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Ein Hektoliter entspricht 100 Litern oder 133 Standardflaschen Wein. Die Weinernte habe wegen der Hitze "außergewöhnlich früh begonnen", so der Weinbaupräsident bei einer Pressekonferenz. Die Weinbauern befinden sich bereits mitten in der Ernte. In Niederösterreich, der Steiermark und Wien hat Anfang September die Hauptlese gestartet.
Besonders der Osten Österreichs war im Sommer von extremer Trockenheit und Hitze betroffen. Die Winzer im Weinviertel erwarten einen Wein-Mengenrückgang von bis zu 40 Prozent.
"Kleine Beeren bedeuten weniger Saft, aber eine hohe Konzentration an wertgebenden Inhaltsstoffen", sagte Schmuckenschlager. Man rechne mit "besonders aromatischen und ausdrucksstarken Weinen".
Die geringe Ernte 2026 setzt die Winzer finanziell unter Druck. Man habe aber "kein Weinmarktproblem", weil man auf Mengenreserven aus dem guten Weinjahr 2025 zurückgreifen könne, so der Weinbaupräsident. Der Weißwein sei "sehr stabil im Preis", beim Rotwein kämpfe die Branche, weil es in Europa einen Überschuss gebe. Der heimische Weinbauverband will wie Frankreich und Deutschland auf finanzielle Fördermittel der EU-Agrarkrisenreserve zurückgreifen und 7 bis 10 Millionen Liter überschüssigen heimischen Rotwein zu Industriealkohol verarbeiten lassen. Derzeit würden dazu Gespräche mit dem Landwirtschaftsministerium laufen.
In Österreich setzt sich die Weinernte normalerweise zu zwei Dritteln aus Weißwein und einem Drittel aus Rotwein zusammen. Der Weinbauverband erwartet aufgrund der schwierigen Marktlage beim Rotwein einen weiteren Trend zum Weißwein-Anbau in Österreich.
Ein verändertes Konsumverhalten, ein rückläufiger Weinkonsum und "hoher Preisdruck" wirken sich laut Weinbauverband auf die gesamte Branche aus. Die geringe Ernte 2026 stabilisiere den Markt, aber für die Betriebe sei die Situation "herausfordernd", so der Weinbaupräsident. Man rechne damit, dass manche Nebenerwerbsweinbauern, die etwa Rotweintrauben für andere Winzer anbauen, aufhören werden. Schmuckenschlager begrüßte die Dürrehilfen der Regierung für die heimischen Bauern.
Die Österreich Wein Marketing (ÖWM) bewirbt hierzulande derzeit mit einer eigenen Kampagne heimischen Qualitätswein. Außerdem wolle man verstärkt "jüngere Generationen für Weine begeistern", sagte ÖWM-Chef Chris Yorke am Rande der Pressekonferenz. Der Alkoholkonsum unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen - vor allem bei Frauen - geht in Österreich seit Jahren zurück. Der Referatsleiter für Weinwirtschaft bei der Landwirtschaftskammer Österreich, Josef Glatt, kritisierte, dass von der Anti-Alkohol-Lobby "jeder Schluck Alkohol als gefährlich" dargestellt werde. Man plädiere für "einen moderaten gesellschaftlichen Konsum". Alkoholfreier Wein ist laut dem Weinbaupräsident "ein wachsendes Segment", aber mit begrenztem Potenzial. In Hadersdorf am Kamp (Bezirk Krems) gibt es seit Mitte des Jahres Österreichs erste Entalkoholisierungsanlage für Wein, die von der familiengeführten Weinkellerei Toifl errichtet wurde.
Der Rechnungshof (RH) sah zuletzt dringenden Reformbedarf beim Weinrecht, etwa bei der Kontrollstruktur zur Qualitätssicherung oder bei den Weinkomitees. Beim geplanten Weingesetz würden die Kritikpunkte des Rechnungshofes berücksichtigt, damit man "State of the Art" und EU-konform unterwegs sei, erklärte der Weinbaupräsident.
Hilfe für die Winzer winkt auch durch eine Überarbeitung der Anwendungsverordnung für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU. Unter anderem soll dadurch ein besserer Schutz gegen die Amerikanische Rebzikade ermöglicht werden, die im Weinbau wuchert. Betroffene Weingärten, die jünger als zehn Jahre sind, können künftig gerodet werden, ohne eine behördliche Anordnung abwarten zu müssen. Anschließend kann sie mit Unterstützung der Umstellungsbeihilfe wieder ausgepflanzt werden. Das soll dazu führen, dass befallene Bestände rasch entfernt werden, so das Agrarministerium am gestrigen Mittwoch.
