ABO

Aquakultur: Wie nachhaltig ist Fisch aus Zucht?

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
4 min
Artikelbild

Marc Mößmer

©Ingo Pertramer

Die meisten der verzehrten Fische stammen schon heute aus Zuchten, in Zukunft wird das nicht weniger werden. Sind mit technischen Weiterentwicklungen auch alle Probleme vom Tisch? Wir fragen den Agrarökonomen und Bio-Fischzüchter Marc Mößmer.

Wie schaut die Fischzucht der Zukunft aus?

Sehr divergent. Einerseits haben wir da die intensivierten Systeme, die gerade bei Wels, Zander und Garnelen zum Tragen kommen und die auch extrem intensiv sein müssen, um ihre hohen Kosten zu decken, ökonomisch kann das durchaus interessant sein. Auf der anderen Seite die extensive Fischzucht, flächengebunden und mit Futter, das die Fische ohne menschliches Zutun auf dieser Fläche finden. Da ist die klassische Art der Karpfen.

Kann Fischzucht den Fischhunger der Welt decken?

Wenn sich die Fischzucht verändert, vielleicht zum Teil. Das Problem dabei: Etwa 90 % der aktuell gezüchteten Fische brauchen Fischmehl, also erst wieder Fische aus den überfischten Meeren, kaum eine Intensivzucht kommt ohne dieses Fischmehl aus. Und die benötigten Mengen sind enorm, generell kann man sagen, dass man für ein Kilo Zuchtfisch ein Kilo Meeresfisch braucht.

Warum genau die Leute lieber Raubfische essen, weiß ich nicht wirklich

Marc Mößmer

Gezüchtet, weil nachgefragt, werden hauptsächlich Raubfische, seit einiger Zeit sogar Thunfisch. Ist das ein Problem?

Bei Thunfisch ist die Sache extrem: Die werden meist als Jungfische gefangen, kommen dann in Käfige und brauchen zur Aufzucht irre Mengen an Futter, zehn Kilo pro Kilo Fisch, oder sogar 20. Aber das rentiert sich wahrscheinlich sogar, weil der Preis für Thunfisch so hoch ist. Warum genau die Leute lieber Raubfische essen, weiß ich nicht wirklich, vielleicht, weil die oft weniger Gräten haben. Aber dieses Problem wäre mit ein bisschen Verarbeitungstechnik durchaus lösbar, wie etwa der Hering beweist. Und oft schmecken Friedfische sogar viel besser …

Logistik und Probleme bei offenen Kreisläufen – ist abgekapseltes Indoor-Farming die Lösung?

Die Argumente klingen gut, keine Frage, und ich will diese Systeme auch gar nicht schlechtreden. Verluste durch Kormoran oder Fischotter hat man da sicher nicht, klar, aber es braucht halt wahnsinnig viel Energie, Kunststoff, Steuerungselektronik und nicht zuletzt Futter in Form von Fischmehl.

Schmeckt ein Indoor-Fisch, eine Indoor-Garnele anders als in natürlichen Gegebenheiten aufgewachsen?

Profis erzielen da mittlerweile erstaunliche Ergebnisse. Die geschmackliche Komplexität von Fischen, die sich natürlich ernährt haben, ist meiner Meinung aber durch solche Systeme nicht erreichbar. Und es ist halt schon auch die Frage, was wir als Mensch essen wollen, weil man ja in gewisser Weise ist, was man isst …

Steckbrief

Marc Mößmer

Marc Mößmer, geboren in Bayern, ist Agrarökonom und gelernter Fischereimeister. Er studierte an der BOKU in Wien und erstellte in den 1990er-Jahren die später in ganz Europa angewendeten Richtlinien für biologische Fischzucht. Im Waldviertel bewirtschaftet er unter der Firmenbezeichnung Biofisch ein knapp 50 Hektar großes Teich-System.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 08/2026 erschienen.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER