Roland Weißmann war vom 1. Jänner 2022 bis zu seinem Rücktritt im März 2026 Generaldirektor des ORF. Inzwischen hat der ORF sein Dienstverhältnis beendet, der gebürtige Linzer klagt auf rund vier Millionen Euro. Porträt, aktueller Stand und was bei der ORF-Generaldirektorenwahl 2026 passierte.
Roland Weißmann 2026: Rücktritt, Kündigung und Klage – der aktuelle Stand
Roland Weißmann (58) war vom 1. Jänner 2022 bis März 2026 Generaldirektor des ORF. Seither beschäftigt seine Causa Medien, Gerichte und Politik. Eine Übersicht mit Zuschreibung der jeweiligen Darstellungen:
8. März 2026 – Rücktritt: Weißmann trat nach Vorwürfen einer ORF-Mitarbeiterin zurück (ORF.at). Es geht um den Vorwurf sexueller Belästigung im Jahr 2022. Weißmann bestreitet die Vorwürfe; die Beziehung habe laut seinem Anwalt in beiderseitigem Interesse bestanden. Er sei zum Rücktritt gedrängt worden.
8. April 2026 – Compliance-Bericht: Laut ORF liegt keine sexuelle Belästigung im rechtlichen Sinn vor, es gebe auch keine Hinweise auf Drohungen oder berufliche Nachteile für die Mitarbeiterin. Zugleich seien Compliance- und ethische Standards verletzt worden, da jeder Anschein eines für Führungskräfte unangemessenen Verhaltens zu vermeiden sei.
April 2026 – Kündigung: Der ORF beendete das Dienstverhältnis unter Einhaltung der gesetzlichen und kollektivvertraglichen Fristen. Weißmanns Anwalt sprach von einem „durchsichtigen Versuch, trotz klarer Entlastung ein Fehlverhalten zu konstruieren“.
16. April 2026 – Klage: Weißmann fordert vom ORF knapp vier Millionen Euro, laut news.at unter anderem Restgehalt, Entschädigung für eine entgangene zweite Amtsperiode, Pensionskassenbeiträge und immateriellen Schaden. Der Prozess am Arbeits- und Sozialgericht Wien begann am 11. August 2026 und wurde vertagt. Am 21. Oktober 2026 steht ein Termin zur Nebenintervention der Mitarbeiterin an, am 20. November 2026 die Hauptverhandlung zur Gültigkeit der Kündigung. Der ORF hält die Kündigung für rechtskonform. Ein Urteil gibt es nicht.
Ermittlungen: Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt laut Medienberichten (30. April 2026) gegen die Mitarbeiterin und ihre Anwältin wegen des Verdachts der schweren Erpressung und des Missbrauchs von Aufzeichnungen. Weißmann hatte zuvor eine Strafanzeige gegen mehrere involvierte Personen angekündigt. Es gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.
Mehr dazu auf news.at:
ORF-Generaldirektorenwahl 2026: Clemens Pig folgt ab 2027
Nach Weißmanns Rücktritt führte zunächst Ingrid Thurnher, bis dahin Hörfunkdirektorin, den ORF interimistisch. Am 23. April 2026 bestellte der Stiftungsrat sie zur Generaldirektorin, befristet bis 31. Dezember 2026.
Bei der regulären ORF-Generaldirektorenwahl am 12. Juni 2026 setzte sich Clemens Pig, Chef der Nachrichtenagentur APA, im ersten Wahlgang mit 21 von 35 Stimmen durch. Es hatten sich neun Kandidatinnen und Kandidaten beworben. Pig tritt sein Amt am 1. Jänner 2027 an, seine Amtszeit läuft bis 31. Dezember 2031. Ein FPÖ-Stiftungsrat kündigte an, die Wahl anfechten zu wollen; der Ausgang ist offen. Thurnher hat Ende September 2026 einen weitreichenden Umbau des ORF angekündigt.
