Biogena-CEO Albert Schmidbauer
©David WedenigBiogena-CEO Albert Schmidbauer warnt vor den Folgen rückwirkender Änderungen beim Sachbezug für E-Autos. Wenn Unternehmen und Mitarbeiter auf Basis bestehender Vorgaben investieren und diese später geändert werden, leide das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Österreich.
Gastkommentar zum Sachbezug für e-Autos von Biogena-CEO Albert Schmidbauer
Innerhalb von nur 48 Stunden haben mehrere tausend Menschen eine Petition unterschrieben. Nicht, weil sie ein Detail im Steuerrecht diskutieren wollen. Sondern weil sie ein ungutes Gefühl haben. Dieses Gefühl lässt sich einfach beschreiben: Was passiert, wenn Spielregeln, auf deren Basis man Entscheidungen getroffen hat, plötzlich nachträglich verändert werden?
Genau darum geht es in der aktuellen Diskussion. Es geht nicht um die Frage, ob sich Rahmenbedingungen ändern dürfen. Natürlich dürfen sie das – und sie müssen es auch. Wirtschaft und Gesellschaft entwickeln sich weiter, und Politik muss darauf reagieren.
Wer heute entscheidet, wird morgen vorsichtiger sein. Nicht aus Trotz, sondern aus Logik und Erfahrung
Aber es gibt einen Unterschied, der entscheidend ist. Änderungen, die für zukünftige Entscheidungen gelten, schaffen Klarheit. Änderungen, die bestehende Entscheidungen im Nachhinein betreffen, schaffen Unsicherheit. Und genau diese Unsicherheit ist es, die derzeit so viele Menschen bewegt.
In den vergangenen Jahren wurden Entscheidungen getroffen – von Unternehmen ebenso wie von Mitarbeitern. Investitionen in PV-Anlagen, Ladeinfrastruktur, Fahrzeugflotten wurden getätigt, Verträge abgeschlossen, Modelle aufgebaut. Nicht spekulativ, sondern auf Basis klarer, geltender Rahmenbedingungen.
Wenn sich diese Rahmenbedingungen im Nachhinein verändern, betrifft das nicht nur einzelne Maßnahmen. Es verändert die Erwartungshaltung. Wer heute entscheidet, wird morgen vorsichtiger sein. Nicht aus Trotz, sondern aus Logik und Erfahrung.
Die Petition
Die von Biogena-CEO Albert Schmidbauer initiierte Petition „Vertrauen schützen statt bestrafen: Kein Sachbezug für bestehende E-Dienstwagen!“ richtet sich gegen die geplante Abschaffung der Sachbezugsbefreiung für Elektro-Dienstfahrzeuge. Die Initiatoren argumentieren, Unternehmen und Arbeitnehmer hätten auf Basis klarer und nicht befristeter steuerlicher Regelungen langfristige Entscheidungen getroffen – etwa bei Fuhrparks, Ladeinfrastruktur, PV-Anlagen oder Leasingverträgen.
Eine nachträgliche Einführung des Sachbezugs für bestehende Fahrzeuge würde dieses Vertrauen beschädigen und für Unsicherheit sorgen, so Schmidbauer. Laut Petition wären rund 100.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer betroffen. Gefordert wird daher ein Bestandsschutz für alle bis 31. Dezember 2026 abgeschlossenen Verträge über Elektro-Dienstfahrzeuge.
Kein theoretisches sondern ein wirtschaftliches Problem
Denn wenn gilt, dass sich Spielregeln sehr plötzlich auch rückwirkend ändern können, dann wird jede Entscheidung zu einer Unsicherheitsfrage. Das ist kein theoretisches Problem. Das ist ein wirtschaftliches. Investitionen werden zurückhaltender. Planungen werden kürzer und Risiken werden höher bewertet.
Und genau das kann sich der Wirtschaftsstandort Österreich nicht leisten, grundsätzliche nicht und schon gar nicht in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Dass sich diese Stimmung bereits in kurzer Zeit in tausenden Unterschriften ausdrückt, ist daher kein Zufall. Es ist ein Signal. Ein Signal dafür, dass es hier um mehr geht als um eine einzelne steuerliche Maßnahme.
Es geht um Vertrauen. Und Vertrauen ist kein weicher Faktor – es ist eine der härtesten Währungen eines Wirtschaftsstandorts.
Eine Lösung ist möglich
Die gute Nachricht: Eine Lösung ist möglich. Neue Regeln können für die Zukunft gelten. Aber bestehende Entscheidungen können mit einem Bestandsschutz respektiert werden. Das ist kein fauler politischer Kompromiss, sondern ein Grundprinzip funktionierender Rahmenbedingungen. Am Ende entscheidet sich genau an der Lösung solcher Fragen, wie mutig künftig noch investiert wird, wie langfristig geplant wird – und wie verlässlich ein Standort wie Österreich wahrgenommen wird.
Die Petition zeigt: Dieses Thema bewegt – täglich immer mehr Menschen. Jetzt liegt es an der Politik, das richtige Signal zu setzen. Denn Vertrauen entsteht über Jahre – und kann in kurzer Zeit verloren gehen.

Steckbrief
Albert Schmidbauer
Albert Schmidbauer hat als CEO der Biogena Group E-Mobilität als Investitionsfeld vorangetrieben – erst zuletzt hat das Salzburger Unternehmen seine E-Mini Flotte von 140 Fahrzeugen erneuert.






