Mit neuen Gemälden, Skulpturen und einem Wandbild zeigte Guglielmo Castelli erstmals seine Arbeiten in Österreich – zwischen Märchenmotiv, Malereigeschichte und Bühnenraum.
Erste Österreich-Ausstellung am Karlsplatz
Die Kunsthalle Wien hat am Standort Karlsplatz erstmals Arbeiten des italienischen Künstlers Guglielmo Castelli präsentiert. Gezeigt wurden ausschließlich neue Werke: Gemälde, Skulpturen sowie ein eigens für den Raum entwickeltes, ortsspezifisches Wandbild. Die Ausstellung markierte Castellis erste institutionelle Präsentation in Österreich.
Figuren zwischen Bühne und Schwebezustand
Im Zentrum der Schau stand die Serie Sweet Baby Motel, bestehend aus sieben großformatigen Gemälden auf Leinwand. Jedes Bild fokussiert eine einzelne Figur, die oft schwerelos oder rätselhaft im Raum erscheint. Die Körper werden von Gliedmaßen durchzogen, die die Kompositionen teilen oder sich in scherenartige Formen verwandeln, was als wiederkehrendes Motiv in Castellis Arbeit erkennbar ist.
Die Figuren wirken wie Darsteller einer Theaterproduktion: ausgeleuchtet, kostümiert in Harlekinmustern, Strumpfhosen, Puffärmeln und Rüschen. Diese Nähe zur Bühne verweist auf Castellis Ausbildung im Theaterbühnenbild und prägt die Inszenierung seiner Malerei.
Wiener Bezüge und kunsthistorische Zitate
Die Arbeiten waren auf einer eigens konzipierten, 22 Meter langen Wand installiert und erhielten dadurch einen erzählerischen Charakter. Kunsthistorische Anklänge reichten von Pieter Bruegel der Ältere bis zu architektonischen Assoziationen an Friedensreich Hundertwasser. Patchworkartige Fassaden und winterliche Landschaftsmotive setzten dezente Bezüge zu Wien.
Inhaltlich griff Castelli das Märchen von Hänsel und Gretel auf, erzählte es jedoch neu: Das zentrale Symbol, das Lebkuchenhaus, erscheint umgestürzt. Damit stellte der Künstler tradierte Erzählungen von Ordnung, Hierarchie und Kontrolle infrage. Die Präsentation folgte dabei keiner festen Blickrichtung, sondern bezog Bewegung und Perspektivwechsel der Besucherinnen und Besucher bewusst ein.
Kooperation und begleitende Publikation
Organisiert wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Castello di Rivoli Museo d'Arte Contemporanea. Begleitend entstand eine neue Publikation mit Texten von Sarah Crowe und Lillian Davies sowie einem Interview mit dem Künstler, geführt von Francesco Manacorda.







