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An den Märkten wurden die Wetten auf eine Zinserhöhung im Juni zurückgeschraubt. Die Renditen für zweijährige deutsche Staatsanleihen, die besonders sensibel auf Zinserwartungen reagieren, fielen leicht auf 2,65 Prozent, während der Euro nach der Entscheidung leicht nachgab. "Die EZB hat den zunehmenden Inflationsdruck, aber auch die größeren Abwärtsrisiken für das Wachstum anerkannt", sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei ING. "Es sieht so aus, als habe die EZB keine Eile mit einer Zinserhöhung."
Die EZB bleibt hinsichtlich der vom Iran-Krieg ausgehenden Inflationsrisiken auf der Hut: "Je länger der Krieg anhält und je länger die Energiepreise auf hohem Niveau bleiben, desto stärker wird sich dies voraussichtlich auf die allgemeine Inflation und die Wirtschaft auswirken", heißt es im Begleittext zum Zinsentscheid. Der EZB-Rat sei weiterhin gut gerüstet, um die aktuelle Unsicherheit zu bewältigen.
An den Finanzmärkten wird über eine Zinserhöhung im Juni spekuliert. Dafür spricht aus Sicht vieler Händler, dass Mitte des Jahres voraussichtlich mehr Klarheit über die gesamtwirtschaftlichen Folgen des Ölpreisschocks herrschen wird. Doch steckt die EZB in einem Dilemma, da sie mit einer strafferen Geldpolitik zwar den Preisauftrieb dämpfen, aber im schlimmsten Fall auch die bereits angeschlagene Konjunktur abwürgen könnte.
Die EZB bleibt hinsichtlich der Inflationsrisiken auf der Hut: "Der EZB-Rat wird die Lage genau beobachten und bei der Festlegung des angemessenen geldpolitischen Kurses einen datengestützten Ansatz verfolgen und von Sitzung zu Sitzung entscheiden", heißt es im Begleittext zum Zinsentscheid. Mit Spannung wird erwartet, wie sich EZB-Chefin Christine Lagarde vor der Presse zum weiteren Kurs äußern wird.





