ABO

Benjamin Ruschin: „Das Ego kann man zur Seite schieben“

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
7 min
Artikelbild

Benjamin Ruschin

©Katharina Schiffl

Benjamin Ruschin ist ein österreichischer Unternehmer, Investor und Kunstsammler. Er gibt gezielt, oft anonym und ohne Bühne. Ein Gespräch über Mäzenatentum, Ego und die Frage, warum Geben erfüllender ist als Besitzen.

Benjamin Ruschin stammt aus einer Unternehmerdynastie. Er ist Unternehmer, Start-up-Gründer, Investor. Und Kunstsammler. Der 39-Jährige unterstützt Künstler – Unbekannte ebenso wie etablierte Größen der Branche. Er ersteigert aber auch Kunst für den guten Zweck. Im Rahmen einer Charity-Auktion erwarb er im Vorjahr um 110.000 Euro das offizielle Kunstwerk vom Wiener Opernball 2024 von Herbert Brandl. Der Erlös ging an „Österreich hilft Österreich“.

Ruschin, der erfolgreiche Unternehmer und Familienvater, gibt. Und das gerne. Dabei unter dem Radar zu bleiben, war ihm wichtig. „Ich habe lange überlegt, was ich in diesem Interview erzähle – und was nicht. In dem Moment, wo man quasi in der Auslage steht, wo man weiß, da ist jemand, der hat ein Vermögen, will jeder was von dir.“ Als einer der aktivsten Start-up-Investoren in Österreich ist Ruschin in den vergangenen Jahren zwangsläufig sichtbarer geworden und damit ohnehin in eben diese „Auslage“ gerutscht. Am Ende erklärt er sich folglich bereit, dieses Interview zu führen.

Warum entscheidet man sich für Mäzenatentum? Für Philanthropie?

Du hast deine Rendite, das Vermögen vermehrt sich, du hast Aktien, du hast Immobilien. Deine Hobbys. Und dann sagst du dir, okay, es läuft. Jetzt will ich die Welt ein bisschen verändern. Nur dem noch größeren Boot oder dem noch tolleren Bild nachzujagen, erfüllt dich nicht mehr mit Glück. Aber du bist in einer finanziellen Situation, wo du Dinge bewegen kannst, Dinge verändern kannst.

Ich unterstütze zum Beispiel eine Familie mit einem behinderten Kind, und weder die Eltern noch das Kind wissen, dass ich derjenige bin, der sie unterstützt. Ich will auch nicht, dass sie es wissen. Sie sollen nicht das Gefühl haben, dass sie in meiner Schuld stehen. Ich freue mich darüber, dass das Kind ein gutes Leben führt, so gut es in seiner Situation möglich ist. Das erfüllt mich, dass ich das machen kann. Aber ich muss dabei nicht gesehen werden. Das Ego kann man zur Seite schieben.

Mittlerweile finde ich es viel cooler, Dinge zu tun, die zwar viele Leute mitbekommen, aber dabei im Hintergrund zu bleiben

Benjamin Ruschin

War das schon immer so?

Früher hatte ich ein riesengroßes Ego, so wie jeder junge Unternehmer. Es war für mich sehr wichtig, gesehen zu werden, wahrgenommen zu werden, auf der Bühne zu stehen. Mittlerweile finde ich es viel cooler, Dinge zu tun, die zwar viele Leute mitbekommen, aber dabei im Hintergrund zu bleiben.

Woher kommt der Antrieb zu geben?

Meine Großmutter hat mir mitgegeben: Vergiss niemals, woher du gekommen bist. Und sie hat gesagt: Es ist gut, Geld zu verdienen, es ist gut, erfolgreich zu sein. Aber es ist auch gut, nicht nur das Geld zu genießen, sondern auch daran zu denken, dass es Menschen gibt, die weniger haben; Menschen, die in Not sind. Das hat mich geprägt. Wenn ich mich wichtig mache, dann ist das ein Mittel zum Zweck, um Geschäfte zu machen. Aber bei karitativen Sachen ist es mir nicht wichtig. Da ist es mir wichtig, dass etwas passiert und nicht, dass ich mich damit schmücke.“

Ist es auch Selbstschutz, nicht zu prominent als potenzieller Geldgeber in der Öffentlichkeit zu stehen?

