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Eventhalle im Spannungsfeld der Sparpolitik

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©Stefan Ruhmke

Trotz Sparzwang investiert Wien Millionen in eine Eventhalle in St. Marx. Kritik gibt es an Kosten, Standort und unklaren Einnahmen.

Die Stadt Wien muss sparen – dabei ist das Budgetdefizit 2025 ohnehin von prognostizierten 3,8 Milliarden Euro auf 2,8 Milliarden gesunken, wie die Stadtregierung Ende Jänner verlautbaren ließ. Der Schuldenstand der Stadt lag damit per Ende 2025 bei 14,4 Milliarden Euro, hieß es. „Wir bekennen uns zur Konsolidierung“, ließ Bürgermeister Michael Ludwig verlautbaren; geplant sind unter anderem Kürzungen bei der Mindestsicherung.

Rund 153 Millionen sind dennoch fix verplant – und zwar für den Bau einer neuen Eventhalle in St. Marx. Wo früher Rinder und Schweine geschlachtet wurden, sollen ab 2030 die Fans in Massen in die „Wien-Holding-Arena“ gelockt werden. Gebaut und betrieben wird die neue Halle von CTS Eventim, die Stadt hat sich verpflichtet, den genannten Betrag beizusteuern.

Das Grundstück gehört der Wien-Holding, die dann auch an den Einnahmen beteiligt werden soll – in welcher Höher und wie genau das abgewickelt wird, wird derzeit nicht verraten. Eventim wurde von der Holding, die sich im Eigentum der Stadt befindet, gegen einen Baurechtszins das nötige Baurecht eingeräumt. Jährlich 150 Veranstaltungen – also beinahe jeden zweiten Tag eine – sollen bis zu 1,2 Millionen Besucher bringen.

Bei den 153 Millionen bleibt es aber nicht, denn dazu kommt eine „Mittelvorsorge“ in Höhe von 63 Millionen Euro für die nötige Infrastruktur. Die Verhandlungen über die genaue Abwicklung dauern gerade an. Man befinde sich in der „Projektvorbereitungsphase gemeinsam mit CTS Eventim“, heißt es dazu in einem Statement der Wien Holding.

Es würden „die vertraglichen und planerischen Grundlagen finalisiert und die erforderlichen Genehmigungsverfahren vorbereitet“. Ziel sei es, die Voraussetzungen für eine moderne Multifunktionsarena zu schaffen, die internationale Standards erfülle und Wien als führende Entertainmentund Kongressmetropole stärke. Die zuständige Finanzstadträtin Barbara Novak verweist auf Nachfrage von News auf die Statements der Wien-Holding und will zu dem Thema nichts extra sagen.

Stadtrechnungshof soll prüfen

Die ÖVP und die Grünen haben laut Medienberichten angekündigt, das Projekt vom Stadtrechnungshof überprüfen zu lassen. Auf Widerstand stößt aber nicht nur die Finanzierung über die Stadt, sondern auch die Wahl des Standorts: Die Fläche in St. Marx wurde seit zehn Jahren in Form einer Zwischennutzung von kleineren Initiativen als Veranstaltungsort für Sport und Kunst genutzt.

Im November demonstrierten lokale Initiativen gegen den Bau; u. a. spricht sich auch die Heavy-Rockband „Lurch“ gegen die neue Halle aus. Ursula Berner, Kultursprecherin der Wiener Grünen, ist nicht prinzipiell gegen eine neue große Musikhalle. „Aber ich bin gegen diesen Standort und mit Steuergeld, das man anderswo ausgeben könnte.“ Wien habe schlechte Erfahrungen mit solchen Großprojekten gemacht und gerade in finanziell angespannten Zeiten sei das Geld anderswo besser investiert. „Zwei Drittel des gesamten Kulturbudgets fließen in die Eventim-Halle“, rechnet Berner vor.

Es sei auch unklar, was von den Einnahmen bei der Stadt bleiben würde. Und ob die Wertschöpfung hoch ist, sei dahingestellt: „Wenn Besucher aus Bratislava kommen, bringt das der Stadt wenig außer ein höheres Verkehrsaufkommen.“

Durch die Hintertür

Ein Blick nach Italien zeigt die Problematik solcher Projekte: Im Nachbarland sollte eine neue Veranstaltungshalle eigentlich von Eventim allein bezahlt werden. Die „Arena Santa Giulia“ in Mailand wurde mit Kosten von 180 Millionen Euro veranschlagt; sie wird unter anderem für Sportevents im Rahmen der Olympischen Winterspiele genutzt.

Anfänglich als Paradebeispiel für ein Projekt privater Investoren gelobt, drohte es wegen gestiegener Baukosten zu scheitern. Die Folge: Der Staat musste kurzerhand eine „Inflationslücke“ von rund 50 Millionen Euro beisteuern, damit die Halle rechtzeitig fertig wurde. Die Stimmungslage in Mailand hat sich inzwischen gedreht, in italienischen Medien ist von einer „Public-Private-Partnership durch die Hintertür“ die Rede.

Auf Wien hat das italienische Beispiel offenbar keine Auswirkungen: Das Projekt in St. Marx befinde sich weiterhin in der Vorbereitungsphase und die entsprechenden Verhandlungen laufen noch, bestätigt Eventim-Aus­tria-Chef Klingler.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 11/2026 erschienen.

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