Mehr dazu auf news.at:
Steckbrief Roland Weißmann
Name: Roland Weißmann
Geboren: 16. März 1968 in Linz
Ausbildung: Nach der Matura 1986 studierte er Publizistik und Geschichte in Wien.
Beruf: Fernsehjournalist und Medienmanager, zuletzt ORF-Generaldirektor (1. Jänner 2022 bis März 2026)
Aktuell: Dienstverhältnis vom ORF beendet, Klage auf Schadenersatz anhängig
Familienstand: ledig, keine Kinder
Roland Weißmann - sein Lebenslauf und Karriereweg
Nach seiner Matura verließ der gebürtige Linzer seine Heimatstadt und studierte Publizistik und Geschichte in Wien. Roland Weißmanns Karriere im ORF ist eng mit dem Namen Richard Grasl verbunden. Nach Abschluss seiner Studien landete Weißmann 1995 im aktuellen Dienst im ORF-Landesstudio Niederösterreich. Nach Zwischenstopps als Chef vom Dienst bei Ö3 und als stellvertretender Chronikressortleiter in der ORF-Radioinformation, zog es Weißmann, der in seiner Freizeit Ausgleich beim Laufen und Boxen sucht, erneut nach Niederösterreich, wo er ab 2003 stellvertretender Chefredakteur unter Richard Grasl war.
Roland Weißmann
Ab 2007 war er als Fernsehchef für die tägliche Sendung "NÖ heute" mitverantwortlich. Ab 2010 war Weißmann Grasls Büroleiter in der ORF-Finanzdirektion und beschäftigte sich seitdem intensiv mit wirtschaftlichen und finanziellen Themen. ORF-intern wurde dem gelernten Journalisten hohe Sachkompetenz in Finanz- und Budgetthemen attestiert. Grasl machte seinen langjährigen Wegbegleiter auch zum "Chefproducer Fernsehen". In dieser Funktion hatte Weißmann ein rund 400 Millionen Euro schweres Budget zu verwalten. 2020 wurde Weißmann von Wrabetz dann auch noch zum dritten Geschäftsführer von ORF.at und Verantwortlichen für die geplante Streamingplattform ORF-Player bestellt.
Auch interessant:
Ergebnisse der ORF-Wahl 2021
Bei der ORF-Wahl 2021 wurde Roland Weißmann schließlich im Stiftungsrat zum ORF-Generaldirektor gewählt. Der von der ÖVP favorisierte Kandidat erreichte im obersten ORF-Aufsichtsgremium mit türkis-grüner Unterstützung 24 von 35 Stimmen und kam damit auf eine deutliche Mehrheit.
Weißmanns Vorgänger Alexander Wrabetz erhielt 6 Stimmen. ORF 1-Channelmanagerin Lisa Totzauer kam auf 5 Stimmen - davon zumindest drei von FPÖ-nahen Stiftungsräten. ORF-Vize-Technikdirektor Thomas Prantner als auch Harald Thoma erhielten keine Stimmen.
Er ist vor allem ein Teamplayer
"Der neue ORF-Generaldirektor Roland Weißmann verbindet journalistische, programmwirtschaftliche und digitale Kompetenz und er ist vor allem ein Teamplayer - genau das braucht der ORF für seine Zukunft", sagte damals Thomas Zach, Leiter des bürgerlichen "Freundeskreises". Mit dem Ergebnis stehe eine breite Mehrheit im Stiftungsrat hinter einem digitalen Reformkurs für den ORF - die Bestellung von Weißmann sei ein klares Signal für die ambitionierte Weiterentwicklung des größten österreichischen Medienunternehmens.
Bereits kurze Zeit nach seiner Ernennung zum ORF-Generaldirektor, konnte sich Weißmann im April 2022 über acht Publikumspreise beim Film- und Fernsehpreis "Romy" freuen.
