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Long Covid: Warum manche Betroffene süß, bitter und umami nicht mehr schmecken

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Elektronenmikroskopische Aufnahme einer Geschmacksknospe auf der Zunge
Foto:©Wellcome Collection/David Gregory & Debbie Marshall/CC BY 4.0

Bei manchen Menschen bleibt der Geschmackssinn nach einer Covid-Infektion über ein Jahr lang gestört. Eine neue Studie findet in ihren Geschmacksknospen messbare Veränderungen und erklärt, warum gerade süß, bitter und umami betroffen sind, salzig und sauer aber kaum.

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Ein fehlender Verstärker in den Geschmackszellen

Wer nach einer Covid-Infektion monatelang kaum etwas schmeckt, hat offenbar messbare Veränderungen in den Geschmacksknospen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die am 19. Oktober im Fachjournal Chemical Senses erschienen ist. Beteiligt waren Forschende der University of Colorado Anschutz, der University of Wisconsin und zweier schwedischer Universitäten.

In den Geschmacksknospen der Betroffenen fand das Team zu wenig Boten-RNA für das Protein PLCβ2. Es verstärkt in den Geschmackszellen die Signale für süß, bitter und umami. „PLCβ2 wirkt wie ein molekularer Verstärker in den Geschmackszellen“, sagt Thomas Finger von der University of Colorado Anschutz, der korrespondierende Autor der Studie.

Warum salzig und sauer meist erhalten bleiben

Der Befund passt zu dem, was die Betroffenen berichten. Elf der Teilnehmenden hatten Schwierigkeiten, bestimmte Geschmacksrichtungen wahrzunehmen, vor allem süß, bitter und umami. Salzig und sauer erkannten sie weitgehend normal. Die Zellen für diese beiden Geschmacksrichtungen nutzen Signalwege, die nicht auf PLCβ2 angewiesen sind.

Neben dem molekularen Befund sahen die Forschenden auch strukturelle Unterschiede. Bei manchen Teilnehmenden wirkten die Geschmacksknospen unauffällig, bei anderen waren die Geschmackszellen ungeordnet. Das Team vermutet, dass beide Veränderungen zu den Beschwerden beitragen können.

So wurde untersucht

Untersucht wurden 28 Menschen, deren Geschmackssinn seit mehr als einem Jahr nach einer Covid-Infektion gestört war. Keiner von ihnen war wegen Covid im Spital gewesen. Alle absolvierten Geschmackstests, bei 20 entnahm das Team zusätzlich kleine Gewebeproben aus den Geschmacksknospen. In den Tests zeigten acht der 28 Personen deutlich auffällige Werte.

Bemerkenswert ist der Befund, weil sich Geschmackszellen normalerweise alle zwei bis vier Wochen erneuern. Die gestörte Signalübertragung bleibt bei manchen Menschen aber offenbar deutlich länger bestehen. „Unsere Ergebnisse liefern messbare Belege für eine langfristige Störung des Geschmacks bei einem Teil der Post-Covid-Patientinnen und -Patienten“, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Was die Studie nicht beantwortet

Die Untersuchung ist klein, Gewebe wurde nur von 20 Personen analysiert. Eine Kontrollgruppe ohne Beschwerden wird in der Beschreibung der Forschenden nicht genannt. Offen bleibt, ob sich die molekularen Veränderungen wieder zurückbilden und ob Therapien, die die Signalübertragung wiederherstellen, Betroffenen helfen könnten. Eine Behandlung leitet sich aus der Studie noch nicht ab.

Bei den meisten Menschen kehrt der Geschmackssinn nach einer Covid-Infektion innerhalb von Wochen oder Monaten zurück. Nur eine kleine Gruppe hat dauerhafte Beschwerden. Für sie liefert die Arbeit einen konkreten biologischen Ansatzpunkt für weitere Forschung.

Postakute Infektionssyndrome im Parlament

In Österreich beschäftigt die Versorgung von Menschen mit Langzeitfolgen nach Infektionen auch das Parlament. Der Rechnungshofausschuss des Nationalrats beriet am Dienstag unter anderem einen Bericht über die Versorgung von Menschen mit postakuten Infektionssyndromen, zu denen auch Long Covid zählt. Ministerin Korinna Schumann und Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig waren dafür angekündigt.

Quellen: Morad et al., Taste dysfunction in long COVID, Chemical Senses 2026, Parlament, Parlamentswoche vom 19. bis 23. Oktober 2026

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