Geschichte einer Freundschaft
Er konnte Hunde nie leiden. Als Kind nahm die Mutter seine Hand, drückte sie fest und überquerte die Straße zum anderen Gehsteig, wenn ihnen ein Hund entgegenkam. Auch der Leine am Halsband traute sie nicht. Ein Freund der Familie, den alle Onkel Lajos nannten, kam jeden Samstag zu Besuch mit einem riesigen Schäferhund. Die Mutter bestand darauf, dass der Hund, während Kaffee und Kuchen auf dem Küchentisch serviert wurden, vor der Tür zum Garten warten musste, egal, ob es regnete oder schneite.
Später hasste er Besuche, wenn Freunde mit Hunden kamen. Sie sollten den Hund zu Hause lassen, bat er seine Frau. Waren sie eingeladen, und die Gastgeber hatten einen Hund, saß er in einer Ecke des Sofas, zog den Tisch näher, sodass der Hund ihn nicht erreichen konnte. Doch sie kamen alle, immer wieder. Krochen unter den Tisch, zwängten sich zwischen Couch und Tischbein, bis sie ihm zu Füßen lagen.
Begrüßung
Hunde suchten seine Nähe. Kaum hatte er eine fremde Wohnung betreten, liefen sie ihm zu, wedelten mit dem Schwanz und begrüßten ihn, als würden sie sich über den Besuch eines Freundes freuen. Er verstand es nicht. Warum nur kamen sie alle zu ihm, lagen vor ihm so nahe, dass sie seine Beine berührten?
Jahre später, mit Kindern, Haus, Beruf und Garten brachte seine Frau eines Tages einen Hund nach Hause. Er war wütend. Wir hatten doch vereinbart, keine Haustiere, rief er. Es sei wichtig für die Kinder, sagte sie, und, er werde sich schon daran gewöhnen. Sie nannten sie Olive wegen ihrer grünen Flecken auf dem grauen Fell.
Er wich Olive aus, wenn sie ihn mit ihren zwei verschiedenfarbigen Augen ansah. Er ging nicht spazieren mit ihr, zog nervös die Hand zurück, wenn sie vor ihm stand und erwartete, gestreichelt zu werden. Bis eines Tages seine Frau anrief, sie werde sich verspäten und er müsse Olive rausnehmen. Er sah Olive an und sagte: „Ich kann dich nicht leiden, aber wir werden jetzt gemeinsam raus in den Wald gehen, wir beide werden das schon schaffen.“
Gasthaus
Sie gingen über eine Wiese, Olive folgte ihm, bis sie ein Gasthaus erreichten. Er bestellte ein paar Frankfurter. Olive saß auf den Hinterbeinen und starrte ihn an, bis er ihr kleine Stücke zuwarf. Am nächsten Tag kam Olive in sein Zimmer und stupste ihn mit der Nase. „Warum macht sie das?“, fragte er seine Frau. „Wahrscheinlich möchte sie mit dir rausgehen“, antwortete sie. „Warum mit mir?“, fragte er. „Weil du sie nicht leiden kannst“, sagte seine Frau lachend.
Sie gingen wieder über die Wiese. Es regnete. Olive lief diesmal vor ihm in Richtung Gasthaus. Er bestellte ein paar Würstel, sie saß vor ihm und wartete, bis er ihr die Wurststücke zuwarf, und legte sich dann zu seinen Füßen, als wollte sie ihm sagen: „Ich weiß, du magst keine Hunde, aber es ist mir egal.“
Letzte Woche starb Olive. Zehn Jahre lang ging er mit ihr über irgendeine Wiese zu irgendeinem Gasthaus, wo sie gemeinsam irgendeine Wurst aßen. Er kann bis heute keine Hunde leiden, doch über Olive sagte er: „Sie war mein bester Freund, rein zufällig in einem Hundekörper.“
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 13/2026 erschienen.







