Anton Mattle: Tiroler ÖVP-Spitzenkandidat und Landeshauptmann-Anwärter

Allseits beliebt, aber (noch) kaum bekannt: Wirtschaftslandesrat Anton Mattle tritt am 25. September für die ÖVP als Spitzenkandidat zu der Landtagswahl Tirol an. Es droht das historisch schlechteste Ergebnis der Partei.

von Anton Mattle © Bild: IMAGO/Roland Mühlanger

Steckbrief Anton Mattle

  • Name: Anton Mattle, Spitzname "Toni"
  • Geboren am: 10. März 1963 in Zams, Tirol
  • Wohnhaft in: Tirol
  • Position: Wirtschaftslandesrat und ÖVP-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2022
  • Ausbildung: Elektriker-Lehre, Meisterprüfung; gründete Firma Elektro Mattle
  • Partei: ÖVP
  • Familienstand: verheiratet mit Daniela Mattle
  • Kinder: 3 - ein Sohn, zwei Töchter
  • Enkelkinder: 4

Anton Mattles Werdegang

Anton "Toni" Mattle wuchs in seinem Heimatort Galtür (Bezirk Landeck) am elterlichen Hof auf. Nach der Hauptschule in Kappl und Landwirtschaftlicher Lehranstalt in Imst absolvierte Mattle ab 1978 eine Lehre zum Elektroinstallateur. 1989 schloss er die Meisterprüfung zum Radio- und Fernsehtechniker erfolgreich ab. Neben der Geschäftsführung eines eigenen Elektrounternehmens bekleidete Mattle mehrere Posten innerhalb der Tiroler Tourismusbranche und der Energiewirtschaft, unter anderem als Kommanditist und Aufsichtsratsmitglied. Mit Übernahme des Amts als Tiroler Wirtschaftslandesrat im Mai 2021 gab Mattle bekannt, seine unternehmerischen Tätigkeiten einstellen zu wollen. Auch sein Aufsichtsratsmandat bei den Illwerken legte er zurück.

Unglück von Galtür als prägendes Erlebnis

Mattles erstes politisches Mandat bekleidete er 1986 als gerade einmal 23-jähriger Vizebürgermeister von Galtür. 1992 wurde er zum Bürgermeister seiner Heimatgemeinde gewählt. Ein einschneidendes Ereignis in seinen frühen Jahren als Galtürer Bürgermeister war der Februar 1999: Eine riesige Lawine begrub Galtür unter sich und schnitt rund 5.000 Tourist:innen und 850 Einheimische von der Außenwelt ab. 31 Menschen kamen bei dem historischen Lawinenunglück ums Leben. Mattle, zu dieser Zeit bereits sieben Jahre Bürgermeister, und Galtür waren damals auch Gegenstand internationaler Berichterstattung. Laut eigenen Aussagen präge ihn dieses Erlebnis bis heute.

Anton Mattle
© IMAGO/Roland Mühlanger Anton Mattle war einst Vizebürgermeister und Bürgermeister von Galtür.

2003 zog Mattle zum ersten Mal in den Tiroler Landtag ein, zu dessen Vizepräsidenten er 2013 gewählt wurde. Seit 11. Mai 2021 ist Mattle Mitglieder der Tiroler Landesregierung. Dort ist er unter anderem zuständig für Wirtschaft und Industrie, Digitalisierung, Jugend-, Familien- und Seniorenpolitik. Sein Amt als Bürgermeister, das er somit knapp drei Jahrzehnte bekleidete, legte er mit Mai 2021 zurück. Mattle ist Mitglied des Tiroler Wirtschaftsbunds und auch innerhalb des Bauernbundes bestens vernetzt.

Mattle steht plötzlich im Rampenlicht

Einer breiteren medialen Öffentlichkeit ist Mattle seit Mai 2021 bekannt. Im Zuge einer unerwarteten Personalrochade innerhalb der Landesregierung folge Mattle seiner Vorgängerin Patrizia Zoller-Frischauf als Wirtschaftslandesrat nach. Zoller-Frischauf trat aus persönlichen Gründen zurück.

