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Pest in Sibirien: Was hinter dem Verdachtsfall in Russland steckt – und wie gefährlich er wirklich ist

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©Pixabay/fernandozhiminaicela

In Sibirien ist eine Laborantin eines Pest-Instituts gestorben, etwa 200 Kontaktpersonen stehen unter Beobachtung. Ob es die Pest war, ist offen: Russland spricht von einer Lungenentzündung unbekannter Ursache. Was wir wissen, was die Pest eigentlich ist und wie Fachleute das Risiko einschätzen.

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Der Fall in Irkutsk: Was bekannt ist

Eine 28-jährige Laborantin des Irkutsker Instituts zur Pestbekämpfung ist nach Medienberichten Anfang Oktober 2026 in einem Krankenhaus in Schelechow bei Irkutsk gestorben. Die russische Gesundheitsaufsicht Rospotrebnadsor nennt als Todesursache eine „Lungenentzündung unbekannter Herkunft“. In den Proben seien keine Mikroorganismen nachgewiesen worden, die mit ihrer beruflichen Tätigkeit zusammenhängen, einen Laborunfall gebe es nicht, die epidemiologische Lage sei stabil (laut ORF.at).

Lokale Medien und Telegram-Kanäle berichten dagegen, der Frau sei bei der Arbeit ein Reagenzglas mit Pestbakterien zerbrochen, sie sei an Lungenpest erkrankt. Das ist nicht bestätigt. Rund 200 Kontaktpersonen stehen unter medizinischer Beobachtung, mehrere Krankenhäuser und eine Kinderklinik wurden zeitweise unter Quarantäne gestellt. Weitere Infektionen sind laut ZDF nicht bekannt. Der Kreml forderte, sich „ausschließlich an den Angaben der russischen Gesundheitsaufsicht“ zu orientieren und keinen Gerüchten zu glauben (laut Berliner Zeitung). Die US-Regierung und die EU-Kommission beobachten die Lage und fordern schnelle, offene Informationen.

Was ist die Pest?

Die Pest wird vom Bakterium Yersinia pestis ausgelöst, das vor allem bei Nagetieren und deren Flöhen vorkommt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es drei Formen:

  • Beulenpest: die häufigste Form mit geschwollenen Lymphknoten, übertragen meist durch Flohbisse. Unbehandelt sterben 30 bis 60 Prozent der Erkrankten.

  • Lungenpest: die schwerste Form, bei der die Lunge befallen ist. Sie kann auch von Mensch zu Mensch über Tröpfchen übertragen werden und ist unbehandelt immer tödlich.

  • Pestsepsis: die Bakterien gelangen in den Blutkreislauf, auch sie ist unbehandelt immer tödlich.

Die Inkubationszeit beträgt ein bis sieben Tage, bei Lungenpest kann es schon nach 24 Stunden zu Symptomen kommen. Historisch berüchtigt ist der Schwarze Tod, die Pestpandemie von 1347 bis 1353, der Schätzungen zufolge etwa ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer fiel. Heute tritt die Pest vor allem in der Demokratischen Republik Kongo und auf Madagaskar auf (WHO, Daten 2019 bis 2025).

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Karte mit Hilfe von KI erstellt

 © NEWS mit Hilfe von KI erstellt

Ist die Pest heute noch tödlich?

Die gute Nachricht: Gegen die Pest wirken Antibiotika, wenn sie früh gegeben werden. Der Mikrobiologe Brendan Wren von der London School of Hygiene & Tropical Medicine betont, auch die Lungenpest sei bei rascher Diagnose behandelbar. Enge Kontaktpersonen erhalten laut WHO eine siebentägige vorbeugende Antibiotika-Behandlung. Eine Impfung empfiehlt die WHO nur für Hochrisikogruppen wie Laborpersonal. In Russland gibt es elf natürliche Pest-Herde, nur in dreien wurde 2025 der Erreger nachgewiesen (Meduza).

Wie ist der Fall einzuschätzen?

Fachleute sehen derzeit keinen Anlass zur großen Sorge. Wren hält laut LSHTM eine Epidemie für unwahrscheinlich, Laborinfektionen mit dem Erreger seien selten und die Übertragung von Mensch zu Mensch vergleichsweise ungewöhnlich. Der Bundeswehr-Mikrobiologe Roman Wölfel nennt eine größere Ausbreitung „eher unwahrscheinlich“, das deutsche Robert Koch-Institut bewertet das Risiko einer Einschleppung nach Deutschland als gering (laut ms-aktuell). Einschätzungen österreichischer Behörden lagen bei Redaktionsschluss nicht vor. Auch US-Außenminister Marco Rubio sah keinen Grund zur Beunruhigung.

Offen bleibt vor allem die Ursache: Eine unabhängige Bestätigung der Todesursache gibt es nicht, ein Pesterreger wurde nach russischen Angaben nicht nachgewiesen, die Behauptungen über einen Laborunfall sind nicht belegt. Entscheidend sind die nächsten Tage: Bleibt es bei einem Einzelfall und erkrankt keine der rund 200 Kontaktpersonen, spricht vieles dafür, dass der Fall lokal begrenzt bleibt. Stand der Informationen: 6. Oktober 2026.

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