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Ob laufende Nase oder schmerzender Hals: "Das, was wir da spüren, sind die Symptome, die unser Immunsystem bei der Bekämpfung der Viren produziert", erklärt der Mediziner. Die Ansteckung liegt dann aber schon eine gewisse Zeit zurück. Oft vergehen um die 48 Stunden zwischen dem Kontakt mit Atemwegsviren und den ersten Beschwerden. Plagen uns erste Symptome, spricht das dafür, dass es in den Schleimhäuten bereits eine hohe Virenlast gibt, gegen die sich der Körper zur Wehr setzt. Die ernüchternde Antwort: Die Erkältung lässt sich jetzt nicht mehr stoppen.
Viele Menschen wissen das und fahren beim ersten Halskratzen dennoch ein mitunter ritualisiertes Anti-Erkältungsprogramm - in der Hoffnung, doch noch das Ruder herumreißen zu können. Immerhin: Ingwershot, heißer Tee oder eine warme Badewanne können uns die Erkältung zwar nicht ersparen. Das heißt aber nicht, dass diese Maßnahmen gar keinen Nutzen für uns haben. "Das Sich-um-sich-selbst-Kümmern tut einem gut, weil man das Gefühl hat "Ich kann selbst etwas tun" und dem Kontrollverlust etwas entgegensetzen kann", sagt Markus Tullius.
Und was ist mit Vitamin-C- und Zinkpräparaten, auf die viele in der Erkältungszeit schwören? Dass sie Infekte abwenden oder verhindern können, ist wissenschaftlich nicht belegt. Was Studien aber zeigen: Die regelmäßige Einnahme von Vitamin-C-Präparaten kann die Dauer von Erkältungsbeschwerden leicht verkürzen. Wird Vitamin C erst zu Beginn der Erkältung eingenommen, zeigt sich aber kein Effekt.
Auch die regelmäßige Einnahme von Zinktabletten kann Studien zufolge dafür sorgen, dass Erkältungssymptome etwas weniger lang bleiben. Das internationale Forschungsnetzwerk Cochrane ordnet die Ergebnisse allerdings als unsicher ein. Dazu kommt: Die Einnahme von Zink kann Nebenwirkungen wie Geschmacksstörungen und Magenbeschwerden mit sich bringen.
Manchmal muss man einfach fit sein - etwa, weil ein wichtiger Termin im Job ansteht. Dafür gibt es allerlei Kombi-Erkältungsmedikamente in der Apotheke. Sie enthalten zum einen schmerz- und fiebersenkende Wirkstoffe wie Paracetamol, Ibuprofen oder ASS, zum anderen den Wirkstoff Pseudoephedrin, der die Schleimhäute abschwellen lässt.
In Einzelfällen - etwa, wenn man für einen Vortrag fit sein müsse - könne man solche Medikamente einnehmen, sagt Markus Tullius. Sie wirken ihm zufolge effektiv. "Sie werden dann gut durchkommen durch den Tag. Sie werden sich abends aber womöglich kränker fühlen als zuvor", schildert der Mediziner eine Beobachtung, die er immer wieder macht. Zudem kaufe man sich dem Mediziner zufolge mit dem Wirkstoff Pseudoephedrin das Risiko ein, dass sich der Infekt verzögert - eben weil man die Beschwerden unterdrückt.
Und nicht jeder hat unbedingt auf dem Schirm, dass in den Medikamenten bereits schmerzstillende Wirkstoffe enthalten sind. Wer zusätzlich noch eine Schmerztablette einnimmt, übersteigt womöglich die täglich empfohlene Dosis des Wirkstoffs. Also: genau hinschauen.
Auch wenn eigentlich so viel zu tun wäre: Wer eine Erkältung hat, ruht sich am besten gut aus - und akzeptiert, dass der Körper nun gegen die Viren und nicht an Höchstleistungen im Alltag arbeitet. Die gute Nachricht: Besserung ist absehbar. Erkältungen bezeichnen Mediziner als "selbstlimitierend". Das heißt: Der Körper wird mit den Erregern selbst fertig, wenn man ihm die Zeit dafür gibt. "Drei Tage kommt die Erkältung, drei Tage bleibt sie, drei Tage geht sie", fasst Markus Tullius zusammen. Abwarten und (Husten-)Tee trinken ist also eine gute Strategie.
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Christin Klose/Christin Klose
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