Heuer jährt es sich zum 50. Mal, dass der wegweisende österreichische Film-Regisseur gestorben ist.
1890 in Wien geboren, studiert Fritz Lang kurze Zeit Architektur und konstruiert später seine Filme – wie ein Kritiker beschrieb – mit mechanischer Präzision wie den Bau einer Kathedrale, kühl und monumental. Seine Räume sind verschachtelte Systeme, seine Figuren keine Helden, sondern Getriebene. Wie in Kathedralen geht es um Macht, Schuld und Erlösung – wer über wen richtet.
Verletzt, ernüchtert und gezeichnet kehrt er aus dem Ersten Weltkrieg zurück und findet im Film seine Vorstellung von Struktur und Ordnung. „Film ist nicht das Abbild der Wirklichkeit, sondern ihre Interpretation“, beschreibt er sein künstlerisches Verständnis.
Die lebenslange Beschäftigung mit Dr. Mabuse
Lang beginnt mit Stummfilmen. In seinem ersten internationalen Erfolg „Dr. Mabuse, der Spieler“ erscheint eine Figur, die ihn ein Leben lang beschäftigt – der Mann im Hintergrund, der das Leben zum Spiel reduziert. „Es gibt keinen Unterschied zwischen Verbrecher und der Gesellschaft, die sie hervorbringt“, beschreibt er Mabuse – als Symbol der Macht ohne Moral.
In dem Meisterwerk „Metropolis“ zeigt er die Macht der Autorität als technische Struktur. Die Herrschenden, die Arbeiter, dazwischen Maschinen, die Menschen verschlingen. Mit der zeitlosen Botschaft – Technik ohne Ethik wird zur Religion.
Flucht aus Deutschland aus Notwendigkeit
Mit seinem ersten Tonfilm „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ schuf Lang eines der wichtigsten Werke der Filmgeschichte – das Abbild einer erschreckenden Gegenwart. Der Kindermörder – gejagt von Polizei und Unterwelt – zeigt das Böse einer monströsen Gesellschaft. Die berühmte Pfeifmelodie ist der Klang des Grauens, wenn der Kindermörder (Schauspieler Peter Lorre), auf der Suche nach einem Opfer die Melodie aus „In der Halle des Bergkönigs“ von Edvard Grieg pfeift – bis ein blinder Luftballon-Verkäufer sie erkennt.
Nach der NS-Machtergreifung geht Lang nach Paris, später nach Hollywood. „Ich verließ Deutschland nicht aus Mut, sondern aus Notwendigkeit“, beschreibt er seine Flucht. Seine Filme werden in Deutschland verboten.
McCarthy und die Rückkehr nach Europa
In Hollywood hat Lang Schwierigkeiten, an seine künstlerischen und kommerziellen Erfolge anknüpfen. Stars wie Spencer Tracy (Jury) und Henry Fonda (You Only Live Once) arbeiten dennoch mit ihm. Sein Engagement gegen Rassismus und die Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht und Hanns Eisler führen zu politischer Verfolgung während der McCarthy-Ära.
Lang kehrt 1956 nach Europa zurück. Gemeinsam mit dem Produzenten Artur Brauner entstehen die Filme „Der Tiger von Eschnapur“ und „Die 1.000 Augen des Dr. Mabuse“.
Tyrann am Set
Als er wegen zunehmender Erblindung kaum noch arbeiten kann, geht er zurück in die USA, wo er 1976 stirbt. Im Nachruf eines Kollegen hieß es: „Etwa 40 Filme drehte er und war ein Tyrann am Set. Ein Perfektionist, der keine Improvisation duldete. Jeder Schatten gesetzt, jeder Blick berechnet. Seine Botschaft war keine ästhetische, sondern eine politische: Gefährliche Systeme seien jene, die wir für vernünftig halten. Seine Filme berühren nicht, weil sie trösten, sondern weil sie keinen Ausweg bieten.“
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 16/2026 erschienen.







