuell liest sie „Ein Haus für Mr. Biswas“ von Literaturnobelpreisträger V.S. Naipaul.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 51+52/2025 erschienen.

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