Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und steigende Ausgaben setzen die Pflege in allen Bereichen unter Druck. Das sagen die Zahlen über die Tragweite.
Wie funktioniert Pflege?
Rund eine halbe Million Menschen in Österreich beziehen Pflegegeld, die Ausgaben dafür betrugen im Vorjahr rund 3,6 Milliarden Euro, ein Plus von mehr als sechs Prozent gegenüber 2024. Die rechtlichen Grundlagen wurden vor 30 Jahren geschaffen, als das Pflegevorsorgesystem mit den beiden Säulen Pflegegeld und Pflegedienstleistungen eingerichtet wurde.
Finanziert wird dieses im Gegensatz zum Gesundheitssystem nicht durch Versicherungsbeiträge, sondern überwiegend aus allgemeinen Steuermitteln. Für die Pflege werden in Österreich 1,6 Prozent des BIP für öffentliche Langzeitpflege verwendet, das liegt im Mittelfeld des europäischen Vergleichs. Die meisten Bezieher von Pflegegeld sind in den beiden untersten Stufen zu finden.
Was kommt demografisch auf Österreich zu?
Die Lebenserwartung steigt, daher steigt die Zahl der älteren Personen – brisant ist vor allem die steigende Zahl der Hochaltrigen: Bis zum Jahr 2050 soll sich in Österreich der Anteil der über 80-Jährigen mindestens verdoppeln. Doch im Schnitt verbringen sowohl Männer als auch Frauen ein Fünftel ihres Lebens nicht in einem guten Gesundheitszustand.
Wenn immer mehr Menschen immer länger pflegebedürftig sind, steigen automatisch Aufwand und Kosten. Bessere Prävention – gefördert auch durch Bildung und Wissen – kann helfen, doch nur bis zu einem gewissen Ausmaß.
Erschwerend dazu kommt auch noch die Aufsplitterung der Pflegestrategien in den Bundesländern: Zwar gibt es seit 2012 einheitliches Bundespflegegeld, doch die operative Verantwortung tragen die Bundesländer. So setzt etwa Niederösterreich auf finanzielle Anreize für Familien, während das Burgenland auf sozialversicherungsrechtliche Absicherung pflegender Angehöriger baut.


Wer kümmert sich um Pflegebedürftige?
Rund ein Fünftel aller Pflegebedürftigen werden stationär in Pflegeheimen betreut, vier Fünftel zu Hause durch mobile Pflege, 24-Stunden-Betreuung oder Angehörige daheim. Derzeit sind rund 60.000 Personen in der Langzeitpflege tätig; bis 2030 werden laut Wifo in Österreich rund 17.000, bis 2050 sogar 77.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Mit finanziellen Anreizen sollen entsprechende Ausbildungen attraktiver werden.
Pflege durch Angehörige spielt eine große Rolle: Mehr als 800.000 Menschen betreuen ein Familienmitglied daheim, davon leben rund 61 Prozent im gemeinsamen Haushalt. Die psychischen Belastungen sind groß; vor allem hohe Verantwortung sowie Verzicht und Einschränkungen werden als problematisch empfunden. Oft übernehmen Kinder und Jugendliche diese Aufgabe – rund 43.000 im Alter zwischen fünf und 18 kümmern sich daheim um Angehörige.
Wer trägt die Last?
Pflege in Österreich ist Frauensache: 73 Prozent der pflegenden Angehörigen sind Frauen, bei den Fachkräften sind es mindestens 80 Prozent. Die 24-Stunden-Betreuung ist eine Eigenheit des österreichischen Pflegesystems und macht es möglich, dass Pflegebedürftige trotz hohem Betreuungsbedarf daheim leben.
Diese Arbeit übernehmen rund 22.000 selbstständige Personenbetreuerinnen, vorwiegend ausländische Arbeitskräfte, die meist von Agenturen vermittelt werden. Maßnahmen wie Zertifikate und mehr Kontrollen sollen die Qualität dieser Pflege sichern.
Können Digitalisierung, KI und Robotik helfen, ältere Menschen gut und günstig zu versorgen? Bisher geht es vorwiegend um Arbeitsentlastung der Fachkräfte, etwa bei administrativen Aufgaben. In Zukunft soll Assistenztechnik Menschen helfen, länger daheim zu leben – dazu zählen Sturzmeldesysteme und Monitoring von Gesundheitsdaten. Ob Assistenzroboter menschliche Fachkräfte bzw. Angehörige unterstützen oder gar ersetzen könnten, ist aber noch fraglich, auch wegen der Finanzierung.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 22/2026 erschienen.






