Klaus-Michael Kühne
©APA / laif / Daniel Pilar36 Milliarden Dollar Vermögen, Millionen für Hamburg: Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne finanziert ein neues Opernhaus in der Hafencity – und investiert auch in den Elbtower. Das Projekt ist ambitioniert, aber umstritten. Kritik an seiner Rolle als Mäzen weist Kühne zurück.
Klaus-Michael Kühne ist reich. Sehr reich. Laut Forbes verfügt der 88-jährige Logistikunternehmer über ein Vermögen von rund 36 Milliarden Dollar, was ihn zum drittreichsten Deutschen macht. Einen beträchtlichen Teil davon hat er über Jahre in seine Geburtsstadt Hamburg gelenkt: in den Fußballklub HSV, in die Elbphilharmonie, in Bildungsprojekte. Auch in den Elbtower, jenes Hochhausgerippe, das nach Kollaps des Immobilienimperiums von René Benko unfertig in der Hafencity steht, will er bis zu 100 Millionen Euro investieren.
Sein bislang größtes Vorhaben ist aber ein neues Opernhaus für Hamburg. Konkret will der Milliardär, der seit rund fünf Jahrzehnten in der Schweiz lebt, bis zu 330 Millionen Euro zum Bau einer Oper in der Hafencity beisteuern. Das Projekt ist ambitioniert – und umstritten. Im Februar 2025 einigten sich die Stadt Hamburg und die Kühne-Stiftung auf einen Vertrag für den Opernneubau. Der Siegerentwurf stammt vom dänischen Architekturbüro Bjarke Ingels Group. Der Bau für das spektakuläre Opernhaus mit begrünter, begehbarer Dachlandschaft könnte Anfang der 2030er-Jahre beginnen, die Fertigstellung wird für 2034 avisiert.
Geben unter Vorbehalt
Dass die Opernfinanzierung von einem Mann kommt, der Deutschland vor Jahrzehnten steuerlich den Rücken gekehrt hat, ist ein Teil der Kontroverse. Die taz sprach von einer „Schenkung eines Steuerflüchtlings“, der Hamburg durch die Verlagerung seines Konzerns in die Schweiz um hohe Abgaben gebracht habe. Kühne selbst begegnet der Kritik mit Distanz. In einem Interview mit dem Spiegel sagt er: „Öffentlich geliebt zu werden, ist nicht meine Ambition.“ Das Opernprojekt versteht er nicht als gefällige Gabe, sondern als Beitrag zur Entwicklung der Stadt: „Das neue Opernhaus soll ein Leuchtturm sein, der weit über Hamburg hinaus strahlt. Etwas Schöneres kann sich die Stadt nicht wünschen.“
Die Kühne-Stiftung behält sich ein Vetorecht vor, etwa bei architektonischen Fragen – für Kühne Ausdruck von Verantwortung bei einem Projekt dieser Größenordnung. Empfindlich reagiert er auf den Vorwurf der Selbstverewigung. „Ich brauche kein Denkmal, ich will die Stadt bereichern“, sagt der gesundheitlich angeschlagene Kühne. Gleichzeitig formulierte er einen Anspruch an Hamburg selbst: „Ich finde, dass Hamburg immer noch unter Wert gehandelt wird. Es ist nicht die glänzende Metropole, die es sein könnte.“
Nachlass geht an Stiftung
Das Opernhaus ist für ihn nicht nur ein kulturpolitisches Großprojekt, sondern auch ein Vorhaben mit persönlichem Horizont. „Mein größter Wunsch wäre es, die Eröffnung des neuen Opernhauses zu erleben.“ Kinder, die ihn beerben könnten, haben er und seine Frau Christine nicht. Laut einem Bericht der Hamburger Zeit sollen nach seinem Tod sämtliche Firmenanteile in die gemeinnützige Kühne-Stiftung übergehen, geführt von einem Gremium enger Vertrauter. Sie würde damit zu einer der finanzstärksten Stiftungen der Welt zählen. Kühne hat nur wenige Leitlinien formuliert: Förderung der Logistikausbildung, dazu Kultur, Medizin und Klimaforschung.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 04/2026 erschienen.








