Nach einer Strafe von 200 Millionen Euro muss Temu nachbessern. Die EU-Kommission hat den Aktionsplan des Onlinehändlers gegen illegale und unsichere Produkte angenommen. Was sich damit ändern soll und worauf Kundinnen und Kunden achten können.
Kommission nimmt Aktionsplan an
Die EU-Kommission hat am Montag den Aktionsplan von Temu angenommen. Der Onlinehändler verpflichtet sich darin, die Risiken durch illegale und unsichere Produkte auf seiner Plattform neu zu bewerten und wirksamer einzudämmen. Die Kommission sieht darin nach eigenen Angaben ein weiteres Beispiel dafür, wie das Gesetz über digitale Dienste den Verbraucherschutz im Internet stärkt.
Der Plan ist die Folge einer Strafe von 200 Millionen Euro, die Brüssel Ende Mai gegen Temu verhängt hatte. Grundlage war der Digital Services Act, kurz DSA, der große Plattformen verpflichtet, Risiken für Nutzerinnen und Nutzer systematisch zu bewerten und zu begrenzen. Temu begrüßte die Entscheidung und dankte der Kommission für die konstruktive Zusammenarbeit.
Fünf Maßnahmen und eine Frist
Der Plan umfasst fünf Maßnahmen. Temu muss eine eigene, auf die Plattform zugeschnittene Risikoanalyse erstellen und mit verlässlichen Kennzahlen messen, ob seine Gegenmaßnahmen die Verbreitung illegaler Produkte tatsächlich bremsen. Außerdem soll das Unternehmen die Grenzen seiner Inhaltsmoderation prüfen und untersuchen, ob und wie seine Empfehlungsalgorithmen illegale Waren zusätzlich verbreiten.
Als fünften Punkt nennt der Plan gezielte Manipulation, etwa wenn Händler Funktionen der Plattform ausnutzen, um möglicherweise rechtswidrige Angebote nach vorne zu bringen. Binnen vier Monaten muss Temu eine erste Zwischenbewertung vorlegen. Sie soll einen Zeitraum von sechs Monaten abdecken, der am 30. November endet.
Was die Prüfer gefunden hatten
Die Kommission hatte Temu vorgeworfen, die Risiken auf seiner Plattform nur oberflächlich bewertet zu haben. Die Risikoanalyse aus dem Jahr 2024 habe sich auf allgemeine Informationen über den Onlinehandel gestützt statt auf konkrete Daten zu Temu und die Häufigkeit unterschätzt, mit der Kundinnen und Kunden in der EU auf illegale Produkte stoßen.
Bei Testkäufen fiel laut Kommission ein sehr hoher Anteil der ausgewählten Ladegeräte bei grundlegenden Sicherheitstests durch. Ein hoher Anteil des geprüften Babyspielzeugs stellte ein mittleres bis hohes Risiko dar, etwa wegen Chemikalien über den Grenzwerten oder abnehmbarer Kleinteile, an denen Kinder ersticken können. Kritisiert wurde auch, dass Temu nicht geprüft hatte, wie Empfehlungssysteme und Werbeprogramme mit Influencerinnen und Influencern solche Produkte verbreiten.
Billigpakete kosten seit Juli drei Euro extra
Das Verfahren gegen Temu läuft seit Oktober 2024. Als sehr große Online-Plattform mit mehr als 45 Millionen monatlichen Nutzerinnen und Nutzern in der EU unterliegt der Marktplatz den strengsten Pflichten des DSA. Unabhängig davon hat die EU auch beim Zoll nachgeschärft: Seit Juli wird auf Pakete im Wert von unter 150 Euro, die bis dahin zollfrei in die EU kamen, eine Gebühr von drei Euro fällig. Das betrifft neben Temu auch andere Plattformen wie Shein.
Worauf Kundinnen und Kunden achten können
Am Einkauf selbst ändert der Aktionsplan zunächst nichts. Wer auf Plattformen wie Temu bestellt, kauft häufig direkt bei Händlern außerhalb der EU. Gerade bei Elektrogeräten, Ladegeräten und Kinderspielzeug lohnt sich daher ein genauer Blick auf das CE-Kennzeichen, die Herstellerangaben und Bewertungen. Gefährliche Produkte, die bereits aufgefallen sind, listet die EU in ihrem Warnsystem Safety Gate, das öffentlich einsehbar ist.
Plattformen müssen nach dem DSA außerdem eine einfache Möglichkeit anbieten, illegale oder unsichere Angebote zu melden. Wer ein solches Produkt entdeckt, kann es direkt über die Meldefunktion des Marktplatzes melden.
Quellen: Europäische Kommission: Strafe gegen Temu nach dem DSA, Europäische Kommission, Stellungnahme von Temu
Weitere Quelle: Reuters, LaPresse