Bei der Romy-Verleihung 2022 strahlte Weißmann: Der ORF räumte einige der begehrten Trophäen ab.
Weißmanns Amtszeit 2022 bis 2026: Sparkurs und Haushaltsabgabe
Im Februar 2023 legte Weißmann einen Sparplan über rund 300 Millionen Euro bis 2026 vor (Horizont). Im Juli 2023 beschloss der Nationalrat die ORF-Gesetz-Novelle mit der Haushaltsabgabe: Seit 2024 sinkt der Beitrag für die meisten Haushalte von 18,59 auf 15,30 Euro pro Monat, das Gesamtaufkommen liegt bei rund 710 Millionen Euro. Die TVthek wurde zum ORF-Player, die Zahl der Artikel auf ORF.at wurde mit 350 pro Woche begrenzt.
Seine Funktionen im ORF
Der gebürtige Linzer hatte vor seiner Funktion als ORF-Generaldirektor mehrere gewichtige Positionen im ORF inne. So agierte er seit 2012 als "Chefproducer Fernsehen", womit er das größte Programmbudget im ORF verwaltete. Von 2017 bis 2022 war er zudem Vizefinanzdirektor.
Weißmann war 2016 vom damals frisch wiederbestellten ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zunächst sogar als Kaufmännischer Direktor vorgesehen. Nachdem der ÖVP-"Freundeskreis" im obersten ORF-Gremium den Preis für die Zustimmung zu Wrabetz' Direktorenteam aber immer weiter in die Höhe schraubte, wurde es doch nichts mit dem Posten des Finanzdirektors.
In seinen niederösterreichischen ORF-Jahren arbeitete Weißmann nicht nur eng mit Richard Grasl zusammen, sondern auch mit Lisa Totzauer und Alexander Hofer, den späteren Channel Managern von ORF 1 und ORF 2. Hofer zählte zu den engsten Vertrauten Weißmanns, das Verhältnis zu Totzauer, die 2021 gemeinsam mit Weißmann und Wrabetz um den Posten des Generaldirektors rang, galt als deutlich abgekühlt.
Literaturtipps:

Geschichte des Rundfunks: Ein Rückblick auf über 100 Jahre Radio in Deutschland und Österreich
Was Roland Weißmann im Beruf wichtig ist
"Die Unabhängigkeit der Redaktion ist für mich das Wichtigste", meinte Weißmann im Zuge einer Debatte um politische Einflussnahme auf die Berichterstattung von ORF.at.
Redaktionsvertreter:innen erinnerten Weißmann zuvor, dass es als Geschäftsführer nicht seine Aufgabe sei, im Sinne einer Partei zu intervenieren und Umtitelungen oder Ähnliches zu fordern. Nach einer Aussprache sei die Causa erledigt, so Weißmann.
Wie der Medienmanager privat tickt
Roland Weißmann ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Über seine Familie und seine Eltern hielt sich der gebürtige Linzer stets bedeckt.
Im Interview mit Ö3-Moderatorin Claudia Stöckl beim Ö3-"Frühstück bei mir" (Jänner 2022) gab der sonst eher zurückhaltende Medienmanager einige private Details preis: Damals war er Single. Zuvor war Weißmann in einer längeren Beziehung mit einer AUA-Flugbegleiterin, mit der ihn nach eigener Aussage bis heute eine tiefe Freundschaft verbindet. Aus der Beziehung ist ihm der Hund seiner ehemaligen Partnerin geblieben: Für Labrador "Wupper" spielt Weißmann gerne den Hundesitter.
In seiner Freizeit ist Weißmann sportlich unterwegs: So geht er gerne bei jedem Wetter laufen und hat den schwarzen Gürtel im Boxen. Aus seiner Zeit in Niederösterreich stammt außerdem ein Jagdschein.
Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn Sie auf einen solchen klicken und über diesen einkaufen, bekommen wir von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter eine Provision. Für Sie verändert sich der Preis nicht.

