Leben von

"Otello" in Samt und Seide

Christian Thielemann dirigierte Verdis „Otello“ in Salzburg

Leben - "Otello" in Samt und Seide © Bild: Forster

Seine vierten Salzburger Osterfestspiele eröffnete der Chefdirigent der Staatskapelle Dresden mit Giuseppe Verdis „Otello“. In der Titelpartie verkörperte José Cura neben Dorothea Röschmann als Desdemona. Carlos Alvarez gab bewährt den Intriganten Jago. Regisseur Vincent Boussard zeigte ein kühles Designer-Drama. Im Zentrum standen die Gewänder des französischen Modezaren Christian Lacroix. Das ist schön anzusehen, der Rest bleibt rätselhaft.

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Was gab es für einen Aufruhr, als Riccardo Muti im Jahr 2008 seine Interpretation von Verdis „Otello“ mit den Wiener Philharmonikern bei den Salzburger Festspielen intonierte. Die Urgewalten, die er zu Beginn des Werks aus dem Orchestergraben entfesselte, schlugen ihm von manchen Kritikern entgegen. „Tutta forza“ habe Verdi gewollt, erklärte der Maestro. Das klang schlüssig und einleuchtend.

Das Gegenteil war nun von Christian Thielemann und seinen Dresdenern zu hören. Ein ordentlicher Tusch stand zu Beginn, dann aber folgte sanfter Nieselregen. Wunderbare lyrische Passagen waren da zu hören, die erinnerten an Richard Strauss, beim Duett Desdemona und Otello gar an Puccini, wunderbare kammermusikalische Feinheiten wurden aus der Partitur gekeltert, Verdi wurde da neu, sanft aufgerollt. Aber der Verdi, den man aus jahrzehntelanger Hörpraxis kennt, war das nicht.

© Forster

Zurückhaltend, kühl war der Umgang der Regie mit Shakespeares Eifersuchtsdrama. Ein transparentes Segel, das auch als überdimensionales Taschentuch Desdemonas, der Auslöser des Unglücks, gesehen werden kann, weht über die Bühne in den Saal. Regisseur Vincent Boussard stattet das Geschehen mit einigen Ideen aus, die man jedoch schon einmal gesehen hat. Eine Engelfigur mit schwarzen Flügeln wandelt Unheil verkündend durch das Geschehen. Bei Claus Guths Regie von Mozarts „Figaro“ war es ein Engel mit weißen Flügeln, der eher beschwichtigende Funktion hatte. Der Rest der Regie beschränkt sich auf eine bescheidene Personenführung und arbeitet vor allem mit projizierten Farben. Weshalb Desdemona als Ermordete ihre letzten Töne singend von der Bühne abgeht, lässt sich nur damit erklären, dass ihr Hochzeitskleid auf einem Kleiderbügel über dem Unglücksort hängt. Denn das ist von Christian Lacroix. Und dessen Werk scheint der eigentliche Fokus dieser Produktion zu sein. Auch wenn diese historisierenden Gewänder sehr ansehnlich sind, machen sie das Unterfangen nicht aufregender.

Designer-Intrigant

José Cura hat sich als Otello einst bewährt, nun aber überragt die darstellerische Leistung die stimmliche vor allem in den Höhen. In den lyrischen Passagen ist er mehr als anhörbar. Dorothea Röschmann ist eine vorzügliche Gestalterin. Die Desdemona ist innig und intensiv. Carlos Alvarez ist ein Profi-Jago. Durch Boussards Personenführung jedoch wirkt er wie ein Designer von Intrigen, der mit kühler Sachlichkeit seine Malversationen plant. Von Christa Mayers Emilia ist nur Bestes zu berichten. Benjamin Bernheim ist ein ordentlicher Cassio, dessen Tenor aber im deutschen Fach besser zur Geltung käme. Georg Zeppenfeld ist eine Luxusbesetzung für den Lodovico. Der Rest des Ensembles ergänzt sehr ordentlich.

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