Vor zehn Jahren traten sie an, den Biermarkt zu revolutionieren: handwerklich gebraute Kreativ-Biere unabhängiger Mini-Brauereien.
Wenn man sich die Bier-Rankings und Brauerei-Bewertungen von vor zehn Jahren ansieht, war da vor allem eines: Optimismus. Und auch ganz viel Kreativität, Selbstverwirklichung, Aufbruchstimmung.
Bitter, fruchtig, trüb
Zwischen 2015 und 2018 tauchte fast jede Woche eine neue kleine Craftbeer-Brauerei in Österreich auf, die Story war fast immer die gleiche: Bierfreunde, die mit Hobby-Brauanlagen im Keller erste Erfolge erzielt hatten und sich nun beflügelt sahen, ins Biergeschäft einzusteigen und die Bierwelt zu verändern.
Der Zeitpunkt war ein guter, vor allem das junge Publikum war neugierig auf die „neuen“ Biere, die so völlig anders waren als das übliche Seidel oder Krügerl. Es musste nur sehr bitter, fruchtig und trüb sein, einen lustigen Namen haben und ein buntes Etikett, schon waren Aufmerksamkeit und Anfangserfolg garantiert.
Viele Protagonisten verschwunden
Die Microbrewery-Szene ist nach wie vor lebendig, oder zumindest am Leben, aber sehr viele der damaligen Protagonisten sind wieder verschwunden: Der Belgier aus Korneuburg gab auf, die Tragweiner Beer Buddies verschwanden, die Zukunft von Brauschneider im Waldviertel ist ungewiss, Erzbergbräu sucht einen Nachfolger, Wenzl Privatbräu stellte Ende 2025 seinen Betrieb ein (schade!), Craftbeer-Pionier Forstner ist Geschichte, Vilser Privatbräu und das Ottakringer Xaver ebenfalls, Schalken gab ihre Brauerei in der Lobau auf, Next Level Brewing gibt es nicht mehr, der Essig-Guru Erwin Gegenbauer gab sein kleines Bier-Projekt auf, das Nixe Low Carb Craft Beer hinterließ keine Spuren.
Und alle anderen reduzierten ihren Output, viele gaben eigene Brauereien auf und arbeiten als „Gipsy-Brewer“ weiter, das heißt, sie brauen ihre Biere als Gastbrauer oder schlossen sich zu „Collabs“ zusammen.
Die Gründe für den Buzzkill
Was war geschehen? Nun ja, erstens halten Booms selten sehr lange an. Zweitens war der Craftbeer-Markt wohl sehr viel schneller gewachsen als die Nachfrage das hergab. Dazu kommt, dass der Bierkonsum – wie der aller anderen alkoholischen Getränke – kontinuierlich nachlässt.
Und dann war da auch noch Corona mit den Lockdowns: Gastronomie zu, keine Festivals mehr (für die Craftbeer-Szene ein wesentlicher Absatzmarkt), Bier wurde in dieser Zeit zwar reichlich konsumiert, aber halt nur jenes, das man im Supermarkt oder an der Tankstelle bekommen konnte.
Und dass sich Österreichs Groß-Brauereien bald auf das Thema Craftbeer draufsetzten – Brau AG mit den Kaltenhauser Bieren, Stiegl mit der Wildshut-Serie, Ottakringer mit dem Brauwerk – half den Brau-Zwergen auch nicht wirklich.
Verändertes Trinkverhalten
Aber auch das Biertrinkverhalten habe sich wieder geändert, erklärt Kurt Tojner, Besitzer der Mini-Brauerei Rodauner Biermanufaktur: „Abgesehen davon, dass Alkohol nicht mehr so selbstverständlich ist, sehen sich die Jungen wieder mehr nach einfachen, unkomplizierten Bieren, wollen vom Bier nicht mehr unbedingt geschmacklich herausgefordert werden.“
Und der Preis spielt beim Bier natürlich auch immer eine wesentliche Rolle, seien es auch nur ein paar Cent. Wenn er seine Biere am Liesinger Markt selbst verkaufe, bleibe ihm eine kleine Marge, sagt er, „das reicht für eine schwarze Null – zum Glück muss ich davon nicht leben“.
Bitter, aber jedenfalls kein Grund, sich die Bierlaune verderben zu lassen: Vom 28. bis 31. Mai schenken im Rahmen des Wiener Bierfests 30 heimische Brauereien aus, darunter auch zehn Winzlinge, denen die Craft noch nicht ausgegangen ist.
Wiener Lager, vergessener Welterfolg


Wenn man vor 15 Jahren bei einer der heimischen Großbrauereien nach einem „Wiener Lager“ fragte, stieß man gemeinhin auf Unverständnis. Denn jenes Bier, das 1841 von Anton Dreher erfunden wurde – er kombinierte damals als Erster englische Mälz-Technik, das aus Bayern stammende untergärige Brauver fahren das Ganze mit moderner Eiskühlung – und zehn Jahre danach die Schwechater Brauerei zur größten Brauerei Europas machte, war in Vergessenheit geraten.
Zumindest bei den Großbrauereien, nicht aber in der jungen, boomenden Craft Beer-Szene an der Westküste, in Italien oder Skandinavien. Dort bastelten die Brauhandwerker mit Vorliebe an alten, vergesse nen Bierrezepturen wie dem India Pale Ale oder eben dem Wiener Lager, einem kräftig gehopften, bernsteinfarbenen Bier mit leichter Karamellnote.
Österreichs erstes Neo-Wiener Lager war das „Hadmar Bio“ der Brauerei Weitra, die Craftbeer-Pioniere von Loncium gewannen mit ihrem „Austrian Amber Lager“ beim World Beer Award 2011 eine Goldmedaille. Na ja, und dann fiel der Groschen schön langsam, Ottakringer brachte 2014 sein „Wiener Original“ heraus, Schwechater wurde schließlich 2016 seiner Elternpflicht gerecht und füllte wieder ein „Schwechater Wiener Lager“ ab
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 22/2026 erschienen.







