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Arnulf Rainer im Stephansdom: 77 Kreuze als Zeichen, das bleibt

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v.l: Dompfarrer Toni Faber, Sammlerpaar Sonja Zsolnai-Kazstler & Werner Trenker, Bundeskanzler Christian Stocker

©Katharina Schiffl

Die Domkirche St. Stephan in Wien zeigt von 18. Februar bis 7. Juni 2026 Arbeiten in Kreuzform aus der Sammlung Werner Trenker, darunter erstmals geschlossen alle 70 Kaltnadelradierungen. Eröffnet wurde die Ausstellung am 17. Februar mit Bundeskanzler Christian Stocker, Dompfarrer Toni Faber, Erzbischof Josef Grünwidl und Initiator Werner Trenker.

Im Wiener Stephansdom ist ab 18. Februar 2026 eine konzentrierte Begegnung mit einem Schlüsselmotiv der österreichischen Nachkriegsmoderne zu sehen: „Das Kreuz – Das Zeichen, das bleibt“ versammelt 77 Arbeiten von Arnulf Rainer – davon 70 Kaltnadelradierungen in Kreuzform sowie sieben Kreuze auf Holz. Die Werke entstanden zwischen 1956 und 2014. Das Spektrum reicht vom frühen Blatt „Tabernakel“ bis zur Arbeit „Tiefgrün“, die als jüngstes Exponat die späte Phase des Künstlers markiert.

Rainer, geboren 1929 und 2025 verstorben, zählt zu den international bekanntesten österreichischen Künstlern seiner Generation. Weltweite Bedeutung erlangte er unter anderem mit Übermalungen und radikalen grafischen Verfahren. Im Stephansdom steht nun das Kreuz im Zentrum – seriell variiert, verdichtet in rauen Linien, tiefen Schwärzungen und einer Bildspannung, die weniger auf Andacht als auf Reibung setzt. In Werktiteln wie „Dornenkreuz“, „Himmelskreuz“, „Osterkreuz“ oder „Fastenkreuz“ blitzt Rainers jahrzehntelanger Dialog mit der katholischen Kirche auf. Zugleich betonte der Künstler, dass das Kreuz für ihn nicht zwingend christlich gelesen werden müsse, sondern als eigenständige Form persönliche Bedeutung habe.

Eröffnet wurde die Ausstellung am Dienstagabend, 17. Februar 2026, im Beisein von Bundeskanzler Christian Stocker, Dompfarrer Toni Faber, Erzbischof Josef Grünwidl und Unternehmer Werner Trenker, aus dessen Sammlung die Werke stammen. Stocker würdigte Rainer als prägende Figur der heimischen Kunstgeschichte und hob zugleich Trenkers Beitrag zur Kunstvermittlung hervor. Faber wiederum betonte den Stephansdom als Ort, an dem Fragen Platz haben dürfen – Rainers Kreuze seien nicht dekorativ, sondern eine Herausforderung für Gewohnheit und Glauben.

Kuratiert hat die Schau Pater Friedhelm Mennekes, ein ausgewiesener Rainer-Experte, der den Künstler über Jahre hinweg in Ausstellungen und Publikationen begleitet hat. Im gotischen Raum des Stephansdoms werden die Arbeiten als Gegenüber zur Architektur präsentiert, als Dialog von Kunstwerk, Liturgie und Geschichte. Initiator Trenker beschreibt die Ausstellung als Angebot an ein breites Publikum, Rainers Werk unmittelbar zu erleben und darüber ins Gespräch zu kommen. Mennekes liest die Radierungen als Feld von Spannungen, in dem ein vertrautes Zeichen zum Ereignis wird, körperlich, existenziell, mitunter widersprüchlich.

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