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Bali: Wie Ubud vom Künstlerdorf zum Kultort wurde

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Ubud ist weltberühmt für seine Yoga-Studios und Retreats
©APA, dpa-tmn, Carola Frentzen
"Welcome home!", ruft der DJ in die Menge. Und spricht damit genau das aus, was die etwa 200 Anwesenden fühlen. Denn viele empfinden Ubud als eine Art zweites Zuhause - egal, ob sie hier leben oder nur für eine Weile bleiben. Der Ort im grünen Herzen von Bali hat Suchtpotenzial - obwohl er längst mit den Schattenseiten seines Erfolgs ringt.

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Dann startet die Musik, und der "Ecstatic Dance" beginnt. Wie jeden Sonntagmorgen haben sich im Yoga Barn, dem wohl bekanntesten spirituellen Zentrum Ubuds, Tanzende aus aller Welt versammelt - barfuß und meist leicht bekleidet. Für zwei Stunden verschmelzen sie zu einer Gemeinschaft im Takt der Beats: Gesprochen wird nicht, Smartphones bleiben in den Taschen. Selbst Fotos sind tabu. Ein Zufluchtsort fernab des digitalen Lärms.

Was Menschen seit Jahrzehnten nach Ubud zieht, lässt sich schwer in Worte fassen. Der Ort ist aber schon lange weltberühmt für seine Yoga-Studios, Retreats, Meditations- und Atemkurse, Sound-Healing-Angebote sowie Massagen und andere Anwendungen für ganzheitliches Wohlbefinden. Wer sich für diese Themen interessiert, findet hier etliche Gleichgesinnte.

Manche sprechen von einer besonderen Energie – kraftvoll und zugleich erdend und heilend. Nicht umsonst bedeutet der Name Ubud so viel wie "Medizin". Vielen gilt der Ort als Platz der Selbstfindung und alternativer Lebensweisen – ähnlich wie Sedona im US-Bundesstaat Arizona oder Byron Bay in Australien. "Viele Gäste haben mir schon bestätigt, dass sie hier jedes Mal etwas Besonderes empfinden, eben genau diese Energie, die Ubud zugeschrieben wird", erzählt Giri, die als Rezeptionistin im Hotel "Ubud Aura" arbeitet.

Ob da etwas dran ist, sei dahingestellt. Sicher ist, dass Ubud schon seit 100 Jahren Menschen aus aller Welt verzaubert. Als der deutsche Maler und Musiker Walter Spies (1895-1942) Ende der 1920er-Jahre nach Ubud kam, war das Dorf kaum mehr als eine Ansammlung von Tempeln, Reisfeldern und schmalen Pfaden.

Spies machte Ubud in Europa überhaupt erst bekannt. Zusammen mit dem niederländischen Künstler Rudolf Bonnet förderte er junge balinesische Maler und verwandelte das Dorf in eine internationale Künstlerkolonie. In seinem zweistöckigen Holzhaus oberhalb des Campuhan-Tals mit Blick auf den Dschungel empfing er einst die Größen seiner Zeit, von Charlie Chaplin bis zur US-Völkerkundlerin Margaret Mead.

Inzwischen gehört das Haus samt Lotusteich zum legendären "Tjampuhan", dem ältesten Hotel Ubuds, und kann als exklusive Unterkunft gemietet werden. Wo einst Künstler auf der Veranda saßen, Pfeife rauchten und die Stille genossen, rollen heute die Koffer wohlhabender Urlauber über denselben Boden.

Walter Spies würde seine Wahlheimat wohl nicht wiedererkennen. Noch bis in die 1970er Jahre galt Ubud als Rückzugsort für Rucksackreisende und Aussteiger. Wer hierherkam, suchte vor allem Ruhe, Kultur und das "ursprüngliche" Bali. Kleine Familienpensionen - sogenannte Homestays - prägten das Ortsbild, Reisfelder reichten bis ins Zentrum, Autos waren selten.

In den folgenden Jahrzehnten jedoch wurden immer mehr Reisende auf den Ort aufmerksam. Der Wandel hatte begonnen - zunächst schleichend, dann immer schneller. Dann erlebte Ubud 2006 durch den Bestseller "Eat Pray Love" der US-Autorin Elizabeth Gilbert einen gewaltigen Schub. In dem autobiografischen Buch - und noch stärker nach der Hollywood-Verfilmung mit Julia Roberts im Jahr 2010 - wurde das Städtchen für Millionen Menschen zum Sinnbild einer Reise zu sich selbst.