Auch außerhalb Tirols bekannt wurde Mattle schließlich im Juni 2022. Der noch bis Herbst amtierende Tiroler Landeshauptmann Günther Platter gab im Juni 2022 überraschend bekannt, im September nicht mehr zu den Landtagswahlen antreten zu wollen. Er wolle sich mit Herbst aus der Politik zurückzuziehen. Als seinen Wunschkandidaten präsentierte der scheidende Landeshauptmann Anton Mattle. Mattle wurde am 13. Juni vom Parteivorstand einstimmig als Spitzenkandidat designiert und im Juli bei einem Landesparteitag im Congress Centrum Alpbach mit 98,9 Prozent zum Tiroler ÖVP-Vorsitzenden gewählt. Bei den vorgezogenen Neuwahlen vom 25. September wird Mattle somit als Spitzenkandidat antreten.

Anton Mattle
© imago images/Sammy Minkoff Anton Mattle möchte Günther Platter als Tiroler Landeshauptmann nachfolgen.

Hinter den Kulissen dürfte die Zustimmung für Mattle teils durchaus verhaltener ausgefallen sein, da sich auch andere Tiroler ÖVP-Granden Hoffnung auf den Chefsessel in ihrer Volkspartei machten. Im Vorfeld warb Mattle um ein möglichst eindeutiges Ergebnis, als starkes Signal für die anstehenden Landtagswahlen.

Günther Platter hinterlässt ein schweres Erbe

Das Erbe, das Platter Mattle hinterlässt, ist kein leichtes. Laut aktuellen Umfragen droht der Tiroler ÖVP im Herbst das schlechteste Wahlergebnis ihrer Geschichte. Seit 1945 stellt die Volkspartei in Tirol ununterbrochen den Landeshauptmann, auch dieses Mal wird ihr Rang eins wohl kaum eine Partei streitig machen. Jedoch: Im Vergleich zu den vergangenen Landtagswahlen 2018, welche die ÖVP mit gut 44 Prozent souverän für sich entschied, droht nun (für ÖVP-Verhältnisse) mit derzeit prognostizierten 30 Prozent ein Wahldebakel.

Immerhin: Bei den Landtagswahlen 2018 erreichte Mattle mit knapp 64 Prozent im Bezirk Landeck das beste Tiroler ÖVP Ergebnis. Mit 8012 persönlichen Kreuzerln erntete Mattle den Titel „Vorzugsstimmenkaiser“. Auch über Parteigrenzen hinweg gilt Mattle als beliebter Politiker: Als „einen, den alle mögen“, betitelte ihn der Standard einst.

Im Wahlkampf wolle man Mattle noch deutlich bekannter machen, erklärte dessen Parteimanager Martin Malaun Anfang August gegenüber der APA. Noch-Landeshauptmann Platter werde daher auf Wahlkampfauftritte weitestgehend verzichten – um nicht den Eindruck zu erwecken, „der Herr Landeshauptmann müsste den neuen Kandidaten bei der Hand nehmen".

Teure Wahlkampf-Kampagne

Mit 1,5 Millionen Euro wird die ÖVP im Vergleich zu allen anderen Parteien das meiste Geld in die Hand nehmen, in etwa so viel wie im Wahlkampf 2018. Eine zuvor von der Opposition geforderte Wahlkampfkostenobergrenze von einer Million Euro wurde von der ÖVP verhindert. Gegenüber der APA kündigte Parteimanager Malaun an, es solle ein „ganz auf den Toni zugeschnittener Wahlkampf“ werden.

Seit seinem Amtsantritt als Tiroler ÖVP-Chef nahm Mattle bereits einige innerparteiliche personelle Veränderungen vor. Landtagsvizepräsidentin Sophia Kircher, Landesbäuerin Helga Brunschmid und der Bürgermeister von Oberlienz, Markus Stotter, rücken als Stellvertreter:innen in sein Team auf. EU-Abgeordnete Barbara Thaler bleibt stv. Parteiobfrau. Laut Mattle wolle möglichst er ein Gleichgewicht bei Geschlechtern, Bünden und Regionen herstellt.

Anton Mattle privat

Anton Mattle wurde am 10. März 1963 in Galtür (Bezirk Landeck) als zweites von vier Kindern geboren. Mit seiner Frau Daniela hat er drei Kinder. Mattle gilt als begeisterter Bergsportler. Bis heute ist er Landesleiterstellvertreter der Tiroler Bergrettung. Bis Ende vergangenen Jahres war er Geschäftsführer des Alpinariums Galtür, eines „Ausstellungs- und Dokumentationszentrums zum Leben im hochalpinen Raum".