Schlafstörungen sind in der erwachsenen Bevölkerung ziemlich verbreitet. Grund zur Sorge gibt die Tatsache, dass auch Kinder und Jugendliche vermehrt über Ein- und Durchschlafstörungen klagen – mit massiven Folgen für die Gesundheit. Denn guter Schlaf ist für die körperliche und geistige Entwicklung essenziell. Welche Ursachen Schlafprobleme bei Kindern und Jugendlichen haben und wie Eltern helfen können.
Warum ist guter Schlaf gerade für Kinder so wichtig?
Im Leben von Kindern und Jugendlichen passiert so viel. Sie erleben fast täglich Neues, müssen mit ihren Emotionen und deren Regulierung vermehrt auch ohne die Eltern klarkommen, sie erhalten in der Schule jede Menge Informationen, die gelernt werden sollen und durchleben die kleinen und großen Dramen, die das Heranwachsen mit sich bringen. All diese Erfahrungen werden im Schlaf sortiert und abgespeichert. Im Schlaf entstehen Synapsen, die für die Vernetzung der Nervenzellen sorgen. Das Gehirn "räumt" sozusagen auf und sortiert Informationen.
Das ist aber längst nicht alles. Eines der wichtigsten Wachstumshormone, das Somatropin, wird im Schlaf ausgeschüttet. Außerdem arbeitet der Körper auf Hochtouren daran, die Zellen zu regenerieren. Das Immunsystem fährt die Produktion von Abwehrzellen und Antikörpern hoch, Giftstoffe, die sich über den Tag im Gehirn angesammelt haben, werden abgebaut. Im Grunde ist der Schlaf so etwas wie der Reset-Modus des Körpers.
Was passiert, wenn Kinder zu wenig schlafen?
Dass Kinder hin und wieder Albträume haben oder schlafwandeln, ist nichts Außergewöhnliches. Kommt es aber dauerhaft zu Schlafstörungen, sind die ersten Folgen meist Verhaltensauffälligkeiten. So fallen die Kinder entweder durch Hyperaktivität und aufgedrehtes Verhalten auf, sie sind aggressiv, können sich nicht konzentrieren und zeigen Stimmungsschwankungen. Kommt es regelmäßig zu Schlafmangel, sind die Folgen gravierender: Das Wachstum und die neurologische Entwicklung können gestört werden, die schulische Leistungsfähigkeit sinkt. Gleichzeitig steigt aber das Risiko für Übergewicht und psychische Probleme.
Wie viel Schlaf Kinder und Jugendliche brauchen, hängt vom Alter und von ihrem Aktivitätslevel ab. Schulkinder (6 bis 12 Jahre) sollten 9 bis 12 Stunden schlafen, Jugendliche (13 bis 18 Jahre) benötigen rund 8 bis 10 Stunden. Wichtig: In der Pubertät verschiebt sich der Schlafrhythmus nach hinten. Obwohl die Teenies gut ein- und durchschlafen, kann durch das Aufstehen für den relativ frühen Schulbeginn ein Schlafdefizit entstehen.


Ursachen von Schlafmangel bei Kindern erkennen
Schlafstörungen frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken ist wichtig, denn sie können sich mit fortlaufender Dauer verfestigen und so zu einem echten Problem werden. Doch wie findet man die Ursache für Schlafprobleme bei Kindern und Jugendlichen? Und wann sollte man deswegen Fachpersonal aufsuchen?
Im Grunde gibt es drei Bereiche, die einen genaueren Blick verdienen: physische, psychische und äußere Einflussfaktoren. Am einfachsten ist die Beseitigung äußerer Einflussfaktoren:
Sorgen Sie für eine Umgebung, die den Schlaf bestmöglich fördert. Punkte, auf die Sie achten sollten:
Feste, atmungsaktive Matratze
Raumtemperatur zwischen 16 und 20 Grad
Ruhige Umgebung
Dunkler Raum
Einschlafrituale
Feste Schlafenszeiten
Keine Bildschirmnutzung vor dem Schlafengehen
Kein zu spätes Essen
Krieg im Kinderzimmer
Während physische Ursachen, etwa Nährstoffmangel oder Hormonstatus, nur medizinisches Fachpersonal verlässlich ausschließen oder behandeln kann, sind Eltern als erste Instanz bei emotionalen Faktoren gefordert. Suchen Sie das Gespräch mit Ihren Sprösslingen und finden Sie heraus, ob die Schule oder Freunde gerade vermehrt Stress machen, ob es Ängste gibt oder Ihr Kind vermehrten Leistungsdruck verspürt. Oft hilft schon das Gespräch mit Erwachsenen.
Auf der Website von Instahelp stehen zudem mehrere Videos bereit, die als erste Maßnahme zur Entspannung bei Leistungsdruck hilfreich sein können.
Dank Smartphones und unserer vernetzten Welt dringt vieles bis zu Kindern und Jugendlichen vor, das sie (noch) nicht einordnen können und das ihnen vielleicht Angst macht: "Astronomische Inflationsraten, Migrationsdruck, der immer größer wird, Krieg in der Ukraine, Krieg im Nahen Osten: Die Rahmenbedingungen, unter denen junge Leute heute zu leben haben, sind unangenehm", sagt Jugendforscher und Sozialwissenschaftler Bernhard Heinzlmaier im Podcast mensch, merkur!. Hier sind die Eltern gefordert, um Ängste abzubauen, einzuordnen und zu erklären.


Hier sind die Eltern gefordert, um Ängste abzubauen, einzuordnen und zu erklären
Abklärung durch Profis
Eltern sollten auf jeden Fall darauf verzichten, mit rezeptfrei erhältlichen Nahrungsergänzungsmitteln mit Inhaltsstoffen wie Melatonin nachzuhelfen. Eine Einnahme des Hormons, das dem Körper Müdigkeit signalisiert, ist für gesunde Kinder nicht geeignet. Stattdessen ist es wichtig, schon früh sogenannte schlafhygienische Maßnahmen zu etablieren, die Kinder also an "richtiges" Schlafengehen zu gewöhnen. Erklären Sie, dass es dunkel und kühl sein muss, damit der Körper erkennt, dass Schlafenszeit ist, dass Bildschirmlicht Schlaf behindert und zu spätes Essen ebenfalls zu Schlafstörungen führen kann. Seien Sie transparent in allem, was Sie tun und gehen Sie als Erwachsene mit gutem Vorbild voran.
Wenn Sie die Vermutung haben, dass Ihre Kinder zu wenig oder zu schlecht schlafen, kann es helfen, drei Wochen lang ein Schlaftagebuch zu führen. Notieren Sie darin die Dauer, die Schlafenszeit, die Begleitumstände (Schularbeiten, spätes Essen ...) und das Verhalten am nächsten Morgen. Halten Schlafprobleme länger als vier Wochen an, oder sind die Folgen der unruhigen Nächte stark spürbar, sollten körperliche und psychische Ursachen von Fachleuten abgeklärt werden. Die erste Anlaufstelle ist die Pädiatrie.






