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"Es ist nun wichtig, nach vorne zu schauen, weil die entscheidenden Monate kommen jetzt", betonte der ÖHV-Vertreter. Wirtschaftlich sei die Sommersaison "noch keine gemähte Wiese". Nach dem leichten Nächtigungsplus gegenüber dem Vorjahr von 1,5 Prozent in den Monaten Mai und Juni, das die Statistik Austria kürzlich bekanntgab, und mit Blick auf die bisher vorliegenden, weiteren Buchungen sei die heimische Hotellerie "vorsichtig optimistisch".
"Die 1,5 Prozent sieht man positiv in der Branche - es ist wichtig, dass man diesen guten Start hat", hielt Stanits fest. Den Statistikern zufolge brachten die ersten beiden Monate das beste Ergebnis einer Sommervorsaison seit Beginn der elektronischen Aufzeichnungen 1973/74. "Es sind sicher auch neue Betten auf den Markt gekommen", relativierte der Sprecher der gehobenen Hotellerie. Die Frage sei, ob die Auslastung stimme. "Das wird sich weisen."
"Die Sache ist eher das Einnahmenniveau, die Kostenerhöhungen", sagte Stanits ergänzend zu den Rekord-Nächtigungszahlen und zur Gesamtlage der heimischen Hoteliers. Die Kosten der Beherbergungsbetriebe seien jedenfalls stark gestiegen. Gleichzeitig bemerke man bei den Gästen eine steigende Zurückhaltung bei den Ausgaben.
Die Urlauberinnen und Urlauber wichen auf Ein- und Zwei-Stern-Hotels teilweise aus: "Das stärkste Plus gibt es bei den gewerblichen Ferienwohnungen - man schaut aufs Geld", berichtete der Branchensprecher mit Blick auf den Juli und den August.
Insgesamt seien die Hotels "gut gebucht, das heißt nicht ausgebucht, aber man ist auf einem guten Stand", umriss Stanits die aktuelle Entwicklung. "Wenn nicht viel dazu passiert, wird das ein guter Sommer", fügte er hinzu. Auch das Wetter sei ein gewisser Unsicherheitsfaktor in der Branche. "Aber das weiß man, damit lebt man." Die Buchungen kommen zudem zunehmend kurzfristig.
"Ich kenne Paare, die buchen erst, wenn sie eine Stadt anfliegen - mit Kindern traust du dich das nicht; und auch Businessreisende machen das nicht, oder jemand, der viel Geld ausgibt fürs Zimmer", erzählte der ÖHV-Sprecher. Es komme auf das jeweilige Umfeld an, auf die Zielgruppe, die man als Quartiergeber bediene, auf die Destination, die Lage des Hotels - und das Wetter. Letzteres betreffe die Ferienhotellerie, etwa Hotels an einem See, stärker als die Stadthotellerie. Doch auch hier spielten viele Faktoren zusammen. "Das ist extrem unterschiedlich", betonte Stanits.
"Immer kurzfristiger heißt bei uns, jetzt bucht man zehn Tage vorher", sagte die Sprecherin des Wellness- und Seminarhotels Schlosspark Mauerbach im Wienerwald, Angelica Freyler, zur APA. Im Vorjahr seien es im Schnitt noch 17 Tage gewesen, vor der Corona-Pandemie sechs Wochen. "Der Charakter von 'last minute' ist weg, weil 'last minute' ist normal - diese Buchungsform hat sich ad absurdum geführt."
Das Gros der Nächtigungen in den heimischen Hotels stammt von Urlauberinnen und Urlaubern aus Deutschland und Österreich. Bei den restlichen Herkunftsmärkten gibt es auch infolge des Russland-Krieges gegen die Ukraine und des Angriffs der USA und Israels auf den Iran spürbare Veränderungen. "Wir haben über viele Jahre schon die Russen weg, die Ukrainer weg - teilweise fehlen nun auch der arabische Raum, Israel und entferntere Räume, die über die Flugdrehkreuze in Nahost müssen", berichtete Stanits. "Da brummt es nicht."
Die großen internationalen Umsteigeflughäfen Dubai, Doha oder Abu Dhabi könnten Gäste aus entfernteren Räumen zwar benutzen, doch stimmungsmäßig gebe es Unsicherheiten. "Wer unbedingt fliegen will, der kommt schon, der schafft es schon - es sind nicht immer die rationalen Daten, die da mitspielen", meinte der ÖHV-Sprecher. Die Unruhen eskalierten zuletzt auch wieder. Bis zum vergangenen Wochenende meldeten etwa die USA 13 Nächte in Folge Angriffe auf den Iran - im Gegenzug kam es zu Vergeltungsangriffen auf US-Militärstützpunkte in Jordanien und Kuwait.
Die Kriegswirren verunsichern und bremsen die Reiselust. "Noch stärker ist natürlich der Effekt auf die arabischen Märkte", so Stanits. Zum Auftakt der heurigen Sommersaison verbuchten die heimischen Beherbergungsbetriebe hier für Mai und Juni laut Statistik Austria gegenüber dem Vorjahr einen Einbruch bei den Buchungen von 43,8 Prozent auf 138.000 Nächtigungen. Der Anteil an den Gesamtbuchungen in Österreich, die in dem Zeitraum bei mehr als 22 Millionen Nächtigungen lagen, war zwar gering. "Das sind aber schon auch Gäste, die besonders viel Geld hier im Land lassen", erklärte der Branchensprecher. Diese Einnahmen fehlen nun. "Das schmerzt natürlich."
(Die Gespräche führte Birgit Kremser/APA)
