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Buster Keatons „Der General“: Das verspätete Meisterwerk

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Buster Keaton

©IMAGO / Album

Die Geschichte über den Stummfilmklassiker, der ein finanzieller Misserfolg war, Keaton seine Karriere kostete und am Ende doch noch einen Siegeszug antrat.

Charlie Chaplin und Buster Keaton, die berühmtesten Künstler des Stummfilms, begeisterten das Publikum auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Chaplin, der „Tramp“, verband Komik mit Romantik und sozialer Kritik. Keatons Stil war das unbewegte Gesicht, die visuelle Perfektion, atemberaubende Stunts und geniale technische Gags. In einem einzigen Film – „Limelight“ von Chaplin – traten sie in einer Szene gemeinsam auf.

Vor hundert Jahren (1926) wagte Keaton eines der anspruchsvollsten Projekte der Stummfilmzeit. Sein Film „The General“ sollte die Slapstick-Komödien mit spektakulären, nie gezeigten Stunts ablösen. Die Handlung stützt sich auf eine wahre Begebenheit, die sogenannte „Great Locomotive Chase“ (Lokomotive-Verfolgungsjagd) von 1862, während des Amerikanischen Bürgerkriegs. Keaton spielt den Lokomotivführer Johnnie Gray, der zwei große Leidenschaften hat – seine Dampflok „The General“ und seine Geliebte Annabelle Lee.

Verfolgungsjagd

Als Spione der Nordstaaten seine Lokomotive stehlen und Annabelle zufällig mit entführen, beginnt eine abenteuerliche Verfolgungsjagd quer durch den amerikanischen Süden. Die Produktion war extrem aufwendig. Keaton, bekannt für seinen Perfektionismus und seine Abneigung gegenüber Trickaufnahmen, ließ fast alle Stunts real ausführen. Historische Dampflokomotiven wurden organisiert, Gleise umgebaut und ganze Züge bewegt – eine logistische Herausforderung für die damalige Zeit. Keaton engagierte 200 Statisten und 500 Arbeiter, Hunderte kamen, um bei den Filmaufnahmen zuzusehen.

Berühmt wurde die Szene, in der eine brennende Lokomotive von einer Holzbrücke in den Fluss stürzt. Keaton ließ dafür eine echte Brücke bauen und filmte die Szene mit mehreren Kameras gleichzeitig – sie konnte nicht wiederholt werden. Sie galt lange als die teuerste Einstellung der Filmgeschichte.

Für Buster Keaton war „The General“ sein Meisterwerk. Kritiker und Publikum reagierten allerdings irritiert. Zuschauer erwarteten eine einfache Komödie im Stil früherer Keaton-Filme. Stattdessen sahen sie einen aufwendigen Abenteuerfilm mit wenig klassischen Slapstick-Momenten. Keatons Studio zog sich nach dem finanziellen Misserfolg zurück, er bekam kaum noch Aufträge.

Filmgeschichte

In den 1950er- und 1960er-Jahren begannen Filmhistoriker und Regisseure, den Film neu zu entdecken, analysierten die Präzision, wie Keaton Bewegung, Raum und Ablauf inszeniert hatte. Die scheinbar einfachen Gags erwiesen sich als zeitlich genau abgestimmte Abläufe, in einer Harmonie zwischen Mensch, Maschine und Landschaft.

Heute gilt „The General“ als eines der größten Werke der Filmgeschichte. Regisseure wie Orson Welles und Stanley Kubrick bewunderten Keatons visuelle Erzählkunst. In internationalen Ranglisten der besten Filme nimmt „The General“ einen Spitzenplatz ein und wird häufig als Höhepunkt der Stummfilmkomödie bezeichnet.

„Der General war der beste Film, den ich je gemacht habe“, sagte Keaton in einem seiner letzten Interviews, „mit dem ich eine Menge Geld verlor und meine Karriere ruinierte.“

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 18/2026 erschienen.

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