Das Taj Mahal in Agra: Monument einer Epoche religiöser Toleranz im Mogulreich
©IMAGO / imagebrokerReligiöse Offenheit brachte dem Mogulreich Wohlstand und Kulturblüte. Sein Niedergang begann, als Vielfalt durch Zwang ersetzt wurde.
Ein Foto vor dem Taj Mahal gehört zu jedem Indienbesuch. Diesem Symbol ewiger Liebe, erbaut 1628 bis 1658 von Shah Jahan, dem muslimischen Mogul, in Erinnerung an seine geliebte Frau Mumtaz Mahal, die bei der Geburt ihres Kindes starb.
Die Gemälde von Mumtaz Mahal zeigen eine lächelnde Frau in bunten Kleidern, mit glitzernden Ohrringen und goldenen Halsketten, wallendem, schwarzen Haar und einer Krone. Kein Kopftuch, keine Verschleierung, keine sackartig, schwarze Kleidung als angeblich religiöse Vorschrift des Islams, wie uns heute erklärt wird.
Religiöse Vielfalt
Vor 500 Jahren, nach der Schlacht von Panipat im Jahre 1526, begann die 300 Jahre lange Herrschaft der Mogule. Akbar der Große herrschte von 1556 bis 1605, schuf mit seinem Prinzip der Toleranz gegenüber Religionen und ethnischer Vielfalt eine der reichsten Volkswirtschaften der Welt.
Er veränderte Indien – als muslimischer Herrscher über eine mehrheitlich hinduistische Bevölkerung – zu einem globalen Zentrum für Textilien, Gewürze, Edelsteine und Metallwaren. Europäische Händler konkurrierten um Zugang zu den Märkten Indiens. Der Erfolg der Mogule zeigte sich in prächtigen Zeremonien, Luxusgütern und monumentaler Architektur – bis heute die wichtigsten historischen Bauwerke Indiens. Kunst, Malerei, Literatur und Wissenschaft erlebten eine Blütezeit.
Die Religionspolitik Akbars beruhte auf Respekt und Nicht-Einmischung. Er übernahm die gebildete Oberklasse der Hindus in die Verwaltung, schaffte Sondersteuern für Nicht-Muslime ab. Selbst die kleine jüdische Gemeinde in Cochin, Süd-Indien, und die christlichen Gemeinden blühten auf mit garantierten Freiheiten.
Akbars Großzügigkeit gegenüber ethnischer und religiöser Vielfalt schuf Tempel, Paläste, Parkanlagen, Moscheen und Festungen mit islamischen, hinduistischen, persischen und türkischen Stilelemente. Sie zählen als zeitlose Meisterwerke zu den schönsten historischen Gebäuden der Welt.
East India Company
Seine Nachfolger beendeten die Toleranz, führten die Scharia ein und die Kopfsteuer für Nicht-Muslime, drängten Hindus aus der staatlicher Verantwortung. Es kam zu Aufständen der Sikhs, Marathen und Raiputen, die diskriminierte, hinduistische Mehrheit verweigerte die Loyalität, und lokale Fürsten rebellierten.
Das Ende der Mogulherrschaft war kein plötzlicher Zusammenbruch, sondern der selbst inszenierte, schleichende Zerfall einer abgeschotteten, muslimischen Mono-Kultur. Aurangzeb verschärfte die religiöse und ethnische Diskriminierung, und unter dem Druck der Briten kam es zum Niedergang eines der mächtigsten Reiche der frühen Neuzeit.
Die Britische East India Company (gegründet 1600) begann in Indien als Handelsunternehmen. Sie schützte den Handel mit Baumwolle, Seide, Gewürzen und Tee mit eigenen Soldaten, nützte die internen Machtkämpfe und übernahm schrittweise die Kontrolle über den indischen Subkontinent. Nach der Niederschlagung eines Aufstands gegen die britische Herrschaft wurde 1858 der letzte Mogulkaiser abgesetzt und Indien zur britischen Kronkolonie erklärt.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 05/2026 erschienen.







