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Psychisch belastet: Wann ist es Zeit, sich Hilfe zu holen?

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Psychische Belastung äußert sich meist körperlich und im Verhalten
©APA, dpa-tmn, Fabian Sommer
Psychische Belastung äußert sich meist durch ein Zusammenspiel aus körperlichen, emotionalen und verhaltensbezogenen Symptomen. Typische körperliche Warnsignale sind anhaltende Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, Verspannungen oder Magen-Darm-Beschwerden.

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Auf emotionaler Ebene zeigen sich Belastungen oft durch eine spürbare innere Unruhe, Ängste, erhöhte Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit, chronisches Grübeln oder ein ständiges Gefühl der Überforderung. Im Alltag und im Beruf macht sich die Überlastung zudem häufig durch Konzentrationsprobleme, einen spürbaren Leistungsabfall sowie den zunehmenden Rückzug aus dem sozialen Leben bemerkbar.

"Entscheidend sind die Dauer und die Schwere und auch die Beeinträchtigungen im Alltag", sagt Caroline Cohrdes, Expertin für psychische Gesundheit am Robert Koch-Institut. "Man muss da nicht warten, bis man selbst sicher ist, ob die Beschwerden behandelt werden sollten, sondern kann sich beraten lassen." Ansprechpartner seien die Hausarztpraxis oder psychosoziale Beratungsstellen. Von frei zugänglichen KI-Chatbots raten Experten für eine Diagnose oder alleinige Behandlung ab. Dafür fehlten bisher ausreichende Belege für Wirksamkeit und Sicherheit.

"Hinweise für eine depressive Krankheitsepisode sind anhaltende Beschwerden wie permanentes Erschöpfungsgefühl, Freudlosigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen, Appetitstörungen, oft mit Gewichtsverlust, permanentes Grübeln mit Schuldgefühlen sowie die Überzeugung, in einer ausweglosen Situation zu sein", sagt Ines Keita, leitende Psychologin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Eine Depression könne oft mit Suizidgedanken einhergehen. In diesem Fall sollten sich Betroffene sofort Hilfe holen – unter der Notfall-Nummer oder in der nächsten psychiatrischen Klinik, ergänzt Keita.

"Wir sehen eine Lücke zwischen dem Hilfebedarf, den Menschen äußern und dem, den sie in Anspruch nehmen", sagt RKI-Forscherin Cohrdes. Warum ist das so? Barrieren sind nicht allein lange Wartezeiten oder zu wenig professionelle Anlaufstellen in der Nähe, sondern vor allem stigmatisierende Einstellungen und Ängste. "Dazu zählt die Einstellung, dass man das Problem selbst in den Griff bekommen muss oder die Sorge, dass andere Negatives denken, wenn man sich Hilfe sucht", so die Forscherin.

Bei Herausforderungen oder Krisen psychisch stabil zu bleiben oder sich schnell zu erholen ist keine reine Frage der Persönlichkeit. "Wichtige Faktoren sind etwa soziale Unterstützung, aber auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten", sagt Cohrdes. Hilfreich seien ein guter Umgang mit den eigenen Emotionen und ein flexibles Repertoire an Bewältigungsstrategien.

"In manchen Situationen kann die Einsicht hilfreich sein, dass man bestimmte Dinge gerade nicht ändern kann", erläutert die RKI-Expertin. In anderen Situationen habe sich aktives Handeln als besonders hilfreich erwiesen. "Also sich etwa zu sagen: Ich kann am Ukrainekrieg nichts ändern, aber ich kann mich für Menschen engagieren, die dort ihr Zuhause verloren haben".

Es gebe aber Grenzen, was der Einzelne selbst beeinflussen oder durch solche Kompetenzen ausgleichen kann. "Wer etwa dauerhaft unter finanzieller Unsicherheit, schlechten Arbeitsbedingungen oder fehlender sozialer Unterstützung lebt, kann diese Belastungen nicht einfach wegbewältigen", sagt Cohrdes.

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Fabian Sommer/Fabian Sommer

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