Die Menschheit isst mehr Fisch, als natürlich vorhanden ist. Die Lösung ist daher die gleiche wie immer: künstliche Erzeugung und Effizienzsteigerung.
Auch in Österreich isst man gerne Fisch, zumindest am Aschermittwoch und in Form von Heringssalat. Sonst zählen die Österreicherinnen und Österreicher ja eher zu den schwachen Fisch-Essern, inklusive Weihnachtskarpfen, dem einen oder anderen panierten Polardorsch am Freitag, dem scharfen Rollmops, wenn der Kater quält, oder einem Lachsbrötchen zum Brunch kommen wir auf einen durchschnittlichen Verzehr von sieben bis acht Kilo pro Jahr.
Das ist einerseits gut. Denn die Meere sind überfischt, laut Greenpeace hat sich die Menge des gefangenen Fischs seit 1950 verfünffacht (und für diese Berechnung werden nur die offiziellen Zahlen herangezogen), 52 Prozent der Meeresfisch-Bestände sind am Limit, 25 Prozent stark überfischt. Andererseits gibt es leider keinen Grund, auf den geringen Anteil Österreichs an dieser Umwelt-Katastrophe stolz zu sein, denn von dem wenigen Fisch, den wir hier essen, stammt nur ein noch viel winzigerer Anteil aus heimischer Produktion, nämlich nur sieben Prozent. Der sogenannte „Fischerschöpfungstag“, also jener Zeitpunkt, an dem die heimischen Fisch-Ressourcen aufgebraucht sind und durch Importe ergänzt werden müssen, fiel heuer auf den 27. Jänner. Das heißt, Saibling, Bachforelle, Karpfen, Zander, Reinanke & Co waren schon drei Wochen vor Aschermittwoch aufgegessen.
Verzichten oder züchten?
Die unattraktive Lösung dieses Problems wäre, den Fischverzehr dramatisch einzuschränken, als die weitaus attraktivere Variante gilt die Fischzucht. Die nicht nur schon seit über tausend Jahren praktiziert wird, sondern mittlerweile für knapp 60 Prozent des von Menschen verzehrten Seafood sorgt, Tendenz steigend. Abgesehen von den Problemen wie Gewässerverschmutzung, Massentierhaltung und Gefährdung natürlicher, einheimischer Fischbestände durch Vermischung mit entkommenen Zuchtfischen fehlt es in einem Binnenland wie Österreich an geeigneten Gewässern, um Fischzucht in einem Ausmaß skalieren zu können, mit dem der heimische Verbrauch auch nur ansatzweise gedeckt werden könnte.
Weshalb seit einigen Jahren an Modellen gearbeitet wird, die diese Gewässer gar nicht mehr benötigen, weil sie in Hallen stattfindet. Das hat viele Vorteile, angefangen von genauen Kontrolle fast aller Parameter bis zum Wegfallen der „Entnahmen“ durch Kormorane und Fischotter, die sich bei Fischzuchten in freier Natur klarerweise gerne bedienen. Und es ermöglicht sogar, köstliche Wasserbewohner zu züchten, denen weder unser Klima noch unser im Idealfall klares Gebirgswasser behagt – Garnelen etwa, afrikanische Raubwelse oder Buntbarsche.
Shrimps aus den Bergen
Vor zehn Jahren starteten solche Modelle auch in Österreich, das Tiroler Modell der „Alpengarnelen“ von Daniel Flock und Markus Schreiner war das erste, startete klein und experimentell mit einem Output von vorerst nur 200 Kilo, mittlerweile arbeitet man in Hall mit 40 Meter langen Becken auf mehreren Ebenen, züchtet neben White Tiger-Garnelen auch den afrikanischen Raubwels alias Katzenwels, der sich für eine Haltung in relativ hoher Besatzdichte (500 kg/m3) recht gut eignet, da das seinen sonst ausgeprägten Killerinstinkt unterdrückt, er ein guter Futterverwerter ist, schnell wächst, bei der Wasserqualität recht geringe Ansprüche hat und sein Fleisch darüber hinaus sehr wohlschmeckend ist.
Einen Schritt weiter geht der steirische Fischzüchter Michael Wesonig, indem er in seinen Hallen in einer ehemaligen Tischlerei in Weiz auch mit Fischen probiert, zu denen man die Kunden nicht erst hinführen muss, sondern die sie schon kennen und lieben. Das erste derartige Projekt war der Lachs, konkret der pazifische Silberlachs, der sich in Aquakulturen bereits bewährt hat und damit zweifellos der erste echte Lachs Österreichs war (beim seit den 1990ern gezüchteten sogenannten „Alpenlachs“ handelt sich um den Eismeer-Saibling).
Literaturtipp


Paul Greenberg, Vier Fische
Paul Greenberg ist Journalist mit dem Fachgebiet Fische, schreibt darüber regelmäßig unter anderem in der New York Times. In seinem preisgekrönten Buch beschreibt er das jahrtausendealte Verhältnis zwischen Mensch und seinen vier liebsten Fischen Lachs, Thunfisch, Kabeljau, und Branzino. Unglaublich, wie faszinierend und spannend ein Buch über Fische sein kann, Foodie-Pflichtlektüre.
Berlin Verlag 2011, 320 Seiten
Branzino Next Generation
Und schließlich kam noch der liebste Fisch aller Italien-Urlauber in Wesonigs Weizer Becken, der Branzino, beziehungsweise der „Steirische Branzino“. Der zwar nur bedingt etwas mit dem adriatischen Wolfsbarsch zu tun hat, sondern vielmehr mit seinem nur sehr entfernten Verwandten, dem Barramundi.
Dieser wiederum gilt als der Zucht-Fisch der Zukunft, leicht zu halten, äußerst fruchtbar, anspruchslos sowohl hinsichtlich Wasser als auch Futter, extrem schnell wachsend und ein optimaler Futterverwerter mit niedrigem CO2-Fußabdruck. Und: Sein Fleisch ist weiß, fest und schmeckt großartig. Das einzige Problem, auf das auch Paul Greenberg in seinem Buch „Vier Fische“ hinweist: Niemand in Europa kennt den Barramundi, weshalb er eine Umbenennung etwa in „asiatischen Wolfsbarsch“ vorschlägt. Oder eben in „Steirer Branzino“ …
Aquaponik – die Eier legende Wollmilchsau?


Die Kombination aus Aquakultur und Hydroponik (Kultivierung von Pflanzen in Nährlösungen) wurde Mitte der 1980er entwickelt und beruht darauf, Ausscheidungen gezüchteter Fische in für Pflanzen verwertbare Nährstoffe umzuwandeln. Das geschieht mittels Filter, die mit nitrifizierenden Bakterien besetzt sind, welche das Ammonium und den Ammoniak der Abwässer in den Pflanzendünger Nitrat umwandeln. Für diese Aufzucht geeignete Fische sind neben heimischen Arten wie Schleie, Hecht, Karpfen und Flussbarsch vor allem Tilapia/ Buntbarsch und der afrikanische Raubwels.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 08/2026 erschienen.







