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Nicht nur Levit selbst will hier künftig veröffentlichen, auch anderen Musikerinnen und Musikern soll eine Stimme gegeben werden. Die ersten drei Alben erscheinen am 23. Oktober, darunter Levits Einspielung von Saties "Vexations". Der Wiener Klaviershootingstar Lukas Sternath gibt sein Debüt mit Werken von Liszt und Schubert. Und die dritte Aufnahme kombiniert die Klavierbearbeitung von Beethovens "Eroica", gespielt von Levit, mit Schönbergs "Ode an Napoleon", interpretiert von der Kammerakademie Potsdam unter Antonello Manacorda und der Burgschauspielerin Dörte Lyssewski.
Aus Anlass des offiziellen Starts sprach Igor Levit mit der APA über den Namen seines neuen Projekts, das perspektivisch weit mehr als ein Label sein soll, die Ausrichtung ohne Genregrenzen und die Frage, was Markus Hinterhäuser für ihn bedeutet.
APA: "No Silence" ist nun an den Start gegangen. Sie geben dabei nicht nur Ihren Namen für ein Projekt her, sondern sind wirklich integraler Teil des Teams?
Levit: Absolut. Und ich habe hier ein wunderbares Team, das ist entscheidend. Das Wichtigste für ein glückliches Leben ist die Entscheidung, mit welchen Menschen du dich umgibst. Das ist die zentrale Erkenntnis meines bisherigen Lebens und es ist das, was ich allen Künstlerinnen und Künstlern, die ich unter Vertrag nehmen werde, mitgeben will. Was die Zusammenarbeit angeht, gilt: Ich gebe nicht nur meinen Namen her, sondern bin Tag und Nacht für sie erreichbar und stehe ihnen mit allem, was ich bin und gelernt habe, zur Seite.
APA: Wie ist es zum Namen "No Silence" gekommen? Damit verbinden Sie auch einen gesellschaftspolitischen Anspruch ...
Levit: Der Anlass für diesen Namen war die furchtbare Zeit um den 7. Oktober 2023, dem Massaker der Hamas in Israel. Ich erinnere mich daran, als wäre es vor fünf Minuten passiert. Dieser Tag zog mir den Boden unter den Füßen weg. Mein inneres Sicherheitsgefühl war zerstört. Israel, mein Staat, dessen Existenz auch meine Lebensversicherung darstellt, wurde attackiert wie nie zuvor. Ich litt noch Monate später unter Wortfindungsstörungen.
Wenige Wochen nach dem Terrorakt haben Michel Friedman und ich ein Benefizkonzert in Berlin auf die Beine gestellt mit dem Titel "Gegen das Schweigen, gegen Antisemitismus". Zum ersten Mal habe ich mich nach diesem wunderbaren Abend befreit gefühlt und auf dem Rückweg nach Hause über den Namen "Gegen das Schweigen" nachgedacht. Und ganz assoziativ kam mir das "No Silence"-Bild. Es steht für das Label, für das Netzwerk, welches ich bauen werde, und es steht für mein bisheriges und kommendes Leben im Allgemeinen.
APA: Was schwebt Ihnen perspektivisch vor? So etwas wie eine Akademie?
Levit: Perspektivisch wird es eine Stiftung, eine Akademie und ein Festival geben. "No Silence" ist meine Antwort auf die Gegenwart und die Krisen, wie ich sie erlebe. Und ich will Musikerinnen und Musikern dabei helfen, ihre Stimme nicht nur zu finden, sondern sie mit allem Selbstbewusstsein in die Welt zu tragen, und damit die Welt zu einem schöneren, einem menschlicheren Ort zu machen.
Ich bin offen für alle Generationen und Genres. Wenn ich das Gefühl habe, wir können miteinander, werde ich alles in meiner Macht tun, meinem Gegenüber zu helfen. Ich bin niemand, der sagt: Ich hab dir einen Mantel genäht, jetzt zieh ihn an. Ich sehe meine Rolle darin zu fragen: Von welchem Mantel träumst du? Dann nähen wir den gemeinsam.
APA: Und dieser Mantel kann dann sogar ein Metal-Projekt kleiden?
Levit: "No Silence" startet zwar als Klassiklabel, aber wer mir auch immer begegnet, bei dem ich das Gefühl habe, wir können miteinander, wird Teil der Familie werden. No Silence ist ohne Grenzen angelegt - das ist mir wichtig.
APA: All dies geht sich neben Ihrer eigenen Interpretenkarriere aus, oder werden Sie hier Abstriche machen?
Levit: Das werde ich nicht müssen, denn ich habe ein wunderbares Team. Ich halte nichts von der Trump-Parole "I alone can fix it." Aufgaben sind verteilt, mein Vertrauen zu meinem Team ist unendlich groß. Da fällt das Delegieren von Aufgaben nicht schwer. Und wenig inspiriert mich so sehr wie das gegenseitige Ping-Pong-Spiel mit Vertrauten. Ich will das alles aus einem positiven Impetus heraus tun, ich will Flamme machen. Ich will, dass es richtig kracht und aufregend wird. Ich will, dass "No Silence" für Schönheit und Wachheit steht, nicht für Dekoration und Anpassung.
APA: Zugleich arbeiten Sie hierbei mit Sony zusammen. Ganz alleine ginge es nicht?
Levit: So funktioniere ich, wie gesagt, nicht. Und es gibt Dinge, wo die Kolleginnen und Kollegen einfach Erfahrung haben, die ich noch nicht habe. Ich betrachte Menschen nicht als Dienstleister, sondern als Individuen. Und ich bin nicht beratungsresistent, sondern respektiere andere Positionen, denn nur so entsteht etwas Gemeinsames. Ich habe seit 14 Jahren eine enge Bindung an die Sony. Da wird meine Energie verstanden. Insofern war es nur der logische Schritt, "No Silence" als Joint Venture auf Augenhöhe zu starten.
APA: Noch eine Frage abseits von "No Silence". Am 11. August ist bei den Salzburger Festspielen das Konzert von Ihnen gemeinsam mit Markus Hinterhäuser angesetzt. Wird das Konzert nach der Vertragsauflösung mit ihm als Intendanten stattfinden?
Levit: Dazu kann ich mich jetzt nicht äußern. Das Einzige, was ich in aller Deutlichkeit und auch in aller Vehemenz sagen möchte: Markus Hinterhäuser ist nicht nur einer meiner engsten Wegbegleiter und Halte-Menschen in meinem Leben. Er ist jemand, der mir unglaublich viel bedeutet. Er ist einer meiner liebsten Kollegen und jemand, dem ich ungeheuer viel verdanke. Markus ist mein Freund. Und zu Freunden steht man - ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Ob unser Konzert stattfinden kann, das liegt deshalb vollkommen in Markus' Händen. Ich werde mit und für Markus auf dem Mond spielen, wenn's sein muss.
APA: Ein Bruch mit den Salzburger Festspielen nach den Vorgängen stand für Sie selbst nie zur Disposition?
Levit: Nein. Das Festival ist natürlich nicht unbeschadet. Aber meine Verbindung zu den Festspielen und zur Stadt, in der ich Wurzeln geschlagen habe, die bleibt. Und ich habe nicht vor, das zu ändern. Ich bin dort unendlich gerne. Es ist momentan keine gute Zeit für das Festival. Aber es gibt das Publikum. Und es gebietet der Respekt vor diesen Menschen, die uns ihre Zeit schenken, die Egonummern von Brüchen und Nichtbrüchen hintanzustellen.
(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)
(S E R V I C E - https://nosilencerecords.com/ )






