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„A dream come true“: Florentina Holzingers Pfingstfestspiel

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©APA/GEORG HOCHMUTH

Die Wiener Choreografin realisiert am 23. Mai eine neunstündige Performance als Teil ihres Biennale-Beitrags und in Kooperation mit den Wiener Festwochen. Sie sagt: „Vielen Dank für dieses geile Angebot.“

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Die Wiener Choreografin, Regisseurin und Performerin Florentina Holzinger ist sehr begehrt. Fast zeitgleich seien die Anfragen von Rita Nitsch, der Witwe des Aktionskünstlers Hermann Nitsch, ob sie nicht Lust hätte, Schloss Prinzendorf zu bespielen, und von Wiener Festwochen-Intendant Milo Rau, ob ihr zum Thema „Republic of Gods“ etwas einfiele, eingetroffen, sagte sie am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Resultat ist ein „Pfingstfestspiel“, das sie am 23. Mai realisiert.

„Vielen Dank für dieses geile Angebot. Es ist a dream come true“, sagte Holzinger Richtung Rita Nitsch, die sie auf dem Weinviertler Schloss gastfreundlich empfangen und bestens bekocht habe. „Ich hab' Hermann Nitsch nie persönlich kennengelernt und bin erst nach der Einladung erstmals nach Prinzendorf gefahren, an diesen sagenumwobenen Ort, beladen mit Historie. Ich war überrascht, welche Energie vor Ort spürbar war.“

War bisher "nicht so extrem busy mit dem Aktionismus"

„Ich komme natürlich eher vom Tanz und war nicht so extrem busy mit dem Aktionismus“, sagte sie. Ihre Arbeit sei aber im Ausland viel mit dem Wiener Aktionismus in Zusammenhang gebracht worden. Erst bei der Vorbereitung ihrer „Sancta“-Produktion sei "Nitsch bei uns am Tisch gelandet“, was sie nicht nur in der Ausstattung für ihre Skater-Rampe inspiriert, sondern auch auf das Orgien Mysterien Theater gebracht habe. „Die Geschichte des abendländischen Theaters hat ja viel mit Religion und Kult zu tun: große, kollektive Erlebnisse, religiöse Events, bei denen die Opfergabe zentral war.“ Auch Theater sei „ein Ort, wo Moral und Leben verhandelt werden“.

Rita Nitsch fühlte sich stolz und geehrt und betonte ihre Absicht, in Prinzendorf „das größte weltweite Performancetheater“ zu etablieren. „Wir werden es natürlich schwer haben in Zukunft, denn so was wie dich werden wir nicht noch mal kriegen, aber wir bemühen uns“, sagte sie in Richtung Holzinger. „Das Theater muss erneuert werden - das machst du, und das hat mein Mann auch versucht.“

„Eine einmalige neunstündige Sache“

Holzinger betonte, es handle sich nicht um eine Premiere, „sondern um eine einmalige neunstündige Sache. Ich hoffe, das Wetter ist gut.“ Gestartet wird am 23. Mai um 15.30 Uhr in Wien - was nicht zuletzt der Zusammenarbeit mit den Wiener Festwochen geschuldet sein dürfte. Am Wiener Eislauf-Verein (Holzinger: „Ein iconic place, aber eigentlich wollten wir ja die Marie-Theresien-Kaserne bespielen.“) wird als Prolog ein „Oratorium für Körper und Maschinen“ stattfinden, ehe 700 Besucherinnen und Besucher (Paul Breitenfelder von der Nitsch Foundation: „Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft.“) in zehn Busse gepackt und nach Prinzendorf chauffiert werden. „Die Busse gehören zu dem Oratorium natürlich auch dazu“, versicherte Holzinger. In Prinzendorf erwartet das Publikum „Das letzte Abendmahl“. Was genau bis zur Busrückfahrt um 23.30 Uhr zu sehen sein wird, ist noch unklar. Klar ist allerdings: „Es findet bei jedem Wetter statt“, wie Nitsch und Holzinger unisono erklärten.

Das Ganze hat nicht nur einen Bezug zu den Festwochen, ihrem diesjährigen Thema „Republic of Gods“ und ihrer Ausstellung von Christoph Schlingensief (dessen „Church of Fear“ einst in Venedig erstaufgeführt wurde), sondern auch zur Kunstbiennale in Venedig, wo Holzinger heuer den Österreich-Pavillon mit einer „Seaworld Venice“ bespielt, die laut der Künstlerin aus einem „Triptychon an Themen“ bestehen wird: aus einem Unterwasser-Themenpark, einem Sakralraum und einer Kläranlage. Diese diene wie auch die Rituale, um die es in Prinzendorf gehen werde, der Reinigung und Verwandlung von Unrat in etwas Positives.

„Performance ist eigentlich eine schlechte Idee für die Biennale“

Prinzendorf gilt wie eine Wasser-Aktion am 11. Juli in Bregenz sowie weitere performative Übungen, die etwa heuer noch in Bozen, Paris, Island und Berlin geplant sind, als Satellitenveranstaltung zu ihrem Biennale-Beitrag. Holzinger nennt sie „Études“ und versteht sie als technische Übungen. „Ich habe als Kind die Etüden von Chopin auf und ab gespielt“, erzählte sie. Solche Études sind auch abseits des Pavillons in Venedig geplant, absolvieren aber offenbar derzeit eine nicht ganz einfache „Bewilligungsschlaufe“. „Performance ist eigentlich eine schlechte Idee für die Biennale“, sagte Holzinger. Auch technisch sei es „ein sehr herausforderndes Projekt“ für Venedig.

Das „Pfingstfestspiel“ nimmt auf Hermann Nitschs (1928-2022) legendäres Pfingstfest auf Schloss Prinzendorf Bezug, das er ab 1973 als jährliche Veranstaltung für seine Unterstützer und Freunde konzipiert hatte. 2024 hatte das Pfingstfest erstmals nach dem Tod des Aktionskünstlers wieder stattgefunden. „Pfingsten ist ja theologisch die Herabkunft des Heiligen Geistes. Der Wind fährt in die Apostel und inspiriert sie“, sagte Holzinger heute. „Beim Pfingstritual geht es ums Zelebrieren des Verständnisses unterschiedlicher Nationen und um die Gemeinschaft. Das finde ich interessant, gerade in der krisengeschüttelten Welt, in der wir leben.“

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