Eine Grippe belastet nicht nur die Atemwege. In der ersten Woche nach einer nachgewiesenen Influenza ist das Risiko für einen Herzinfarkt laut einer großen Studie etwa sechsmal so hoch. Was über den Schutz durch die Impfung bekannt ist und wo sie in Österreich gratis ist.
Sechsmal so hohes Risiko in der ersten Woche
Dass eine Grippe auch dem Herz gefährlich werden kann, ist gut belegt. Eine kanadische Studie, die im New England Journal of Medicine erschienen ist, wertete Daten aus der Provinz Ontario aus. Untersucht wurden 364 Spitalsaufnahmen wegen eines Herzinfarkts bei Menschen ab 35 Jahren, bei denen innerhalb eines Jahres eine Influenza im Labor nachgewiesen worden war.
In den ersten sieben Tagen nach dem Nachweis der Grippe war die Rate an Herzinfarkten etwa sechsmal so hoch wie in den Vergleichszeiträumen davor und danach. Ab dem achten Tag fand das Team keine erhöhte Rate mehr. Das Risiko steigt also vor allem in der akuten Phase der Erkrankung.
Warum eine Infektion das Herz belastet
Als Erklärung nennen Kardiologinnen und Kardiologen vor allem die Entzündungsreaktion des Körpers. Fieber und ein schnellerer Puls erhöhen den Sauerstoffbedarf des Herzens, gleichzeitig kann die Entzündung Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen instabil machen. Reißen solche Ablagerungen auf, kann sich ein Gerinnsel bilden, das ein Gefäß verschließt.
Besonders gefährdet sind deshalb Menschen, deren Herzkranzgefäße bereits verändert sind, etwa nach einem Herzinfarkt oder bei bekannter koronarer Herzkrankheit. Auch ältere Menschen tragen ein höheres Risiko.
Was die Impfung in Studien bewirkt hat
Ob die Impfung das Herz schützt, hat die IAMI-Studie gezielt untersucht. Die Ergebnisse wurden 2021 im Fachjournal Circulation veröffentlicht. 2.571 Menschen bekamen kurz nach einem Herzinfarkt oder bei einer schweren koronaren Herzkrankheit entweder eine Grippeimpfung oder ein Scheinpräparat. Nach zwölf Monaten waren in der geimpften Gruppe 5,3 Prozent gestorben, hatten einen weiteren Herzinfarkt oder einen Verschluss eines Stents erlitten, in der Vergleichsgruppe 7,2 Prozent. Gestorben waren 2,9 Prozent der Geimpften und 4,9 Prozent der Vergleichsgruppe.
Eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration kam bereits 2015 nach Auswertung von acht Studien mit 12.029 Teilnehmenden zu dem Schluss, dass die Grippeimpfung bei Menschen mit Herzerkrankungen die Zahl der Todesfälle aus Herz-Kreislauf-Gründen senken könnte. Die Autorinnen und Autoren wiesen aber darauf hin, dass die einzelnen Studien klein waren und größere, hochwertige Untersuchungen nötig seien.
Was die Studien nicht zeigen
Der deutlichste Nutzen ist bei Menschen belegt, die bereits herzkrank sind. Für junge, gesunde Menschen ist ein Schutz vor Herzinfarkten durch die Impfung kaum messbar, weil Herzinfarkte in dieser Gruppe selten sind. Die Impfung ersetzt außerdem keine anderen Maßnahmen wie Rauchstopp, Blutdrucksenkung oder Medikamente gegen hohe Blutfette.
Wie gut die Grippeimpfung vor einer Ansteckung schützt, schwankt zudem von Saison zu Saison, je nachdem, wie gut der Impfstoff zu den zirkulierenden Viren passt. Ob und wann eine Impfung sinnvoll ist, sollten Menschen mit Vorerkrankungen mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen.
Wo die Grippeimpfung in Österreich gratis ist
In Österreich ist die Influenza-Impfung im Rahmen des öffentlichen Impfprogramms von Bund, Ländern und Sozialversicherung für alle ab sechs Monaten kostenlos. Geimpft wird bei teilnehmenden Hausärztinnen und Hausärzten, bei betrieblichen Impfaktionen und je nach Bundesland auch bei Bezirkshauptmannschaften und Magistraten. Empfohlen wird die Impfung laut der Plattform impfen.gv.at ab Mitte Oktober oder im November.
Ein Teil des Impfstoffs wird heuer laut Gesundheitsministerium verspätet geliefert, alle ausstehenden Mengen sollen bis Mitte November da sein. Bis dahin sollen vorrangig ältere und chronisch kranke Menschen sowie Schwangere geimpft werden. Die Impfbereitschaft ist niedrig: In der Saison 2025/26 lag die Durchimpfungsrate bei rund 13 Prozent, bei Menschen über 65 Jahren bei rund 24 Prozent.
Quellen: Kwong et al., Acute Myocardial Infarction after Laboratory-Confirmed Influenza Infection, NEJM 2018, Fröbert et al., Influenza Vaccination After Myocardial Infarction (IAMI), Circulation 2021, Cochrane Review, Grippeimpfungen zur Vorbeugung kardiovaskulärer Erkrankungen, impfen.gv.at, Influenza, Gesundheitsministerium
