Täglich 1.000 Milligramm Vitamin C: In einer Studie mit 109 Menschen mit Vorstufen von Blutkrebs lebten nach rund drei Jahren mehr Teilnehmende der Vitamin-Gruppe. Das Hauptziel verfehlte die Studie aber, und die Forschenden warnen vor voreiligen Schlüssen.
Hinweis auf ein Überlebensplus
Ein gängiges Nahrungsergänzungsmittel könnte Menschen mit Vorstufen von Blutkrebs nützen. In der Studie EVITA nahmen 109 Patientinnen und Patienten ein Jahr lang täglich 1.000 Milligramm Vitamin C oder ein gleich aussehendes Scheinpräparat ein. Nach einer Beobachtungszeit von rund drei Jahren waren Teilnehmende aus der Vitamin-C-Gruppe statistisch signifikant häufiger am Leben als jene aus der Vergleichsgruppe. Die Ergebnisse sind im Fachjournal Cancer der Amerikanischen Krebsgesellschaft erschienen.
In der Vitamin-C-Gruppe traten außerdem während der Behandlung und der Nachbeobachtung weniger unerwünschte Ereignisse auf. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden hatte zu Studienbeginn einen Vitamin-C-Mangel, bei jenen mit Vitamin C normalisierten sich die Werte. Die Studie wurde vom Van Andel Institute in den USA gemeinsam mit Spitälern in Kopenhagen, Herlev und Aalborg sowie dem Keck Hospital der University of Southern California durchgeführt.
Das eigentliche Studienziel wurde verfehlt
Das Ergebnis zum Überleben stammt allerdings aus einer sogenannten explorativen Auswertung. Die Studie war dafür nicht ausgelegt. Ihr eigentliches Ziel war es zu prüfen, ob Vitamin C das Wachstum der krankhaft veränderten Blutzellen bremst. Dabei fand das Team keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen.
Verändert haben sich dagegen bestimmte Botenstoffe des Immunsystems, sogenannte Zytokine. Die Forschenden bringen diese Veränderungen mit günstigeren Verläufen in Verbindung. Wie genau Vitamin C wirken könnte, wird noch untersucht.
Um welche Erkrankungen es geht
Teilgenommen haben Menschen mit einer klonalen Zytopenie unklarer Signifikanz, kurz CCUS, oder mit einem myelodysplastischen Syndrom, kurz MDS, mit niedrigem Risiko. Bei beiden Erkrankungen bildet das Knochenmark zu wenige gesunde Blutzellen, und es entstehen genetisch veränderte Zellgruppen. Sie können in eine Leukämie übergehen. Keine der teilnehmenden Personen erhielt eine Krebsbehandlung.
Eine zugelassene Therapie, die das Fortschreiten von CCUS zu einer Leukämie verhindert, gibt es laut den Forschenden nicht. Üblich ist es, die Blutwerte regelmäßig zu kontrollieren. Hintergrund der Studie ist die Rolle von Vitamin C für das Enzym TET2, das reguliert, welche Gene in Zellen aktiv sind. Mutationen in diesem Enzym sind bei Leukämien und ihren Vorstufen häufig.
Warum die Forschenden zur Vorsicht mahnen
Mit 109 Teilnehmenden ist die Studie klein, und konkrete Überlebensraten haben die Forschenden in ihrer Mitteilung nicht genannt. Der Befund muss nun in einer größeren Studie der Phase 3 bestätigt werden. „Es ist zu früh, auf Basis unserer Ergebnisse endgültige Empfehlungen zu geben“, sagt die Hämatologin Kirsten Grønbæk von der Universität Kopenhagen, die die Studie geleitet hat.
Peter A. Jones vom Van Andel Institute zeigt sich „vorsichtig optimistisch“, dass die Ergebnisse eines Tages zu einem einfachen Weg führen könnten, die Versorgung zu verbessern. Menschen mit einer solchen Diagnose sollten die Einnahme von hoch dosiertem Vitamin C mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem behandelnden Arzt besprechen und nicht auf eigene Faust beginnen.
Quellen: Mikkelsen et al., EVITA-Studie, Cancer 2026, Van Andel Institute, Mitteilung zur Phase-2-Studie vom 21. September 2026