Ich habe lange überlegt, was ich in diesem Interview erzähle – und was nicht. Fakt ist, sobald die Leute wissen, dass es etwas zu holen gibt, stehen sie Schlange. In dem Moment, wo man quasi in der Auslage steht, wo man weiß, da ist jemand, der hat ein Vermögen, will jeder was von dir.

Wie misst man die Wirkung von dem, was man tut?

Mir ist es wichtig, dass ich Projekte unterstütze, wo nachvollziehbar ist, was mit dem Geld passiert. Ich will wissen, was passiert, aber ich brauche keinen wöchentlichen Bericht.

Ich würde mich nicht auf eine Bühne stellen und mit einem großen Scheck winken wollen. Es gehört sich nicht, das als Verkaufstool oder als Eigen-PR zu verwenden

Benjamin Ruschin

Erkauft man sich mit Geld auch Wahrnehmung?

Manche tun das sicher. Aber ich würde mich nicht auf eine Bühne stellen und mit einem großen Scheck winken wollen. Ich finde, es gehört sich nicht, das als Verkaufstool oder als Eigen-PR zu verwenden. Entweder du tust was Gutes oder du tust es nicht. Und wenn du was Gutes tust, dann mach es einfach.

Hat sich in der Kultur des Gebens etwas verändert in Zeiten wie diesen?

Es ist in den letzten Jahren in meiner Wahrnehmung weniger geworden, insbesondere deshalb, weil viele Vermögende durch die Zins- und Immobilienkrise unter Druck geraten sind.

Welche Rolle spielen für Sie Rankings, die die vermögenden Österreicherinnen und Österreich auflisten? Ist es wichtig, vorzukommen?

Diese Rankings sind völliger Schwachsinn. Jeder weiß, dass diese Zahlen nicht stimmen. Man kann gar nicht bewerten, was Menschen besitzen, weil der Großteil gar nicht sichtbar ist. Und: Vermögende Leute präsentieren in der Öffentlichkeit nicht alles, was sie haben. Nicht alles steht im Firmenbuch, man kann Vermögensverhältnisse also gar nicht nachvollziehen. Wer Anonymität haben will, geht auch rechtlich gegen solche Rankings vor und lässt sich austragen. Also ich komme nicht vor.

Gesteuert wird Ihr Vermögen über eine Stiftung?

Es gibt die Ruschin Privatstiftung, Das ist eine eigennützige, keine gemeinnützige Stiftung. Vielleicht wird es in Zukunft eine gemeinnützige Stiftung geben. Aber das System ist teuer, kompliziert, träge. Und im Moment ist halt auch das Thema, dass viele vermögende Menschen sich gerade ihren Ausstieg überlegen. Es werden jetzt weniger österreichische Privatstiftungen gemacht, sondern mehr Liechtensteinische Stiftungen und Konstrukte außerhalb Europas.

Das Problem, das wir in Österreich haben, ist eine hohe Kapitalertragsteuer, 27,5 Prozent, hohe Körperschaftsteuer, 23 Prozent. Wenn die Wirtschaft den Bach runtergeht, dann wird der Staat die Steuern nach oben schrauben. Das passiert jetzt schon, zum Beispiel bei der Stiftungseingangssteuer, die am 1. Jänner 2026 von 2,5 auf 3,5 Prozent erhöht wurde – fast ein Drittel. Als nächstes kommt das Thema Erbschafts- und Schenkungssteuer. Dabei wäre der österreichische Staat gut beraten, steuerliche Incentives zu setzen, damit vermögende Menschen nach Österreich ziehen und hier bleiben. Andere Länder machen das.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 04/2026 erschienen.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER