Die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Österreich gibt Grund zur Besorgnis. Denn jedes vierte bis fünfte Kind zeigt Symptome von psychischen Belastungen, zum Beispiel durch depressive Verstimmungen, Essstörungen, Angst oder Schlafprobleme. Die Herausforderungen, mit denen sie zu kämpfen haben, sind vielfältig, Therapieplätze rar. Umso wichtiger ist es, schon früh die Resilienz bei Kindern zu fördern. Als Eltern gibt man ihnen so eine Superkraft fürs Leben mit.
Herausforderungen für die mentale Gesundheit
Es ist immer leicht, die "guten, alten Zeiten" zu verklären. Dabei war vieles früher nicht gleichzeitig besser. Was sich aber schon verändert hat, sind die Anforderungen unserer Zeit an die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Sie wachsen in einer Umgebung auf, die schneller, reizüberfluteter und auf vielen Ebenen auch gefährlicher geworden ist. Schließlich holen sie sich mit dem Smartphone die ganze Welt ins Kinderzimmer. Und mit ihr die Sorgen. Schon früh beschäftigen sich Kinder heute mit "Erwachsenenthemen" wie Schönheitsideale, Sexualität und Konflikte. Nachrichten zu Krieg und Klimawandel belasten sie ebenso wie der dauernde Vergleich mit anderen. Die Angst, nicht dazu zu gehören, ein geringes Selbstwertgefühl und verstärkte Unsicherheit sind noch die harmlosesten Folgen.
Weil Kommunikation verstärkt online stattfindet, gibt es weniger echte und tiefgreifende Kontakte, die innere Sicherheit geben und dabei helfen, Selbstbewusstsein aufzubauen. Es ist nur allzuleicht, online falsche Vorbilder zu finden. Selbstverständlich beschränken sich die Challenges nicht auf den digitalen Raum. Auch im "echten" Leben gilt es, zunehmendem Druck standzuhalten, etwa durch Leistungsdruck in der Schule oder durch ein durchgetaktetes Freizeitprogramm, das wenig Raum für unbeschwertes Spielen lässt.
Nun kann man Kinder und Jugendliche zwar nicht in jedem Moment ihres Lebens beschützen, aber man kann ihnen zumindest das nötige Rüstzeug mitgeben, damit sie lernen, auf ihre mentale Gesundheit aufzupassen. Stichwort: Resilienz.
Was ist Resilienz überhaupt?
Resilienz ist die Fähigkeit, mit Herausforderungen, Krisen und Stress umzugehen. Sie ist der Nährboden, auf dem man Widrigkeiten zum Trotz wachsen kann. Oder anders ausgedrückt: Sie ist das Immunsystem unserer Psyche. Die gute Nachricht ist, dass man Resilienz nicht einfach hat oder nicht hat. Man kann sie trainieren! Und damit sollte man schon relativ früh beginnen. Es geht nicht darum, Kinder vor jedem Leid oder jeder negativen Erfahrung zu schützen.
"Unsere Persönlichkeit braucht Krisen, weil wir in den Krisen unsere Wurzeln verstärken. Wer hoch hinaus will, braucht auch starke Wurzeln", so der Psychologe Dr. Bardia Monshi, Gründer des Instituts für Vitalpsychologie im mensch, merkur! Podcast. Man muss also Kindern beibringen, wie sie sich nach Rückschlägen erholen, wie sie lösungsorientiert und selbstbestimmt ihr Leben in die Hand nehmen und wie sie mit Emotionen auf förderliche Art umgehen.
Wichtige Bausteine sind:
Optimismus & Vertrauen
Sichere Bindungen zu verlässlichen Bezugspersonen
Selbstwirksamkeit
Emotionale Kompetenz: Gefühle verstehen und regulieren
Problemlösefähigkeit


Für die Hirnentwicklung eines Kindes braucht es eine enge Bezugsperson in den ersten 1.000 Tagen auf jeden Fall, und auch danach natürlich
Wie kann man Resilienz bei Kindern stärken?
"Für die Hirnentwicklung eines Kindes braucht es eine enge Bezugsperson in den ersten 1.000 Tagen auf jeden Fall, und auch danach natürlich", erklärt Dr. Monshi. Ist das nicht der Fall, sind sie in ihrem Resilienzpotenzial ein Stück weit belasteter. Eltern sehr kleiner Kinder sollten also darauf achten, ihren Kindern stabile Bezugspersonen zu sein und auch verlässliche Beziehungen zu anderen Menschen, etwa Großeltern, zu etablieren. "Smartphones / Tablets / Soziale Medien sind die größte Konkurrenz für soziale Beziehungen und ein gelungenes Leben", schreibt auch Mag. Susanne Grohs-Schlager vom Institut Grohs, das sich auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen spezialisiert hat.
Smartphones / Tablets / Soziale Medien sind die größte Konkurrenz für soziale Beziehungen und ein gelungenes Leben
Neben stabilen Beziehungen über die gesamte Lebensspanne zu bieten, können Eltern aber noch viel mehr tun, um die Resilienz ihrer Kinder zu stärken. Etwa indem sie Kindern nicht alles abnehmen und ihnen auch kleine Frustrationen "zumuten", ihre Gefühle ernst nehmen, Fehler als Lernschritte zulassen und benennen, die Selbstwirksamkeit stärken, Vorbild sind und Routinen etablieren. Letztere sind wichtig, damit Kinder und Jugendliche Sicherheit fühlen.
Wichtig ist zu wissen, dass Resilienz nichts mit Härte, Gefühllosigkeit, falscher Positivität oder "Augen zu und durch" zu tun hat. Es ist okay, sich traurig, wütend oder überfordert zu fühlen. Es ist wichtig zu lernen, um Hilfe zu bitten, wenn man es allein nicht mehr schafft. Das gilt für Kinder und Jugendliche genauso wie für Eltern. „Mentale Gesundheit wird oft tabuisiert. Dabei sollte Vorsorge genau dort beginnen. Aufklärung und Hilfe sind dabei enorm wichtig. Das Gesundheitsvorsorgeprogramm ego4you well instahelp ist dafür ein essentieller Baustein“, sagt Christian Kladiva, Vorstandsdirektor der Merkur Versicherung.






