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Nach dem Auftakt in Wolfsburg hat Blume am Mittwoch seine Auftritte bei Betriebsversammlungen in Emden und Zwickau fortgesetzt. Beide Werke werden neben Hannover und dem Standort der Tochter Audi in Neckarsulm als Fabriken genannt, für die es noch keine "wettbewerbsfähige Belegung" für die 2030er-Jahre gebe. Daher geht dort die Sorge vor einer Schließung um.
Klarheit hat der Auftritt für die Beschäftigten allerdings nicht gebracht. "Die entscheidenden Fragen sind nicht beantwortet worden", konstatierte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Zwickau, Thomas Knabel. Mike Rösler, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates von Volkswagen Sachsen sprach von einer "gemischten Stimmung". Es habe nicht die Antworten gegeben, die sich viele erhofft hätten, aber auch keine Hiobsbotschaften.
Der VW-Boss betonte in Emden die schwierige Wettbewerbslage des Standorts in Ostfriesland. Die Arbeitskosten lägen mehr als doppelt so hoch wie an vergleichbaren europäischen Standorten, auch bei den Fabrikkosten seien andere Werke deutlich günstiger, sagte Blume.
Dass das Werk Emden auf der Kippe stehen soll, hatte überrascht, weil dort schon Ende 2024 der letzte Verbrenner vom Band gelaufen war und nach einer Milliardeninvestition ausschließlich E-Autos gebaut werden. In dem Werk arbeiten rund 7.700 Beschäftigte. Der Standort gilt in Ostfriesland als der wichtigste industrielle Arbeitgeber.
Ähnlich ist die Situation im sächsischen Zwickau. In der Region ist Volkswagen der größte private Arbeitgeber. Die Auto-Fabrik ist bei VW zudem Pionier der Elektromobilität: Seit 2020 werden hier ausschließlich E-Fahrzeuge gebaut. Doch nachdem auch andere Standorte in diesen Sektor eingestiegen sind, ist die Auslastung in Zwickau gesunken - verbunden mit einem Abbau an Personal. Arbeiteten in dem Fahrzeugwerk zu Hochzeiten rund 11.000 Beschäftigte, sind es derzeit noch etwa 8.000. Und 2027 soll eine der beiden Fertigungslinien komplett stillgelegt werden.
"Die Welt, auf deren Grundlage wir viele Entscheidungen der vergangenen Jahre getroffen haben, gibt es so nicht mehr", sagte Blume in Emden. Es gebe Veränderungen und deshalb müsse die Lage immer wieder neu bewertet werden. In Emden seien die Kosten zwar gesenkt, aber eben weiter vergleichsweise hoch. "Das ist kein Vorwurf, es ist die Realität, an der wir uns messen lassen müssen."
Nach Emden reiste Blume weiter nach Zwickau. Dort demonstrierten vor dem Werkstor VW-Mitarbeiter zusammen mit Beschäftigten von Zulieferern für eine Zukunft des Standorts. "Mama, hast du in 5 Jahren noch Arbeit?" hieß es auf einem der Plakate, "Vereint für unsere Zukunft kämpfen" auf einem anderen.
An der Autoproduktion hängen auch viele Jobs bei Zulieferern. Das machte Marcel Kuczyk, Vize-Betriebsratsvorsitzender von Schnellecke Logistics in Glauchau, deutlich. Er war mit mehreren Kollegen ebenfalls vors Zwickauer VW-Werk gekommen, um sich für dessen Erhalt starkzumachen. Allein am Standort seines Unternehmens arbeiteten weitere rund 600 Menschen. Sie hängen seinen Angaben nach zu 100 Prozent an der Autofabrik von VW.
Nach Unternehmensangaben lobte Blume in Zwickau die Anstrengungen der Beschäftigten, die Kosten am Standort zu senken. "Ihr habt Kosten gesenkt, Abläufe verbessert und den vereinbarten Personalumbau planmäßig vorangebracht. Kurz gesagt: Ihr habt gezeigt, dass Veränderung möglich ist", sagte er bei der Betriebsversammlung. "Man kann allen im Konzern nur immer wieder sagen: Schaut nach Sachsen, wie gut das da gelaufen ist."
Trotzdem sei man nicht am Ziel. Es gehe darum, dauerhaft die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu sichern. "Die Arbeitskosten liegen heute bei mehr als dem Doppelten vergleichbarer europäischer Standorte. Und auch bei den Fabrikkosten liegen andere Werke noch deutlich günstiger", so Blume.
Blume bekräftigte den Angaben zufolge, dass es für die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm noch keine "keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre" gebe. "Ich möchte aber auch klarstellen, dass es keine Entscheidung zu möglichen Werkschließungen gibt."
Sollte es trotz aller Anstrengungen am Ende keine Belegung für sie geben, dann stehe Volkswagen trotzdem in der Verantwortung. Blume: "Wir kämpfen um industrielle Perspektiven und um Beschäftigung für unsere Standorte. Mit Partnern. Mit Investoren. Mit neuen industriellen Lösungen."
Mit dem Motorenwerk in Chemnitz und der Gläsernen Manufaktur in Dresden hat Volkswagen zwei weitere Standorte in Sachsen. Dort werden Vorstandsmitglieder von VW an diesem Donnerstag erwartet. In Dresden werden schon keine Autos mehr produziert.
Vor den Betriebsversammlungen hatte es am Montag ein Spitzentreffen in der sächsischen Staatskanzlei gegeben. Dort trafen sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) mit Blume und VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch zum Gespräch.
Die Standorte in Sachsen seien eine Perle im VW-Konzern, sagte Panter nun. "So eine Perle darf man nicht vor die Säue werfen. Und ich bin mir sicher: Das wird VW auch nicht tun." Er verwies darauf, dass Volkswagen zugesichert habe, dass für alle Standorte im Wettbewerb die gleichen Bedingungen gelten. Deswegen sei ihm nicht bange, dass es auch in Zukunft in Zwickau eine Fahrzeugproduktion geben werde.