Wellnessangebote, Souvenirshops und vegane Cafés schossen aus dem Boden, während die Besucherzahlen rasant anstiegen. Plötzlich rauschten internationale Touristenbusse durch die Hauptstraßen, und Heiler wie der im Buch prominent erwähnte Ketut Liyer wurden so populär, dass Besucher teils stundenlang auf eine Audienz warten mussten. Mittlerweile kommen laut der Tourismusplattform "Discover Ubud" jährlich mehr als drei Millionen ausländische Gäste.

Diesen Wandel hat der Musiker und bekannte Klangtherapeut Shervin Boloorian, der seit fast 20 Jahren in Ubud lebt, hautnah miterlebt. Ruhig und ursprünglich sei der Ort früher gewesen, erinnert sich der gebürtige Iraner. Ein Treffpunkt für Menschen, die nach einem bewussteren Leben suchten. "Wir hatten das Gefühl, Teil einer Bewegung zu sein", sagt er. Für ihn sei schnell klar gewesen, dass er bleiben wollte. "Ubud hatte alles, was ich gesucht habe - Kultur, Musik, Natur und freundliche Menschen."

"Dann hat sich das Geheimnis herumgesprochen", sagt Boloorian mit leichter Wehmut. Der Strom von Touristen habe stetig zugenommen und das Ortsbild komplett verändert. "Der Verkehr ist inzwischen schrecklich." Massenweise Autos, Touristenbusse und Motorräder quälen sich täglich durch die Hauptstraßen Jalan Hanuman und Jalan Monkey Forest.

Apropos Monkey Forest: Auch Affen gehören zu den Attraktionen von Ubud. Hunderte Langschwanzmakaken, die im Affenwald mitten im Ort leben, sitzen regelmäßig auf Tempelmauern, balancieren über Stromleitungen oder beobachten das Treiben von den Dächern der Häuser. Wer nicht aufpasst, muss allerdings damit rechnen, dass die geschickten Primaten blitzschnell nach Sonnenbrille oder Handy greifen.

Einmal im Jahr wird die spirituelle Hochburg dann zur Bühne für die Literatur. Beim Ubud Writers & Readers Festival treffen sich jeden Oktober Autoren und Leser aus aller Welt und diskutieren über die großen Fragen des Lebens. Für viele ist das Festival der Beweis, dass in Ubud noch immer das kulturelle Herz Balis schlägt.

Und wer ganz früh am Morgen spazieren geht und sich in kleinen Seitenstraßen verliert, erlebt sie auch noch immer - die Magie von Ubud. "Man muss allerdings sehr genau hinsehen, um sie noch zu finden", sagt Klangtherapeut Boloorian. Der Duft von Lotus-Räucherstäbchen mischt sich mit dem sanften Klang von Windspielen aus Bambus, irgendwo in der Ferne spielt ein Gamelan-Orchester traditionelle Musik.

Sicher, Ubud ist heute nicht mehr das Dorf, das Walter Spies einst verzauberte. Doch der Ort hat sich etwas bewahrt, das viele Besucher bis heute anzieht. Ubud ist ein Gefühl - und wer ihm einmal verfallen ist, kommt immer wieder. Massentourismus hin oder her.

Einreise: Österreichische Staatsbürger benötigen für eine touristische Reise nach Bali ein kostenpflichtiges Visa on Arrival (VoA) für bis zu 30 Tagen. Das Visum kostet umgerechnet rund 30 Euro. Man kann es aber auch schon im Voraus online über das offizielle Indonesian eVisa Portal beantragen.

Anreise: Vom Flughafen Denpasar können Besucher ein Taxi nach Ubud nehmen oder die Fahrdienst-App Grab nutzen (meist billiger). Die Fahrt dauert eine bis eineinhalb Stunden.

Klima: Die beste Reisezeit für Ubud ist die Trockenzeit von April bis Oktober, wenn es größtenteils sonnig ist und die Luftfeuchtigkeit niedriger liegt. Als besonders angenehm gelten die Monate Mai, Juni und September, weil dann weniger Besucher kommen als in der Hauptferienzeit im Juli und August.

BALI - INDONESIEN: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Carola Frentzen/Carola Frentzen

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BALI - INDONESIEN: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Carola Frentzen/Carola Frentzen

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