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Knappes Kerosin: Fliegen wird wegen des Iran-Kriegs immer teurer

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©Unsplash, Yousef Alfuhigi

Flüge werden gestrichen, Drehkreuze fallen aus, Passagiere müssen sich auf steigende Ticketpreise einstellen.

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Der Iran-Krieg hat den internationalen Luftverkehr bereits nach einem Monat deutlich in Mitleidenschaft gezogen. Verdoppelte Kerosinpreise, kaum noch nutzbare Drehkreuze am arabischen Golf und ein deutlich verringertes Flugangebot in Richtung Asien sind die unmittelbaren Folgen. Wegen des gestörten Öltransports durch die Straße von Hormuz verknappt und verteuert sich das verfügbare Kerosin, sodass sich die Passagiere auf weiter steigende Ticketpreise einstellen müssen.

Zur ersten großen Reisewelle zu Ostern haben die meisten Airlines in Europa noch auf ihre Terminkontrakte verwiesen, mit denen sie sich auf längere Sicht günstigere Treibstoffpreise gesichert haben. Der Branchenriese Ryanair beispielsweise teilte auf Anfrage mit: "Wir sind für die nächsten 12 Monate bei einem Preis von 67 Dollar (58,27 Euro, Anm.) pro Barrel gut abgesichert, sodass sich dies weder auf unsere Kosten noch auf unsere günstigen Flugpreise auswirken wird."

Verschiebungen nach Westeuropa

Die britische Easyjet bestätigt zumindest eine "vorübergehend gedämpfte Nachfrage", die einige Wochen anhalten werde. Betroffen seien vor allem Ziele im östlichen Mittelmeerraum, während Spanien von einer höheren Nachfrage profitiere. Ähnliches ist vom Reiseveranstalter Tui oder der Lufthansa-Tochter Eurowings zu hören, die zu Ostern von einem überraschenden Mallorca-Boom nach einem verhaltenen Buchungsstart berichtet. Die Kunden greifen in der Krise zu bewährten Zielen in West- und Südeuropa, zusätzliche Flüge sind schnell ausgebucht.

Dass sich längst nicht jede Gesellschaft so gut geschützt hat, zeigt die Ankündigung der skandinavischen SAS, allein im April wegen des teuren Kerosins mindestens 1.000 weniger lukrative Strecken zu streichen. Auch die lettische Air Baltic hat mit kaum gedämpften Kerosin-Preisen zu kämpfen.

Drehkreuze am Golf fallen aus

Am schärfsten sind die Konsequenzen bisher aber auf der Fernstrecke zu spüren. Die Raketenangriffe und Bombardierungen in der Nahost-Region haben dazu geführt, dass globale Drehkreuze wie Doha, Abu Dhabi und Dubai auf unabsehbare Zeit ausfallen. Golf-Carrier wie Qatar Airways oder Gulf Air parken ihre Flugzeuge auf dem spanischen Wüsten-Flughafen Teruel, der zuletzt in der Corona-Krise eine Blütezeit erlebt hat.

"Die Gesellschaften am Golf haben rund die Hälfte des Gesamtverkehrs zwischen Europa und Asien abgezogen", beschreibt der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt die Situation vor dem Krieg. Diese Kapazitäten fehlen nun am Markt, wer dennoch beispielsweise nach Thailand oder Australien will, muss tief in die Tasche greifen.

Eigentlich eine lohnende Sonderkonjunktur für Europas größten Luftverkehrskonzern Lufthansa, der prompt Sonder-Direktflüge angekündigt hat. In die Kriegsregion Nahost will man den Sommer über nicht mehr fliegen, aus operativen Gründen, wie es heißt. Die nicht benötigten Flugzeuge sollen auf anderen Routen Geld verdienen, etwa in Europa und in Richtung Indien, ein Markt, der bisher stark über die Emirate bedient wurde.

Lufthansa prüft Stilllegung von Flugzeugen

Doch der Lufthansa-Konzern, der seinen Treibstoffbedarf nach eigenen Angaben bis zu 80 Prozent abgesichert hat, stellt sich auch auf Szenarien weiter steigender Ticketpreise ein. Diese könnten dafür sorgen, dass dauerhaft weniger Menschen in ein Flugzeug steigen – die nächste Krise.

Nach Informationen des Handelsblatts lässt Lufthansa-Chef Carsten Spohr intern prüfen, ob man vorerst 20 oder gar 40 Flugzeuge am Boden stehen lassen könne. Erste Wahl wären spritfressende Jets, die ohnehin kurz vor der Ausmusterung stehen. Auf der Streichliste stünden dann nicht die neuen Angebote, sondern Europastrecken, auf denen derzeit kaum noch Geld verdient werde. Die eigene Belegschaft bereitet Spohr schon einmal vorsorglich auf mögliche Kurzarbeit vor.

Kerosinzuschläge erhöht

Die Tickets werden aber nicht nur wegen der kaum zu befriedigenden Nachfrage teurer. Die Gesellschaften nutzen auch das altbekannte Instrument von Kerosinzuschlägen. Diese verstecken sich bei den Airlines der Lufthansa Group und anderen in dem Posten "International Surcharge", der je nach Ziel stark variieren kann.

Insbesondere in den höheren Buchungsklassen kommen auf Langstrecken schnell mehrere hundert Euro zusammen, die pauschal auf die variablen Buchungstarife aufgeschlagen werden. In der Holzklasse kostet daher ein Return-Ticket nach New York mit einem Zuschlag von 258 Euro um rund 50 Euro mehr als vor der Krise, wie das Portal Meilenoptimieren.com berechnet hat.

Asiatische Airlines leiden besonders unter hohen Kerosinpreisen

Besonders asiatische Airlines haben wegen der stark gestiegenen Kerosinpreise ihre Ticketpreise teils stark erhöht. Mehrere chinesische Fluggesellschaften kündigten höhere Treibstoffzuschläge für Inlandsflüge ab Sonntag an. Taiwans Airlines hoben die Zuschläge für ab Dienstag an. In Nepal verdoppelte die staatliche Ölfirma die Kerosinpreise. Die AUA-Mutter Lufthansa ist laut Konzernchef Carsten Spohr weniger von den Preissteigerungen betroffen.

Air China, China Southern und deren Tochtergesellschaft Xiamen Airlines erklärten, dass sie die Zuschläge für Flüge bis zu 800 Kilometern um 60 Yuan (7,53 Euro) und für längere Flüge um 120 Yuan erhöhen werden. Auch Spring Airlines und Juneyao Airlines kündigten Erhöhungen der Treibstoffzuschläge an. Die taiwanische Luftfahrtbehörde und das Verkehrsministerium in Taipeh kündigten am Mittwoch Aufschläge an, die Airlines bestätigten, dass deshalb ab dem 7. April die Ticketpreise steigen.

Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific hatte ihren Treibstoffzuschlag bereits zum 1. April um 34 Prozent angehoben. Weitere Airlines wie Air France-KLM, Air India, Qantas und SAS erhöhten die Ticketpreise. Nepal importiert fast seinen gesamten Kraftstoff aus dem benachbarten Indien. "Die einzige Möglichkeit für uns ist es, den Verbrauch zu senken", sagte ein Sprecher des staatlichen Öl-Konzerns NOC. Der Preisanstieg bei Kerosin könnte sich jedoch auf den wichtigen Tourismus auswirken, sollten sich Flugtickets stark verteuern.

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